SCHWARZER PETER

Deutschland geht es gut

Wir Deutschen neigen manchmal dazu, unsere Situation etwas pessimistischer zu betrachten als sie tatsächlich ist. Viel konnte man in der letzten Zeit von Krisen lesen: Finanzkrise, Euro-Krise, Schuldenkrise, Vertrauenskrise waren da nur einige Schlagwörter. Dies ist vielleicht auch gar nicht schlecht, denn es schützt uns davor, die Hände in den Schoß zu legen und zu warten was da kommt.

In der letzten Zeit habe ich aber den Eindruck, dass wir angesichts der vielen Diskussion über Krisenrettungen ganz übersehen, was wir in den zurückliegenden Monaten und Jahren eigentlich geleistet haben. Während wir heute im internationalen Teil berichtet wird, dass Europa noch nie so viele Arbeitslose hatte wie heute, lesen wir in unserem Regionalteil etwas von der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten. Wir lesen, dass die Arbeitslosigkeit im Bezirk Hanau 4,9 Prozent beträgt. In der Region Gelnhausen beträgt die Arbeitslosenquote sogar nur 3,6 Prozent und nähert sich damit sogar der Vollbeschäftigung. In den bleiernen Zeiten von Rot-Grün nahezu undenkbar. Heute haben wir so viele sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse wie noch nie zuvor. In diesem Jahr wird die Zahl der Erwerbstätigen noch einmal bundesweit um 200.000 Personen steigen. Während ganz Europa unter einer hohen Jugendarbeitslosigkeit ächzt, in Spanien 46% aller Menschen unter 24 ohne Arbeit sind, haben die Unternehmen vor Ort Mühe, gut ausgebildete junge Menschen zu finden.

Es ist noch nicht lang her, da war von einer Wirtschaftskrise die Rede. In den zurückliegenden beiden Jahren habe wir eine nahezu unglaubliche Entwicklung zurückgelegt. Mit einem preisbereinigten Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent in 2010 und 3,0 Prozent in 2011 sind wir mit einer phantastischen Wirtschaftskraft aus der Krise hervorgegangen. Unsere europäischen Freunde ziehen voller Anerkennung den Hut vor dieser Leistung. Auch für das kommende und das darauf folgende Jahr sehen die Prognosen solide aus: Werden es in diesem Jahr vermutlich „nur“ 0,7 Prozent sein, sind es im kommenden Jahr bereits wieder 1,6 Prozent. Anders als in früheren Zeiten ist das Wachstum dieses Mal vor allen Dingen auf die ansteigende Binnennachfrage zurückzuführen. Ein Grund dafür ist, dass sich die Bürger im Durchschnitt über 413 Euro Entlastung von Steuern und Gebühren freuen können. Geld, das unsere Binnenkonjunktur braucht, damit der Motor weiter läuft.

Während in der größten Weltwirtschaft – den USA – Staatsdefizite von 8 Prozent in diesem und 6,4 Prozent im kommenden Jahr vorausgesagt werden, die Defizite in Großbritannien bei 7,8 Prozent in diesem und 6,5 Prozent im kommenden Jahr liegen werden oder Frankreich mit Defiziten von 4,8 Prozent in diesem und 4,4 Prozent im kommenden Jahr zu kämpfen haben wird, sagt das Institut für Wirtschaftsforschung der Bundesrepublik ein Defizit von 0,7 Prozent in diesem und 0,1 Prozent im kommenden Jahr voraus. Mit großen Schritten gehen wir dem Ende der Politik ausgeglichener Haushalte entgegen. Unsere Steuer- und Haushaltspolitik mit der Schuldenbremse als wichtigem Element wirkt. Allein im zurückliegenden Jahr ist es gelungen, statt einer erwarteten Neuverschuldung von 48,4 Milliarden lediglich mit 17,3 Milliarden neuen Bundesschulden auszukommen.

Man könnte noch über viele weitere ermunternde Aspekte berichten: Unsere Wettbewerbsfähigkeit wird weiter steigen, unsere Innovationskraft bleibt ungebrochen – mehr als 80 Prozent der angemeldeten Patente stammen von angestellten Mitarbeitern, usw. usw.

Wir werden besonnen bleiben und die Lage in Europa weiterhin genau beobachten. Wir sollten – nicht zuletzt im eigenen Interesse – solidarisch mit all jenen in Europa sein, die mitten in der Krise stecken und mit unserer Unterstützung rechnen. Die christlich-liberale Koalition mit Angela Merkel an der Spitze wird die Eurorettung beherzt und mit Verstand angehen. Daran habe ich keinen Zweifel. Aber wir sollten auch ein wenig froh und dankbar und vielleicht auch ein wenig stolz darauf sein, was die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, gemeinsam mit den Unternehmen, flankiert von klugen Maßnahmen der christlich-liberalen Koalition, in den zurückliegenden Monaten eigentlich alles geleistet haben.

2 Kommentare zu “Deutschland geht es gut

  1. Weder ziehen andere europäische Staaten den Hut vor Deutschland (sie sind eher wütend), noch lässt sich deutschlandweiter Jubel ausmachen ob der „guten“ Zahlen zur Arbeitslosigkeit. Denn weder die scheinbar überwundene Krise ist wirklich überwunden, noch ist eine Vollbeschäftigung erreicht. Diese billige Profilierung und Pressemitteilung zeugt von unglaublicher Unkenntnis der eigentlichen Arbeitsmarktsituation (Stichwort: 1-€-Jobs, neue geschönte Statistiken, etc.)

    Bitte nichts mehr schreiben, wenn damit nur neuartige Beschönungen der „deutschen“ Lage beschrieben werden.

  2. Sehr geehrter Herr Tauber,

    ich bin immer wieder dankbar, dass die Situation 08/09 so mies war, dass ich mich entschlossen habe in das aussereuropaeische Ausland auszuwandern. Zurecht! Ich kann sagen, dass es mir hier wesentlich besser ergeht als in der „Heimat“.
    Wenn Sie sagen, Deutschland geht es gut, dann frage ich mich: Wie lange noch?
    Schoenreden ist genau so kontraproduktiv wie schlechtreden.

    Da ich den vollen zweiten Bildungsweg durchmarschiert bin, Realschule -> Lehre -> Fachoberschule -> Zivildienst -> Hochschule, und am ende dieses Weges nur enttauscht wurde, so bleibt mir nur ein mildes laecheln auf den Lippen uebrig wenn ich Worte wie „Vollbeschaeftigung“ lesen muss.

    Wenn Sie jetzt auch als Vorsitzender des Vereins cnetz solche Phrasen wie „… ich nicht andere für mich definieren lassen will, was Freiheit bedeutet.“[1] heraus dreschen, dann kann ich dazu nur Antworten, dass ich den Grad meiner Verruecktheit selbst bestimmen moechte und lieber eine kleine Splitterpartei waehle als eine der vier Dinos die nicht nur zuletzt wegen dem Fraktionszwang zum sterben verurteilt sind.

    Mit freundlichen Gruessen,
    R.Hofstetter

    PS: Die seite cnetz ist sehr statisch. Das ist genau so kontraproduktiv wie der Zweck den der Verein repraesentieren will, naemlich „dass das Internet Auslöser und Treiber für eine fundamentale Veränderung unserer Gesellschaft ist“[2]. Aber solange der muendige Buerger nur zuschauen darf, und sich die Intransparenz der Politik weiter fortsetzt, solange sollten Sie sich nicht wundern das kleine Parteien die nicht unter die Raeder der parlamentarischen Demokratie (Parteiendiktatur – weil Franktionszwang) geraten sind massiven Zulauf erfahren werden.

    PPS: Ihre Zahlen sind solange unglaubwuerdig, bis Sie deren Quellen offenbaren.

    [1] http://c-netz.info/blog/mitmachen/
    [2] http://c-netz.info/blog/waswollenwir/

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