#12schlank

Die ungesunde Ernährung, das unregelmäßige Essen und der insgesamt nicht unbedingt gesundheitsfördernde Lebenswandel von Politikern werden immer wieder öffentlich thematisiert – nicht nur im Boulevard, sondern hier und da auch im Feuilleton. Die sommerlichen Abnehmversuche von Helmut Kohl füllten in meiner Kindheit und Jugend regelmäßig das Sommerloch. Darüber kann und konnte man schmunzeln, dennoch ist die Belastung des Berufs nicht nur bei Politikern ein ernstzunehmendes und immer wichtigeres Thema. Stress und Belastungen führen dazu, dass leider manche dem Alkohol zu sehr zusprechen oder eben aufgrund der ständigen Selbstkontrolle und des permanenten Drucks wenigstens beim Essen das Maß halten aufgeben. Ich kenne das. Da gibt es zu jedem Kaffee in jeder Besprechung einen Teller Plätzchen und man greift fast automatisch zu. Abends werden meist leckere, aber dafür auch ungesunde Speisen gereicht – wer kann und mag da nach einem stressigen Tag ständig „Nein“ sagen?

Als ich vor zwei Jahren als neuer Abgeordneter nach Berlin kam, ist mir ein dummer Spruch im Ohr hängen geblieben, der die Runde gemacht hat: „Man kann die Jahre der Parlamentszugehörigkeit am Bauchumfang ablesen.“

Heute wiege ich gut 85 Kilo. Das sind 10 Kilo mehr als zur Bundestagswahl. Und das, obwohl ich im vergangenen Jahr über 500 Kilometer gelaufen bin und sogar beim Brüder-Grimm-Lauf teilgenommen und vorher entsprechend trainiert hatte.

Wenn das so weiter geht, dann werde ich im nächsten Wahlkampf 95 Kilo wiegen. Das kann und will ich mir nicht vorstellen – nicht nur, weil ich mich so nicht wohl fühle, sondern auch, weil ich glaube, dass das meine Leistungsfähigkeit einschränkt.

Es kommt noch etwas anderes hinzu: als Kinder- und Jugendpolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion beschäftige ich mich natürlich auch mit dem Thema Gesundheitserziehung. Experten warnen davor, dass die Lebenserwartung der jungen Generation aufgrund ihres Lebenswandels – ungesunder Ernährung und zu wenig Bewegung – wieder sinken wird. Gestern hat der Sportausschuss erklärt, man müsse früh den Kampf gegen Übergewicht bei Kindern aufnehmen. „Die Daten empirischer Untersuchungen zu Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zeigten einen kontinuierlichen Anstieg, der besorgniserregend sei“, heißt es in einer vorgestellten Studie.

Mein Kompaniefeldwebel hat mich während des Wehrdienstes immer mit dem Hinweis auf die „Pflicht zur Gesunderhaltung“ ins Wochenende verabschiedet. Eine solche Pflicht habe ich nicht nur, um den Wählerauftrag zu erfüllen, sondern auch gegenüber mir selbst. Darum habe ich beschlossen, etwas zu ändern. Da ich viel zu gerne nasche, werde ich nicht komplett auf Haribo und Co. verzichten. Aber ich werde mich künftig bewusster und möglichst gesünder ernähren. Ich glaube, das ist gar nicht so schwer (hoffe ich zumindest). Darum gilt jetzt für mich das Motto „12schlank“. Mal schauen, wie weit ich komme.

Ich werde auf twitter unter dem hashtag #12schlank posten, was ich esse und von meinem Kampf gegen die Pfunde berichten.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin weit davon entfernt, jemanden zu kritisieren oder zu maßregeln. Meine hier formulierten Gedanken betreffen mich selbst und die Frage, was ich tue, wie ich mich als Abgeordneter sehe und ob ich das Gefühl habe, meinen Aufgaben gewachsen zu sein. Darum können andere ruhig schlemmen und in den Jahren an Kilos zulegen, solange sie sich dabei gut fühlen. Darum geht es. Auch für mich.

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