Der Papst in Berlin

Nun hat Papst Benedikt XVI. Deutschland besucht, war in Berlin, Erfurt und Freiburg, hat vor dem Bundestag gesprochen und nach dem Ende der apostolischen Reise des Heiligen Vaters fragt man sich, was von diesem Besuch bleibt. Ich hatte bereits im April die Gelegenheit zu einer persönlichen Begegnung mit dem Papst und war damals sehr beeindruckt von diesem klugen Mann auf dem Stuhle Petris.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: als Protestant stehe ich nicht im Verdacht alle Lehrmeinungen der katholischen Kirche für richtig zu erachten. Als Christ sehe ich manche Dinge kritisch, darum bin ich eben evangelisch, aber die im Vorfeld des Papstbesuches geäußerte Kritik kann ich größtenteils nicht nachvollziehen. Die Debatte zeugt teilweise von einer erschreckenden Unkenntnis der katholischen Kirche und auch des christlichen Glaubens. Dass der Papst sich als Oberhaupt von mehr als einer Milliarde katholischer Christen weltweit nicht zu jeder „Kleinigkeit“ in der öffentlichen Debatte in Deutschland äußert, ist das erste, was seine Kritiker verstehen sollten. Bei einem gewissen Teil vermutet man nicht nur eine Aversion gegenüber der Amtskirche als Motivation für den Protest, sondern zugleich scheint die Tatsache, dass der Papst Deutscher ist, ein weiterer Dorn im Auge der Kritiker zu sein. Dass darüber hinaus die weit verbreiteten Klischees über Benedikt XVI. recht schnell als solche offenkundig werden, entlarvt viele Kritiker zudem als „Schreihälse“. Von der Toleranz, die Lessing in seiner Ringparabel Nathan den Weisen fordern lässt, sind sie alle meilenweit entfernt und Christen, Juden und Muslime sind sich untereinander näher, als die angeblich so aufgeklärten Kirchen- und Papstkritiker. Sie verbindet der Glaube an die Existenz einer Wahrheit, die aber jeder Gläubige suchen muss und die ihm nicht aufgezwungen werden kann.

Wer ständig rumschreit, dem fehlt die notwendige Aufmerksamkeit zum Hinschauen und Zuhören. Und genau das hat sich beim Besuch des Papstes aus meiner Sicht gelohnt. Ich habe sowohl seine Rede vor dem Deutschen Bundestag gehört als auch an dem großen Gottesdienst im Berliner Olympiastadion teilgenommen. Die Worte von Benedikt XVI. an die Adresse der Bundestagsabgeordneten waren durchaus anspruchsvoll. Ich empfand die Erinnerung an unsere eigentliche Aufgabe als Abgeordnete mit „hörendem Herz“ für die Menschen da zu sein, nicht als anmaßende Ermahnung, sondern als richtigen Hinweis. Zu unterscheiden zwischen Gut und Böse ist zwar aufgrund von Political Correctness und eines Toleranzbegriffs, der allzu oft in Beliebigkeit mündet, nicht mehr gängige Praxis im politischen Diskurs, aber das heißt ja nicht, dass es nicht trotzdem sinnvoll wäre, dies wieder stärker und hörbar zu tun.

Die Wurzeln unseres Denkens sind laut Benedikt XVI. im römischen Rechtsverständnis, der griechischen Philosophie und im christlichen Glauben zu suchen. Daraus abgeleitet erteilte der Papst auch einem Positivismus, der das Naturrecht verneint und damit auch einer „Ökologie des Menschen“ entgegensteht, eine klare Absage. Es war eben genau dieser Dreiklang und die Einbettung des christlichen Glaubens als Europa prägende Geisteskraft, die am Ende auch dazu führte, dass auch Abgeordnete, die sich vorher eher ablehnend bis negativ geäußert hatten, von der Rede angetan bis begeistert waren. Es war eine kluge Rede, die denen, die aufmerksam zugehört haben, helfen kann, die richtigen Koordinaten für die politische Arbeit nicht aus dem Blick zu verlieren.

Nach der Rede von Professor Josef Ratzinger stand dann noch der Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. im Olympiastadion an. Es war wirklich etwas Besonderes, mit mehr als 60.000 Menschen gemeinsam „Großer Gott wir loben Dich“ zu singen. Dort war der Papst ganz Kirchenoberhaupt und predigte, für den Glauben einzustehen und die Botschaft in die Welt zu tragen. Am Ende des Gottesdienstes spielte die Musikgruppe das wunderschöne Lied „Damit ihr Hoffnung habt“. Es war das Lied des 2. Ökumenischen Kirchentags. Auch das ist ein schönes Zeichen und beschreibt am Ende, was Christen von diesem Besuch des Papstes mitnehmen können: die Hoffnung, dass das, wofür Christen in dieser Gesellschaft stehen, auch die Menschen erreicht, die selbst nicht glauben.

Wer sich mit der Person des Papstes auseinandersetzen will, dem empfehle ich als Einstieg einen kurzen und durchaus provokanten Text über zehn angebliche Irrtümer über den Heiligen Vater zur Lektüre: http://tinyurl.com/65afsl6. Um zu verstehen, was Benedikt XVI. umtreibt, kann man auch den Journalisten Paul Badde zitieren, der über den Papst schreibt: „Er ist doch kein Mann von vorgestern. Er ist von vorvorvorvorgestern. Er ist 2000 Jahre alt. Er ist Petrus. Er ist Galiläer und stammt aus Bethsaida am See. Darum müht er sich so ab, die katholische Kirche als einer der letzten wahren Radikalen dieser Welt an ihre ureigene Wurzel zurück zu binden – und mit ihrer authentischen, apostolischen, trotz aller Brüche letztlich ungebrochenen Tradition zu versöhnen, zurück zu ihrem Ursprung in Jesus von Nazareth, der von sich gesagt hat: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Wer das nicht versteht, hat von der katholischen Kirche nichts verstanden. Benedikt XVI. hat sich mit Haut und Haar der ewigen Wahrheit des barmherzigen Gottes verschreiben, für den er auch sterben wird wie sein Vorgänger. Er ist ein Mann von vorvorgestern und von überübermorgen. Wie viele Imperien sind in den letzten 2000 Jahren zerbröselt? Der Papst bleibt. Petrus ist der Fels in dieser Welt.“

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