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Generalsekretäre in die Produktion – meine Woche im Praktikum

Wie letztes Wochenende hier angekündigt, habe ich in dieser Woche jeden Tag in einem anderen Betrieb ein Praktikum gemacht. Das Handelsblatt hatte im Frühjahr gefordert, Parteigeneräle sollten mal in die Produktion gehen – und das habe ich nun, wie früher auch schon gemacht. Fünf Tage, fünf Bundesländer, fünf Betriebe, über 1500 Kilometer.

Am ersten Tag meiner Praktikumswoche war ich im Milchviehbetrieb meines Bundestagskollegen Kees De Vries in Sachsen-Anhalt. Auf vier Betriebsstätten verteilen sich rund 1.700 Kühe und Kälber. Noch vor dem Frühstück konnte ich beim Füttern der Kälber, Futterranschieben im Stall und der Tierkontrolle mithelfen. Nach einer gemeinsamen Kaffeepause mit der Mannschaft stand das Melken auf dem Arbeitsplan. Pro Tag werden über 20.000 Liter Milch produziert. Ohne Digitalisierung ginge auch da gar nichts mehr. Beim Mittagessen diskutierten wir über die Bedeutung der Landwirtschaft, Fragen der Tierhaltung, Abhängigkeit vom Wetter und die Entwicklung des Milchpreises. Landwirtschaft ist aber längst nicht mehr nur die Arbeit im Stall. Und so ging es zum Abschluss noch ins Büro, wo der Familienbetrieb mit 1.300 Hektar gemanaged wird. Natürlich haben wir auch über den Mindestlohn gesprochen. Insgesamt klappt es da recht gut, aber bei Saisonkräften in der Erntezeit ist noch nicht alles optimal; hier müssen wir dran bleiben. Mir wurde wieder mal deutlich, wie viel harte Arbeit und Aufwand hinter unseren guten Lebensmitteln steckt – und dass dazu sehr viel Idealismus gehört.

Tag 1

Am Dienstag war ich bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. In dem traditionsreichen Stahlunternehmen ganz im Osten von Brandenburg sind rund 2.800 Menschen beschäftigt. Es hat eine enorme Bedeutung für die gesamte Region. Los ging es im Berufsbildungszentrum. Azubis im zweiten Lehrjahr zeigten mir das Feilen, Bohren und Fräsen an der konventionellen Drehmaschine. Danach waren wir am Hochofen. 5.000 Tonnen Eisen fließen hier tagtäglich raus, 1.500 Grad heiß. Im Stahlwerk werden in diesem Jahr über 2 Millionen Tonnen Stahl gefertigt. Anschließend konnte ich im Warmwalzwerk wieder selber mit anpacken – natürlich erst nach der obligatorischen Arbeitssicherheitsbelehrung. Zum Abschluss durfte ich dann beim „Bindebandabschneiden“ helfen. Dabei wird die Fixierung um kaltgewaltzen, aufgerollten Bandstahl entfernt. Stahlindustrie war für mich wieder etwas Neues. Was ich dort zu sehen bekommen habe, hat mich schwer beeindruckt – vor allem die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Standort, der einen gewaltigen Strukturwandel erlebt hat. Wir müssen in der Politik unbedingt die Rahmenbedingungen – insbesondere beim Thema Energie – so setzen, dass Deutschland ein starker Industriestandort bleibt.

Tag 2

Der dritte Tag meiner Praktikumswoche führte mich ins sächsische Pirna zur Bundespolizeidirektion. Das ist natürlich nicht wirklich „Produktion“, aber es war mir wichtig, auch mal die Menschen, die Tag und Nacht für unser aller Sicherheit arbeiten, zu begleiten. Die Direktion hat 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verteilt auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Präsident Jörg Baumbach erläuterte mir die größten Herausforderungen für seine Direktion – steigende Flüchtlingszahlen, grenzüberschreitende Kriminalität, Gefahren durch islamistischen Terrorismus. Nach der täglichen Lagebesprechung ging es auf Streife in der Grenzregion zu Tschechien – zunächst mit Beamten in zivil, anschließend in einem Polizeiauto. Die Zusammenarbeit von Bundespolizei und Landespolizei läuft in Sachsen vorbildlich und erfolgreich. In der Bundespolizeiinspektion Berggießhübel habe ich mit den Beamten über die technische und personelle Ausstattung, das Ansehen von Polizisten in der Gesellschaft, aber auch das Problem gewaltbereiter Fußballfans gesprochen. Ich finde, dass wir immer wieder deutlich machen müssen: Gewalt gegen Polizisten ist ein Angriff auf uns alle. Zum Abschluss des Tages begleitete ich Bundespolizisten am Flughafen und Hauptbahnhof Dresden. Es war spannend, die Abläufe dort auch mal von der anderen Seite kennen zu lernen.

Tag 3

Am Donnerstag ist ein kleiner Traum für mich wahr geworden, denn ich war bei der Firma Geobra Brandstätter in der Nähe von Zirndorf. Der Name sagt nicht jedem etwas. Aber die bekannteste Marke des Unternehmens – Playmobil – kennt jeder. Ich bin mit den Figuren aufgewachsen und sammele sie noch immer. Das Unternehmen ist eine faszinierende Erfolgsgeschichte: Seit 1974 wurden 2,8 Milliarden Playmobil-Figuren produziert. In der Produktion in Dietenhofen arbeiten 1.500 Leute, in 67 Länder wird exportiert. Es ist etwas Besonderes, dass ein Spielwarenhersteller ausschließlich in Europa produziert. Da in der Region Vollbeschäftigung herrscht, werden gerade hier in Bayern qualifizierte Einwanderer als Mitarbeiter immer wichtiger. Zunächst wurde mir das Lager gezeigt, in dem viele Tausende Artikel vorrätig sind und verschickt werden. Anschließend ging es in die Produktion, wo ich mir zunächst alle Schritte – Arbeitsvorbereitung, Spritzerei, Druckerei, Montage – anschauen und mit Azubis über ihre Jobaussichten sprechen konnte. Für die politische Arbeit in Berlin nehme ich mit, dass Zeitarbeit, entgegen mancher Behauptungen, sehr gut funktionieren kann, weil damit Arbeitskräfte an ein Unternehmen rangeführt werden und häufig auch eine Übernahmeperspektive haben. Den Nachmittag verbrachte ich dann nach einer Sicherheitsunterweisung in der Montage am Fließband. Dabei habe ich Kartons mit Figuren und Bauteilen bestückt – pro Minute 25 – sowie Kartons auf Paletten geladen. Außerdem wurde mir bei meinem Besuch noch die Produktion der zweiten Marke des Unternehmens – Lechuza – gezeigt. Hier werden ebenfalls aus Kunststoff Pflanzenkübel und ab nächstes Jahr Gartenmöbel hergestellt. Ich muss wohl nicht extra betonen, dass der Tag im Playmobil-Shop ausklang.

Tag 4

Für den letzten Tag meiner Praktikumswoche ging es in die hessische Heimat. Endlich mal wieder im eigenen Bett schlafen. Doch nicht wirklich lange, denn pünktlich um 2.45 Uhr war ich in der Bäckerei von Wolfgang Naumann in Kefenrod. Diese macht Brot, Brötchen, Kuchen und andere Köstlichkeiten für 27 Filialen, alleine in der Backstube sind fast 40 Mitarbeiter beschäftigt. An verschiedenen Stellen konnte ich selbst Hand anlegen: Baguette sowie Kürbiskern- und Mohnbrötchen fürs Backen vorbereiten, Brotlaibe während des Backens bestreichen, süße Stückchen mit Pflaumen, Mandeln oder Kakaostreuseln belegen, Brötchen aus dem Ofen holen. Nach dem Backen ging es zum Ausfahren der Waren an die Filialen in Büdingen, Gründau, Linsengericht und Gelnhausen. Zur Stärkung gab es im Café der Büdinger Filiale Frühstück – dort gibt es übrigens freies WLAN. Es geht also, wenn man will. Zurück in der „Backstubb“ durfte ich dann wieder Hand anlegen: Gemeinsam haben wir CDU-Kekse gebacken – mit Schokoladen- und Marmeladenfüllung. Montagmorgen werde ich diese an die Kollegen im Konrad-Adenauer-Haus verteilen. Somit werden auch sie ein bisschen von meiner Praktikumswoche profitieren, bei der ich sehr viel gelernt habe und großen Spaß hatte.

Tag 5

Nun ist es Zeit, Bilanz zu ziehen: Die Woche war intensiv und abwechslungsreich. Ich habe sehr viel Neues kennen gelernt und tolle Menschen getroffen. Diese Erfahrung wird mir sicher auch bei der Arbeit in Berlin helfen. Einigen konkreten Punkten, die ich erfahren habe, möchte ich in den nächsten Wochen nachgehen. Also auch dafür hat diese durchaus anstrengende Woche etwas gebracht. Vor allem hat mich aber begeistert, mit wieviel Herzblut die Leute ihre Arbeit tun – auch unter größter körperlicher und mentaler Belastung. Mir ist klar, dass ich immer nur einen ersten oberflächlichen Eindruck bekommen konnte. Und in viele Berufsfelder, die mich auch interessieren würden, konnte ich gar nicht reinschauen. Deshalb hoffe ich, im nächsten Jahr wieder so eine Praktikumswoche machen zu können. Denn persönlich und politisch habe ich sehr viel mitgenommen.

Meine CDU 2017. Wir diskutieren die Zukunft unserer Partei

Fotograf: Tobias Koch www.tobiaskoch.net

Fast 30 Termine habe ich jetzt überall in der Republik zur Parteireform „Meine CDU 2017“ durchgeführt. Vor Ort waren unsere Mitglieder gemeinsam mit Kreisvorsitzenden, Abgeordneten und Kreisgeschäftsführern und sie alle haben gemeinsam diskutiert, zugehört und auch Kritik an der Partei geübt. Man merkt, dass die Mitglieder verschiedene wichtige Anliegen haben: Sie wünschen sich eine stärkere Wertschätzung ihrer Arbeit, sie wollen anders gehört werden und zu Wort kommen, sie wollen besser erklärt bekommen, warum wir in Berlin oder auch auf Landesebene bestimmte Entscheidungen treffen. Genau deshalb habe ich schon letztes Jahr über 100 Stadt- und Kreisverbände der CDU besucht – und dieses Jahr werden es sogar noch mehr.

Und ich habe gemerkt: Wenn man unseren Mitgliedern erklärt, warum wir vielleicht auch liebgewonnene Dinge infrage stellen müssen, dann sind sie dabei. Unsere Parteibasis ist viel offener für Veränderungen als mancher vermutet. Das ist auch kein Wunder: Die Mitglieder der CDU wissen, dass sich unsere Gesellschaft verändert und dass wir als Partei Schritt halten müssen. Dies gilt auch für unsere Organisationsstruktur und Arbeitsweise.

Wichtig ist unseren Mitgliedern aber auch, dass wir als Christdemokraten bleiben, wer wir sind: Die Volkspartei in der Mitte der Gesellschaft, die aufbaut auf dem „C“ und dem christlichen Menschenbild, der sozialen Marktwirtschaft und der Liebe zum Vaterland. Die Aufgabe ist dabei keine einfache. Denn Christdemokraten müssen, aufbauend auf dem was immer gilt, Antworten auf Herausforderungen von heute und morgen geben. Und natürlich wird die CDU mit dem Bundestagswahlprogramm von 1990 keine Wahl im Jahr 2017 gewinnen können. Schon die Antworten von 2013 werden im Zweifel nicht reichen. Darin liegt der Schlüssel für unseren Erfolg. Christdemokraten haben seit ihrer Gründung immer wieder neu nachgedacht, sich hinterfragt und das werden wir auch künftig tun müssen, wenn wir erfolgreich sein wollen.

Interessenten und potentielle Mitglieder, aber auch die, die neu eingetreten sind, fragen uns nach dem „Mehrwert“ oder Nutzen ihrer Mitgliedschaft. Wenn wir für Bürgerinnen und Bürger attraktiv sein wollen, werden wir neue Formen der Mitarbeit eröffnen müssen.

Ein Mitglied meint: „Als eine moderne Volkspartei muss die CDU die direkte Mitbestimmung ihrer Mitglieder verbessern. Dazu sollte es durch Änderung der Satzung möglich sein, dass Kreisverbände ihre Kreisparteitage als Mitgliederparteitag durchführen müssen. (…) Das bisherige Delegiertensystem hat (…) ausgedient.“ Auch andere Mitglieder haben uns dazu viele Vorschläge geschickt. Ein wichtiger Punkt ist das Mitgliederprinzip auf Parteitagen der Kreis-Ebene. Schon heute laden viele Kreisverbände alle Mitglieder zum Kreisparteitag ein. Ich finde, das sollten künftig alle Kreisverbände so handhaben.

Nicht nur die Medien interessieren sich für unsere Parteitage! Auch unsere Mitglieder würden daran gerne anders teilhaben, als nur die Übertragung im Internet zu oder die Medienberichte zu verfolgen. Ein Mitglied hat uns geschrieben: „Aufregend und motivierend zugleich sind unsere Parteitage auf Bundes- und Landesebene. Ich sehe ein, dass die Plätze dabei begrenzt werden müssen, wenn Delegierte entsandt werden. Es wäre aber eine Überlegung wert, einen erweiterten Zugang den Mitgliedern zu ermöglichen, die nicht gleichzeitig Delegierte sind. Das Recht, Fragen zu stellen bzw. Anregungen einbringen zu können, wäre sicher eine Möglichkeit.“

2014-10-21 Meine CDU 2014 Visuelles Protokoll_s

Er ist mit diesen Ideen nicht alleine. Viele unserer Mitglieder wünschen sich, dass wir auf übergeordneter Ebene zuhören. Wir haben schon beim Wahlprogramm zur Europawahl 2014 und zu Leitanträgen des CDU-Bundesvorstandes zu Parteitagen die Möglichkeit eröffnet, online Vorschläge zu machen – für jedes Mitglied. Andere Mitglieder hatten die Möglichkeit, diese Vorschläge zu bewerten und bei einer entsprechenden Unterstützung haben wir sie auf den Parteitagen zur Abstimmung gestellt. In meiner Funktion als Generalsekretär habe ich sie vorher in die Beratung der Antragskommission eingebracht. Gut wäre es, wenn es dafür künftig ein formales Verfahren gibt. So erhalten unsere Mitglieder die Möglichkeit, Anträge für den Parteitag der CDU Deutschlands zu stellen, wenn sie eine ausreichende Anzahl von Unterstützern haben. Eine gute und neue Form der Beteiligungsmöglichkeit: ein Antragsrecht der Mitglieder für den Bundesparteitag.

Ein Mitglied schrieb uns: „Es ist sehr schade, dass Kompetenzen, Wissen und Interessen oft in den Köpfen der Mitglieder schlummern und nicht in einen politischen Diskurs einfließen. Wenn man in einem Ortsverband arbeitet, kann man viel zu wenig an anderen Themen wie beispielsweise Bildungspolitik oder Umweltpolitik teilhaben. Regionalkonferenzen sind ein guter Anfang, aber die konkrete Abfrage der Mitglieder nach ihren fachlichen Expertisen und konkrete lebendige politische Fachkongresse könnten die parteipolitische Meinungsbildung beleben und die Mitglieder stärker einbinden.“ Richtig! Darum wollen wir beispielsweise unsere Netzwerke und Bundesfachausschüsse öffnen. Diese sollen regelmäßig eine Beteiligung für alle Parteimitglieder ermöglichen. Mit einem Modellprojekt, der digitalen Fachkommission, haben wir das erprobt und wollen dies nun überführen. Es stimmt: Wir verschenken zu viel Wissen und sollten unseren Mitgliedern die Möglichkeit geben, auch auf Bundesebene ihren Sachverstand anders einzubringen.

Besonderes Augenmerk verdient außerdem die Arbeit mit unseren Neumitgliedern. Politik ist ein Handwerk und deswegen muss man die politische Arbeit lernen. Dazu muss man Gelegenheiten geben. Man muss erklären, wie unsere Partei „funktioniert“. Unsere Stadt- und Gemeindeverbände, die Vorstände vor Ort haben dabei eine besondere Verantwortung. Wir wollen daher künftig verpflichtend Mitgliederbeauftragte in die Vorstände wählen lassen, die diese Aufgabe übernehmen – und auch mit Leben füllen – als ein Amt, das Verantwortung für die Begleitung neuer Mitglieder schafft und nicht als unliebsame Aufgabe empfunden wird, die man im Zweifel an den hauptamtlichen Kreisgeschäftsführer delegiert. Jeder Verband braucht künftig einen solchen Mitgliederbeauftragten. Die Bundespartei ist aber ebenfalls gefordert. Wir sollten überlegen, wie wir neue Mitglieder in den ersten Monaten begleiten können – durch bessere Informationen, durch Schulungsangebote und Kampagnen. Daran arbeiten wir.

Die Diskussionen in der Kommission zur Parteireform „Meine CDU 2017“ gehen weiter bis zur Sommerpause. Dann werden wir unsere Vorschläge dem Bundesvorstand vorlegen und die Parteigliederungen bitten, erneut darüber zu beraten. Natürlich werden auch die Mitglieder weiter in die Diskussionen einbezogen. Auf dem Parteitag Ende 2015 in Karlsruhe werden wir die entsprechenden Beschlüsse fassen. Bis dahin sind alle Mitglieder eingeladen, den Prozess aktiv mitzugestalten. Das bedeutet noch viel Arbeit für uns alle. Ich freue mich darauf. Es lohnt sich. Denn es ist unsere CDU!

Der Hund meiner Eltern

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Vor einigen Tagen habe ich meine Eltern besucht. Meine Mutter empfing mich mit den Worten: „Die Polizei hat angerufen. Wir sind angezeigt worden – anonym – wegen Dir!“ Eine Frau muss wohl auf dem Polizeiposten in Wächtersbach erschienen sein und hat dort gefordert, dass man gegen meine Eltern ermittelt. Diese würden immer mit ihrem Hund spazieren und der würde dann „alles vollkacken“. Meine Eltern würden aber nicht zur Rechenschaft gezogen, weil ich ja der Generalsekretär der CDU sei.

Wir halten also fest: Das Ordnungsamt der Stadt Wächtersbach – die eigentlichen Übeltäter – drücken beide Augen zu und „schonen“ meine Eltern, weil ich Politiker bin. Und die Presse berichtet nicht darüber – Stichwort „Lügenpresse“ – und vertuscht diese Tatsache ebenfalls. Eine große Verschwörung kommt ans Tageslicht und ich habe meinen ersten großen Skandal. Ob die Frau für Ihre Behauptungen Beweise vorlegen konnte weiß ich nicht. Ich stelle nur mal fest: Meine Eltern haben gar keinen Hund.

(Foto: Tobias Koch)

Mein Jahr als Generalsekretär: Warum die 13 meine Glückszahl geworden ist.

2013 war schon ein gutes Jahr. Wir haben die Bundestagswahl mit einem sensationellen Ergebnis gewonnen. Es war der 13. Dezember, als Angela Merkel mir sagte, ich solle die Aufgabe des Generalsekretärs der CDU Deutschlands übernehmen. Nun ist seitdem ein Jahr vergangen. Zeit für einen persönlichen Rückblick. Was ist passiert? Was ist mir wichtig?

Glückwünsche von Angela Merkel nach meiner Wahl zum Generalsekretär auf dem Parteitag in Berlin

Glückwünsche von Angela Merkel nach meiner Wahl zum Generalsekretär auf dem Parteitag in Berlin

Mein Leben hat sich seitdem vollkommen verändert. Das mag kaum verwundern. Es gibt ein paar Dinge und Freiheiten, die ich mir bewahre – zum Beispiel beim Sport meine seit Jahren bewährte Motivationshilfe – eine App eines Sportartikelherstellers zu benutzen. Anderes konnte ich nicht beibehalten, weil die neue Aufgabe mich ziemlich fordert.

Selfie mit Marusha auf der #cnight

Selfie mit Marusha auf der #cnight

Ich habe im zurückliegenden Jahr jeden Tag mindestens eine Premiere gefeiert. Von Party kann man allerdings nicht sprechen. Jeden Tag habe ich Menschen getroffen, die ich noch nicht kannte – vom Präsidenten des BDI Ulrich Grillo über Maybrit Illner bis hin zu Marusha. Jeden Tag durfte ich diverse Gremiensitzungen leiten, an den ich bis dato nicht einmal als Gast teilgenommen hatte, Pressekonferenzen geben, Gespräche führen oder Konflikte moderieren, war an Orten in Deutschland, die ich noch nie besucht hatte und habe große Verantwortung für unsere CDU, der ich mit großem Stolz seit 1992 angehöre.

Der Wahlabend am Tag der Europawahl im Konrad-Adenauer-Haus: Glückwünsche für David McAllister

Der Wahlabend am Tag der Europawahl im Konrad-Adenauer-Haus: Glückwünsche für David McAllister

Ein erfolgreiches Jahr für die CDU als Partei

Die Durchführung von zwei Parteitagen – einmal zur Europawahl und dann kurz vor dem Jahreswechsel in Köln mit Wahlen des Bundesvorstands und einer spannenden Debatte und vielen Diskussionen, gehört zur „Standardaufgabe“ des Konrad-Adenauer-Hauses. Unsere rund 120 tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben jeweils alles. Zusammen mit unserem Bundesgeschäftsführer, Dr. Klaus Schüler, der im positivsten Sinne des Wortes ein Urgestein der CDU ist, dafür die Verantwortung zu tragen, war sicherlich eine besondere Herausforderung. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Die Europawahl war erfolgreich. Unser Spitzenkandidat Jean-Claude Juncker führt die EU-Kommission, Günter Oettinger bleibt einflussreicher Kommissar in Brüssel und mit Manfred Weber steht ein Politiker der Unionsparteien an der Spitze der größten Fraktion im Europäischen Parlament.

Besuch in Brüssel: Gespräch mit jungen Funktionsträgern

Besuch in Brüssel: Gespräch mit jungen deutschen Europafachleuten.

Der Parteitag in Köln war ebenfalls ein großer Erfolg. Angela Merkel wurde mit einem tollen Ergebnis wieder zur Vorsitzenden gewählt. Bei der spannenden Wahl zum Präsidium zeigte Hermann Gröhe mit einer starken Geste Größe und mit Jens Spahn hat die junge Generation auch im neuen Präsidium eine Stimme. Wir haben auf dem Parteitag in drei Foren offen diskutiert. Sowohl zur Zukunft der Arbeit, zu Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts als auch zur Frage, was gutes Leben kennzeichnet, wird sich die CDU auf ihrem nächsten Parteitag in Karlsruhe neu positionieren. Dort diskutieren und beschließen wir die Ergebnisse der drei Zukunftskommissionen. Mit einem Antrag zur Wirtschaftspolitik „Wir arbeiten für Deutschlands Zukunft“ und einem Antrag zur inneren Sicherheit haben wir benannt, was nun zu tun ist, damit wir wirtschaftlich erfolgreich bleiben und auch künftig sicher leben. Die innere Sicherheit und die Wirtschaftspolitik sind Kernkompetenzen der CDU.

Es gibt immer was zu tun: Das Auto dient auch unterwegs als Büro

Es gibt immer was zu tun: Das Auto dient auch unterwegs als Büro

Mein Auto ist ein rollendes Büro

Ich habe insgesamt über 100 Termine in ganz Deutschland wahrgenommen, d.h. ich war statistisch jeden dritten Tag an einem anderen Ort in unserem Land unterwegs. Ich habe die CDU Schleswig-Holstein in Neumünster besucht, war bei der Jungen Union in Hamburg, habe auf Einladung der CDU in Münster öffentlich über den digitalen Wandel diskutiert, war in Froschhausen beim Bayerischen Abend, habe in Eitorf die CDU unterstützt, war in Grimmen und Glauchau, um über die Parteireform zu sprechen. Mein Auto ist inzwischen ein rollendes Büro. Eine digitale Landkarte meiner Termine im vergangenen Jahr findet man hier.

Besuch auf dem Katholikentag in Regensburg: Einer der vielen Termine in ganz Deutschland

Besuch auf dem Katholikentag in Regensburg: Einer der vielen Termine in ganz Deutschland

Meine Ziele als Generalsekretär

Ich bin angetreten, um die CDU zu öffnen. Wir wollen mehr auf Frauen, junge Menschen und Bürgerinnen und Bürger mit Zuwanderungsgeschichte zugehen. Die Kurzform lautete in den Medien immer: Die CDU will weiblicher, jünger und bunter werden. Ich halte das nach wie vor für richtig. Diese Aufgabe kann aber nur gelingen, wenn die Partei mitmacht – und dafür brauchen wir gerade unsere altgedienten und erfahrenen Mitglieder. Darum freue ich mich sehr darüber, dass es gerade die älteren in der Partei sind, die mich ganz oft ansprechen und unterstützen. Klar ist, dass dieser Weg lang ist und nicht in einem Jahr erfolgreich zurückgelegt werden kann.

Beim Kongress "Zugewandert – Angekommen?! – Chancen der Vielfalt"

Beim Kongress „Zugewandert – Angekommen?! – Chancen der Vielfalt“

Mit einem großen Kongress haben wir viele Mitglieder der CDU mit Zuwanderungsgeschichte sowie Migrantenorganisationen ins Konrad-Adenauer-Haus eingeladen. Die Resonanz war riesig. Vor allem Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die schon lange in der CDU sind, freuen sich, dass sie als Gruppe in unserer Partei wertgeschätzt werden. Wir brauchen sie. Sie sind beispielhaft und können uns helfen. Mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Zuwanderergeschichte. Und wir wollen diejenigen, die Deutschland jetzt als ihre Heimat und ihr Vaterland ansehen, hier arbeiten und ihre Zukunft sehen, einladen, in der CDU mitzumachen.

Das KAH platzte beinahe aus allen Nähten: Die #cnight war ein toller Erfolg!

Das KAH platzte beinahe aus allen Nähten: Die #cnight war ein toller Erfolg!

Neben dem Ziel, bestimmte gesellschaftliche Gruppen stärker anzusprechen, muss die CDU sich auch inhaltlich den Zukunftsthemen zuwenden. Und keine Entwicklung wird unsere Welt so verändern, wie die digitale Agenda. Es ist die CDU, die diese Veränderung als Chance begreifen will. Und das müssen wir als Deutsche, weil wir sonst wirtschaftlich und politisch an Einfluss in der Welt verlieren werden. Europa braucht endlich einen digitalen Binnenmarkt, wir müssen eine neue Gründerkultur weiter fördern und vor allem den Zugang zu schnellem Internet für alle ermöglichen. Mit einer großen Veranstaltung, der #cnight, haben wir mit Experten und Nerds diskutiert. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Und wir werden uns dieses Themas auch im kommenden Jahr annehmen.

Auftakt der Kommission "Meine CDU 2017" mit vielen engagierten Mitgliedern

Auftakt der Kommission „Meine CDU 2017“ mit vielen engagierten Mitgliedern

Die CDU aufzustellen, um auf Dauer erfolgreich zu sein, ist eine meiner Aufgaben. Unter der Überschrift „Meine CDU 2017“ arbeiten wir darum mit unseren Mitgliedern an einer Parteireform. Schon jetzt haben wir über 1.200 Vorschläge erhalten. In der Kommission kommen unsere Mitglieder zu Wort und wir tauschen uns mit Wissenschaftlern und Leuten aus der Praxis aus. Das Ziel ist klar: Wir wollen, dass die CDU eine Mitgliederpartei bleibt und auch künftig auf eine starke Parteibasis vor Ort setzen kennen, damit wir im besten Sinne des Wortes Volkspartei bleiben.

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel war ich unterwegs auf zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel war ich unterwegs auf zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen

Was kommt jetzt?

Aus dem Rückblick auf das Jahr 2014 ergibt sich ein großer Teil der Arbeit für das nächste Jahr. Ich will auch 2015 viel bei unseren Stadt- und Kreisverbänden vor Ort sein. Wir werden die Zukunftskommissionen und die Parteireform „Meine CDU 2017“ abschließen. Und die CDU wird im nächsten Jahr 70 Jahre alt – das wollen wir entsprechend feiern. Viele weitere Projekte kommen sicherlich noch hinzu – alles will ich auch noch nicht verraten.  Es bleibt auf jeden Fall spannend. Oder um es mit Yoda zu sagen: „Schwer zu sehen. In ständiger Bewegung die Zukunft ist.“

Fotos: Tobias Koch

Manchmal gibt es so viel zu tun, dass kaum Zeit zum Essen bleibt. Hier blieb zwischendurch aber doch Zeit für eine Currywurst

Manchmal gibt es so viel zu tun, dass kaum Zeit zum Essen bleibt. Hier blieb zwischendurch aber doch Zeit für eine Currywurst

Ich bin nicht angerufen worden

Hinter mir liegt eine eindrucksvolle Woche. Die Zahl der Nachrichten per SMS, per E-Mail, die Anrufe und Nachrichten auf Facebook und Twitter kann ich kaum zählen, geschweige denn darauf antworten. Allen, die mir gratuliert haben, sage ich daher an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Ich bin jetzt so oft gefragt worden, wie das eigentlich kam, was die Aufgaben des Generalsekretärs sind und welche Ziele ich mir gesetzt habe. Also noch einmal von Anfang an:

2013-12-17-Wahl der Kanzlerin

Donnerstag, 12. Dezember, war ein ganz normaler Tag in meinem Wahlkreis. Ich hatte zahlreiche Termine und am Abend stand eine umfangreiche Sitzung des CDU-Kreisvorstands auf der Tagesordnung. Wie so häufig habe ich im Laufe des Tages so oft telefoniert, dass der Akku meines Telefons den Geist aufgab. Nachdem ich wieder erreichbar war, tauchten sofort zahlreiche Nachrichten meines Berliner Büros auf: Ich müsse am Freitag früher als geplant nach Berlin kommen, denn im Kalender stehe nun ein persönliches Gespräch mit der Vorsitzenden der CDU, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. „Worum geht es?“ – „Davon war nicht die Rede.“

Da saß ich dann und überlegte. Ist es vermessen, zu glauben, Angela Merkel will mir eine Aufgabe übertragen? Und wenn ja welche? Dass die Einladung nur einer fröhlichen Plauderei oder dem Weihnachtswichteln galt, schien mir ziemlich unwahrscheinlich. Aufgrund meiner bisherigen politischen Arbeit lag etwas anderes nahe als die Aufgabe des Generalsekretärs – und doch hat mich die Vorsitzende dann gefragt, ob ich mir vorstellen könne, dieses Amt zu übernehmen. Was soll ich sagen? Natürlich habe ich „Ja“ gesagt. Es ist eine große Ehre und ein großer Vertrauensbeweis der Parteivorsitzenden. Wir haben dann noch eine gute Stunde über die anstehenden Aufgaben und viele andere Dinge gesprochen. Am Sonntag sollte ich dem Präsidium vorgestellt und am Montag durch den Bundesvorstand benannt werden. Es grenzt übrigens fast an ein Wunder im politischen Berlin, dass die Entscheidung der Parteivorsitzenden erst gut 48 Stunden später über die Ticker lief.

2013-12-16-Vorstellung GS 02

»Sind Sie schon angerufen worden?« Dies war die beliebteste Frage von Journalisten im politischen Berlin kurz vor Bekanntgabe der Ministerposten und deren Besetzung. Auch mich haben sie am letzten Samstag mit dieser Frage konfrontiert worden. Ich konnte diese Frage wahrheitsgemäß mit „Nein“ beantworten, denn Angela Merkel hat mich in einem persönlichen Gespräch und nicht am Telefon gefragt, ob ich bereit bin, die Aufgabe des CDU-Generalsekretärs zu übernehmen.

Als die ersten Meldungen über den Ticker liefen, konnte ich mich vor Anfragen, Glückwünschen und Nachrichten kaum retten. Nachdem mein Vorgänger Hermann Gröhe sich trotz seiner neuen Aufgabe die notwendige Zeit genommen hatte, um mit mir die Übergabe zu besprechen, ging es erneut Schlag auf Schlag. Mir war vor allem wichtig, schnell das Konrad-Adenauer-Haus, unsere Parteizentrale, kennenzulernen. Das Gebäude gehört sicherlich von seiner Architektur her zu den besonders sehenswerten in Berlin und drinnen arbeiten mehr als 100 Menschen für die Union. Was sind die Aufgaben der Geschäftsstelle und wie ist sie strukturiert? Das kann man hier nachlesen.

Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden und habe dabei mit dem Bundesgeschäftsführer Dr. Klaus Schüler einen erfahrenen und klugen Politikmanager an meiner Seite. Am Donnerstag erfolgte dann die offizielle Amtseinführung durch die Parteivorsitzende und in Gegenwart meines Vorgängers Hermann Gröhe in der Parteizentrale. Jetzt bin ich der 13. Generalsekretär der CDU Deutschlands. Gefragt hat mich Angela Merkel am 13. Dezember. Da scheint die Zahl 13 für mich eine echte Glückszahl zu sein. Im April werde ich dann hoffentlich vom nächsten Bundesparteitag gewählt.

Vor uns liegen große Aufgaben. Zunächst wollen wir zehn Kommunalwahlen, drei Landtagswahlen und vor allem die Europawahl bestehen und dabei gut abschneiden.

Darüber hinaus ist das Wahlergebnis des 22. Septembers für uns eine große Verpflichtung, denn wir haben in nahezu jeder gesellschaftlichen Gruppe in unserem Land die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler erreichen können. Vor allem junge Menschen, die erstmals CDU gewählt haben, werden sich fragen, was wir dafür tun, damit sie zuversichtlich ihre eigene Zukunft bauen können. In einer von Zuwanderung geprägten Gesellschaft steht die Union vor der Herausforderung, Antworten zu geben: Was verbindet uns alle? Was wollen wir gemeinsam für Deutschland erreichen? Das sind wichtige Themen, denen ich mich widmen will.

2013-12-19-Übergabe KAH 01

Wir wollen außerdem offen sein für Menschen, die unsere Überzeugungen teilen, aber noch nicht Mitglied der CDU sind. Neue Formen der Mitarbeit zu entwickeln, ist eine der spannenden Aufgabe der kommenden Zeit.

Für mich persönlich gilt: Viele Mitglieder kennen mich noch nicht und auch die Öffentlichkeit ist neugierig. Viele Journalisten haben mich ausführlich beschrieben. Ganz gut identifizieren kann ich mich mit dem Bild, das Ulf Poschardt in der WELT von mir gezeichnet hat.

Doch zunächst freue ich mich auf das Weihnachtsfest. Für mich ist das die schönste Zeit im Jahr. Ich bin zu Hause in Gelnhausen bei meiner Familie und treffe meine Freunde. Danach gibt es 2014 viel zu tun. Ich werde dabei mit ganzer Kraft für die CDU arbeiten und mich auf die Themen konzentrieren, die die Union voranbringen – und nicht über jedes Stöckchen springen, das mir Aktivisten oder die Presse hinhalten.

2013-12-16-Vorstellung GS 01

Bilder: Tobias Koch (tobiaskoch.net)