Neue Medien und alte Geister

Dank des Internets erleben wir etwas, das die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die durch andere Medien wie Kino, Radio und Fernsehen verursacht worden sind, weit in den Schatten stellen wird. Heiko Hebig, Head of Digital Media bei Burda, hat die kulturelle und gesellschaftliche Revolution, die unmittelbar um uns herum jetzt gerade geschieht, in zwei Sätzen zusammengefasst: “Um auch nur ansatzweise zu erkennen, wie schnell sich die Welt um uns herum entwickelt und verändert, sollte man ein Gespräch mit 12 bis 14-jährigen Schülern suchen […] Diese heranwachsende Generation versteht nicht, warum man um 20.15 Uhr einen Film im Fernsehen schauen sollte, wenn man den Film doch auch um 19.17 Uhr im Internet abrufen kann, sie versteht nicht, warum das Tauschen von Musik illegal sein sollte und sie versteht nicht den Mehrwert von gedrucktem Papier mit den Nachrichten von gestern.” Was diese kulturelle Revolution durch das Medium Internet für unsere Nation und unsere Gesellschaft genau bedeutet, das soll auch die vom Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ untersuchen.

Das Kino, das Radio, das Fernsehen und nun das Internet. Schon immer haben neue Medien ihre Zeit geprägt, haben teilweise dramatische Veränderungen in unserer Gesellschaft und Kultur nach sich gezogen, und in der Regel waren sie in ihrer Entstehungszeit alles andere als unumstritten. Am Ende haben sich all diese Medien nicht nur durchgesetzt, sie sind heute nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unserer pluralistischen Gesellschaft. Die Frage, wie wir mit neuen Medien umgehen, stellt sich aber jedes Mal aufs Neue.

Auch heute erleben wir wieder, dass es Menschen gibt, die aus verschiedenen Gründen das neue Medium Internet nicht verstehen – aus Angst, aus Unvermögen oder viel-leicht auch einfach, weil sie verlernt haben, die Welt um sie herum und ihren Wandel wahrzunehmen. Die oft irritierenden Sätze mancher Politiker, wie jüngst die Aussagen des CSU-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Uhl zur Bedeutung des Internets im Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Norwegen und seine pauschale Schlussfolgerung, das Internet müsse strenger kontrolliert werden, sind hierfür ein gutes Beispiel. Neu ist das Unvermögen, mit neuen Medien umzugehen und – statt sie positiv zu nutzen und zu gestalten – vergeblich zu versuchen, ihre Entwicklung zu verhindern, allerdings nicht.

Das Kino
Als die Bilder laufen lernten waren sofort kluge Pädagogen zur Stelle, die davor warnten, dass der Besuch der Lichtspielhäuser – wie die Kinos damals hießen – nicht nur moralisch hoch fragwürdig sei. Nein, auch die Gesundheit sei gefährdet. Die Reizüberflutung könne vom Gehirn kaum verarbeitet werden und auch die Augen müssten zwangsläufig Schaden nehmen, erklärten Mediziner. Die so sprachen waren keineswegs um Aufmerksamkeit buhlende Ärzte und Lehrer aus der Provinz. Es waren oft anerkannte und kluge Köpfe ihrer Zeit. Allerdings verhallten ihre mahnenden Worte (zum Glück) mehr oder weniger ungehört. Zu groß war die Faszination und Begeisterung für das neue Medium. Der Siegeszug des Kinos ging einher mit einem zunächst signifikanten Rückgang der Besucherzahlen in Theatern, im Zirkus und in den Varietés. Von Intellektuellen und Bildungspolitikern wurde daher der Niedergang der Kultur heraufbeschworen. Doch – oh Wunder – noch heute gibt es Theater und gerade das Varieté ist beliebt wie nie. Der Attraktivität des Mediums Film tat diese Kritik intellektueller Kreise damals übrigens keinen Abbruch. Siegfried Kracauer hat die Faszination des Kinos als Medium in seiner Anfangszeit sehr treffend beschrieben: „Viele Leute, die es ins Kino zog, waren niemals im Theater gewesen, andere hingegen wurden von der Bühne weg zur Leinwand gelockt. (…) Die Kinos, Attraktion für junge Arbeiter, Ladenmädchen, Arbeitslose, Bummelanten und für Typen, die sozial nicht einzustufen waren, standen in ziemlich schlechtem Ruf. Sie boten den Armen ein Obdach und den Liebenden eine Zuflucht.“

Das Kino blieb in seiner Wirkungsmacht keineswegs auf diese romantisch und düster beschriebene Zielgruppe beschränkt. Der Siegeszug dieses neuen Mediums war vor allem deshalb nicht aufzuhalten, weil es am Ende mehr war als eine neue Form der Unterhaltung und Freizeitgestaltung. Das Kino wurde nicht nur zu einem Unterhaltungsmedium für die Massen – in Berlin gab es 1910 bereits 139 Kinos. Die gleichzeitige bildliche Darstellung von Monarchen neben alltäglichen Dingen und dem Erzählen einfacher Geschichte durchbrach Hierarchien, Autoritäten wurden hinterfragt oder gar aufgelöst, denn wenngleich sich die kaiserliche Familie bewusst im neuen Medium inszenierte, so wurde sie doch zum Subjekt, zum Gegenstand der filmischen Handlung. Zudem entsprachen die dargebotenen Inhalte eben nicht den Bildungsnormen der Eliten, sondern den Gewohnheiten des normalen Bürgers, die mit ihren Eintrittsgeldern erstmals Einfluss auf das kulturelle Angebot ausüben konnten. Die Kritiker des Kinos hatten diesen emanzipatorischen Aspekt des neuen Mediums sehr wohl erkannt, aufhalten konnten sie den Erfolg des Kinos aber trotzdem nicht.

Das Radio
Als es das Radio ermöglichte, nicht nur Nachrichten zu hören, sondern Musikkonzerte und Sportereignisse unmittelbar aus der Ferne mitzuerleben sowie Geschichten und Dokumentationen zu lauschen, zog dieses Medium sofort die Menschen in seinen Bann. Den eigenen Erfahrungshorizont so zu durchbrechen war etwas Unerhörtes und völlig Neues. Die Zahl der Hörer war noch überschaubar als 1923 in Deutschland das erste Rundfunkprogramm startete, doch dies änderte sich mit der Etablierung relativ kostengünstiger Geräte und vielfältiger Programme, die vor allem dem Unterhaltungsbedürfnis der Menschen Rechnung trugen. Im Gegensatz zum Kino befand sich der Rundfunk von Beginn an allerdings unter staatlicher Obhut, was nichts daran änderte, dass manch ein Politiker auch diesem neuen Medium skeptisch begegnete. Die von Bertolt Brecht in seinem Rundfunkexperiment niedergelegte Konzeption war für obrigkeitsstaatlich orientierte Politiker nicht Verheißung einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft, sondern vielmehr eine Bedrohung etablierter gesellschaftlicher Ordnungsmuster.

Bevor das Radio im Nationalsozialismus als Instrument der politischen Massenpropaganda genutzt wurde, sollte das nur durch das Zahlen von Gebühren mögliche Radiohören vor allem der Erziehung und Bildung dienen, auch wenn die Hörer erkennbar andere Inhalte präferierten. Die Inhalte der Programme unterlagen daher der staatlichen Kontrolle. Die Programmmacher konnten und wollten sich dabei aber auf Dauer nicht dem Geschmack der Hörer entziehen. Dies war freilich ein erneuter Anknüpfungspunkt für Kritik an diesem neuen Medium. Die Skepsis half nicht weiter. Vom festlich inszenierten gemeinsamen Hören des Radioprogramms in der Familie bei besonderen Sendungen und Ereignissen ist das Radio heute zu einem echten „Nebenbeimedium“ geworden.

Das Fernsehen
Als in den 1930er Jahren das Fernsehen technisch möglich wurde, war dieses neue Medium zunächst einer kleinen und überschaubaren Personenzahl zugänglich. Als Massenmedium taugte es wenig. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich dies im Zuge des beginnenden Wirtschaftswunders allerdings rasant. Im Jahr 1952 wurde erstmals ein auf wenige Stunden beschränktes tägliches Programm ausgestrahlt. Drei Jahre später besaßen immerhin schon 500.000 bundesdeutsche Haushalte ein Fernsehgerät. Bis Mitte der 1960er Jahre gab es dann bereits über acht Millionen begeisterte Bundesbürger, die vor einem Fernseher saßen. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik gibt es heute in mehr als 10 Prozent der Haushalte sogar mehr als zwei Fernseher. Gut 30 Prozent verfügen über 2 Geräte und insgesamt steht in nahezu jedem Haushalt mindestens ein Fernsehgerät.

Auf dem Weg dorthin wurde das Farbfernsehen erfunden, und mit der Zulassung privater Fernsehsender erlebte das Fernsehen einen weiteren Innovationssprung. Manch einer zuckt zusammen, wenn im Zusammenhang mit privaten Sendern wie RTL II und 9Live von Innovationssprüngen die Rede ist. Die mit der Einführung des Fernsehens einhergehende Kritik an diesem Medium war aber eben kein neues Phänomen, sondern die Wiederholung eines Diskurses, der so oder so ähnlich bereits bei der Etablierung des Radios und des Kinos stattgefunden hatte. Die Entwicklung eines vor allem an den Interessen des breiten Publikums und möglichst hohen Einschaltquoten orientierten Programmangebots bot zusätzlich Ansatzpunkte für Kritiker. Doch gerade am Beginn seiner Erfolgsgeschichte stand das Fernsehen in der Kritik: So telegraphierte der damalige Bundestagspräsident Dr. Hermann Ehlers an den Intendanten des Ersten Deutschen Fernsehens nach dem Fernsehgenuss: „Sah eben Fernsehprogramm. Bedauere, dass Technik uns kein Mittel gibt, darauf zu schießen.“

Ich selbst bin noch mit drei Fernsehprogrammen, dem Testbild nach Sendeschluss und der Nationalhymne kurz nach den Spätnachrichten groß geworden und kann mich sehr wohl an Debatten darüber erinnern, ob das Fernsehen den Kindern die Kreativität nimmt, zu sozialer Vereinsamung führt und das Ende des Lesens durch das Fernsehen eingeläutet werden würde. Trotz der unbestreitbar negativen Auswirkungen des übermäßigen Fernsehkonsums (welcher übermäßige Konsum hat keine negativen Auswirkungen?) sind die verschiedenen Horrorszenarien nicht eingetreten. Mit dem Fernsehen hat sich eben wie vorher mit dem Kino und dem Radio „lediglich“ ein weiteres Medium etabliert.

Das Internet
Das letzte neue Medium, dem man – egal ob Gegner oder Freund – zubilligen muss, dass es unsere Welt fundamental verändert (hat), ist das Internet. Technische und historische Entwicklungen erspare ich mir an dieser Stelle und verweise auf die entsprechenden Darstellungen im – na? – im Internet. Wenn man dumme oder sagen wir vielleicht lieber peinliche Zitate übers Internet bzw. die daraus resultierenden gesellschaftlichen Debatten sucht, dann stößt man auf wirklich überraschende Stilblüten. So entblödete sich Stephan Holthoff-Pförtner, Gesellschafter der WAZ, nicht, Bloggern den Schutz des Artikels 5 GG abzusprechen. Angesichts der heutigen Bedeutung sozialer Netzwerke im Alltag lag auch BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner im Jahr 2006 falsch, als er erklärte: „Einem Menschen wird man auf seinem Weg zum Bäcker begegnen, aber niemals im Internet.“

Es wird nicht besser, wenn man die Zitate von Politikern hinzufügt, die irgendwo zwischen Unkenntnis und Ignoranz einzuordnen sind. Der Grüne Hans-Christian Ströbele antworte beispielsweise auf die Frage, ob er verschiedene Browser nennen könne: „Ich weiß nur, dass es Leute gibt, die da so ein Programm entwickelt haben, womit man mit einzelnen Fundwörtern dann was finden kann, aber ich mach das nie.“ Die Frage von Homer Simpson, Sicherheitsinspektor in einem Kernkraftwerk im US-amerikanischen Springfield: „Das Internet? Gibt’s diesen Blödsinn immer noch?“ muss man aber trotzdem mit „Ja“ beantworten.

Vielleicht schwingt bei diesem „Ja“ aus Sicht einiger Zeitgenossen ein bedauerlicher Unterton mit. Und offensichtlich gehört auch mein Bundestagskollege Hans-Peter Uhl zu den Politikern, die dem Vorschlag, dass Internet einmal auszudrucken und dann abzuschalten, etwas abgewinnen könnten. Diejenigen, die die unglaublichen Chancen des Internets für eine freie Welt, für Ökonomie und Fortschritt erkennen (ohne freilich naiv die Risiken auszublenden), könnten nun mit Blick auf die Geschichte achselzuckend die Kritiker mit ihren doch oft recht merkwürdigen und wirklichkeitsfernen Vorschlägen am Wegesrand stehen lassen. Wir wissen schließlich: Die neuen Medien haben sich durchgesetzt, aller Unkenntnis und Angst mancher Kritiker zum Trotz. Das mag einerseits beruhigend sein.

Als Politiker der CDU kann ich aber nicht still bleiben, wenn beispielsweise Hans-Peter Uhl wider besseres Wissen behauptet, die Union sei sich einig, dass das Internet stärker kontrolliert werden müsse. Das ist in doppelter Hinsicht falsch. Erstens teilt ein nicht unerheblicher Teil in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion diese Sichtweise explizit nicht (und mit jeder Äußerung Uhls zum Internet steigt der Leidensdruck derjenigen, die sich mit dem Internet, seiner Funktionsweise und seinen Chancen und Risiken wirklich befassen). Zweitens offenbart die Forderung nach mehr Kontrolle einfach nur die Hilflosigkeit gegenüber einem neuen Medium.

Die Trennlinie in dieser Debatte, die eben auch in der CDU geführt wird, ist nicht, wie manche glauben, eine Generationenfrage (vielleicht ist sie dies in Nuancen). Im Kern ist es die Debatte zwischen denjenigen, die das Internet verstehen und „kennen“ und denen, die aus den verschiedensten Gründen dem neuen Medium mit Skepsis, Angst und Unverständnis begegnen und dann noch der Überzeugung sind, Lösungen für aktuelle Fragen das neue Medium betreffend mit dem Handwerkszeug von gestern finden zu können. Diesem Diskurs kann ich nicht achselzuckend folgen. Diesen Streit muss man führen. In einer Partei, aber auch in einer Gesellschaft.

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61 Kommentare.

  1. +1

    Man könnte noch Tim Wus Thesen zum Aufstieg und Fall von Mediensystem erwähnen. Dort vollzieht er nach, wie jedes Medium als offenes Informationssystem startet und sich mehr und mehr zu einem geschlossenen strukturell kontrollierten System entwickelt. Wehret den Anfängen.

    Auch Radiobeiträge wurde anfangs unstrukturiert von Gemeinden, Ortschaften und zivilen Gruppen gemacht, bevor das (werbefinanzierte) Vollprogramm mit seinen Interessen auch politisch für eine verknappende Lizenzierung der Frequenzen sorgte.

    Ein Blick auf die Theorien von Friedrich Kittler zeigt, dass das „Aufschreibesystem 2000“ mit seinem „umfassenden Medienverbund auf Digitalbasis“ zu einer neuen Qualität von Kulturtechnik gehört. Somit sind auch die gesellschaftlichen Umbrüche von einer anderen Intensität und Umfänglichkeit.

    Das wird tatsächlich ein hartes Stück Arbeit, hier den Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung zu setzen – nicht ehemalige Menschenbilder, nicht ehemalige Machtstrukturen, seien sie staatlicher oder wirtschaftlicher Struktur, sondern den Menschen, der mit einer qualitativ neuen Kulturtechnik individuell und gemeinschaftlich neue Möglichkeiten des (Zusammen-)Lebens erschafft.

    Ich freue mich zu sehen, dass wir da im Kern übereinstimmen und hoffe, dass nach der Sommerpause mit neuer Kraft und Bestimmtheit an diesen Veränderungspotentialen gearbeitet wird, jenseits sämtlicher alt-ideologischer Formen und Machteinflüssen.

    Die Prüfsteine, seien sie auch noch so unscheinbar für das zeitgenössische Auge, liegen den kompetenten Personen zur Entscheidung vor. Weder dürfen inkompetente oder von Angst und Arroganz getriebene Kräfte diese Entscheidungen verwässern, noch dürfen diejenigen, die bereits wissen, vergessen bei aller Bestimmtheit, alle gesellschaftlich Beteiligen mitzunehmen auf dieser spannenden Reise.

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Tauber,
    schön wäre es, wenn Sie auch die Quelle des Zitats von Heiko Hebig nennen würden: Neue Gegenwart, Magazin für Medienjournalismus, Ausgabe 57, Adresse: http://www.neuegegenwart.de/ausgabe57/zukunft.htm

    Björn Brückerhoff

    • Hallo Herr Brückerhoff, Sie haben recht. In meinem Originaltext hatte ich alle Zitate ordentlich belegt. Leider hat das beim Kopieren nicht geklappt. Danke für Ihre Ergänzung! Ist übrigens wirklich ein schönes Zitat!

  3. … offenbart die Forderung nach mehr Kontrolle einfach nur die Hilflosigkeit gegenüber einem neuen Medium.

    Das ist ja noch best case angenommen. Mir scheint eher, dass der Anlass und das Medium egal ist und das Fordern von mehr Kontrolle und stärkeren Gesetzen eine reflexhafte Reaktion und das Ziel schlicht ein strenges Regiment.

  4. Was, bitte, hat sich denn genau durch das Internet so dramatisch verändert? Der Text mag ja bei denen, die das glauben, es aber nie beschreiben können, gut ankommen – als Analyse ist er mir aber zu wenig.

    Und diejenigen wie Uhl, die „das Internet“ angeblich nicht verstehen, haben sehr gut erkannt, dass Politik gesellschaftliches Angstmanagement ist, und hinreichend viele Menschen denen ihre Stimme geben, die diese Ängste bereedern. Mit Ursula von der Leyen hat die CDU dabei das ideale role model in ihren Reihen.

    • Was sich durch das Internet verändert hat? Ich behaupte jetzt einfach mal die Möglichkeiten des Informationsaustausches. Da möchte ich nur mal auf den „Arabischen Frühling“ verweisen. Vor 15 Jahren wären vermutlich keine Berichte von vor Ort zu uns gelangt, nachdem z.B. Ägypten versuchte, die Berichterstattung zu unterbinden und Journalisten in ihrer Arbeit zu behindern. Dank Plattformen wie Twitter, Facebook und Co. konnte aber dennoch jeder die Geschehnisse verfolgen, und das quasi „live“. Heute ist es meiner Meinung nach viel einfacher, Meinungen und Informationen auszutauschen, da im Grunde jeder im Internet publizieren und eine breitere Masse erreichen kann. Vor allem unangenehme, kritische Stimmen, welche mitunter einzelnen Staaten und Regierungen unangenehm sind, erhalten hier eine Plattform, die sich nicht ohne weiteres zensieren lässt. Ist es nicht das, was wir für eine demokratische, freie Gesellschaft wollen? Dass das alles natürlich auch seine Schattenseiten hat (z.B. Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts) ist nicht zu leugnen, aber der Nutzen für die Gesellschaft überwiegt in meinen Augen die Nachteile. Das nur mal ein Punkt.
      Außerdem: „diejenige wie Uhl“ haben „das Internet“ nicht angeblich nicht verstanden. Sie haben es offensichtlich nicht verstanden.

    • Sascha, die dramatische Veränderung durch das Internet liegt in der Möglichkeit der bidirektionalen Kommunikation. Kino, Radio und TV verdammen Dich zum „Konsum“ der vorgefertigten Inhalte und das war es dann. Das Internet ist ähnlich revolutionär wie damals die Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern von Gutenberg. Damit wurden damals Bücher einer breiten Masse zugänglich und das Internet ermöglicht es nun einer breiten Masse, ihre eigenen Werke im Internet für andere zugänglich zu machen. Damit steigt die Vielfalt, denn nun können nicht nur Zeitungsverleger ihre Meinung drucken, sondern auch Otto Normalbürger kann eine Meinung publizieren die von anderen wahrgenommen wird.

      • Sascha Stoltenow

        Mein Vorschlag: bidirektionale Kommunikation ist nicht neu, sie ist der Ursprung von Gesellschaft. Gab es schon in der Höhle. Neu sind, wie Du und Manuel richtig anführen, Reichweite und Dynamik, aber was verändert das? Ja, wir können mehr Geschehnisse verfolgen, aber haben wir dadurch mehr Einfluß? Kümmern wir uns um andere Dinge? Haben wir, trotzdem wir es vorher wissen konnten, präventiv auf die humanitäre Katastrophe am Horn von Afrika reagiert? Was machen wir, um das, was derzeit vermutlich in Syrien passiert, zu verändern?

        Ich sehe die fundamentale Veränderung nicht. Das Programm, dem wir zuschauen ist vielfältiger geworden. Das ist aber auch alles.

    • Was, bitte, hat sich denn genau durch das Internet so dramatisch verändert?

      So ungefähr… alles. [Beleg nicht notwendig, Aussage trivial]

      • Sascha Stoltenow

        So, so, die Welt ist also mathematisch modellier-, berechen- und vorhersehbar? Gut, dass es nicht so ist, bzw. eine hinreichende Menge Menschen das nicht so sieht.

    • Was ist dass denn für ein Politikverständnis? „gesellschaftliches Angstmanagement“. Das ist ja grauenhaft. Was sich verändert hat und noch verändert kann man doch mit den Händen greifen! Man braucht nur kulturelle Prozesse in der Kommunikation zu beobachten, in der Bildung und im Zusammenleben von Menschen sind die neuen Medien und das Internet ganz klar Treiber gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Diese darzustellen war aber gar nicht das Ziel meines Blogposts.

  5. Leider gehen solche Stimmen aus dem Unionslager regelmäßig im Geschrei der Internet-Abschalter unter. Man kann der CDU/CSU nur wünschen, dass sie diese immer mal wieder aufkeimende Debatte endlich einmal offen und bis zu einer klaren Linie abschließend führt und am Ende einen Umgang mit dem Medium „Internet“ findet, der sie (wieder) wählbar macht.

  6. Danke für diesen guten Artikel! Würde mir wünschen, dass solche Stimmen innerhalb der CDU etwas lauter zu vernehmen wären.

  7. sie überraschen uns!
    also mit uns meine ich die „wirs“ im internet. bisher mussten wir leider immer lachen, wenn wieder ein cdu politiker was zum „internet“ sagte. aber sie haben einen beitrag geschrieben, der von der ersten bis zur letzten zeile gut ist. ich hoffe ja, sie haben das selbst geschrieben und nicht einer ihrer sttrategischen berater.
    weiter so.

  8. vielen Dank für diesen Beitrag zur Debatte.

  9. Danke für diesen Artikel! Schön, dass es nicht nur auch Vernünftige in der CDU gibt (Das habe ich vage vermutet) – sondern, das diese sich auch mal äußern und den Uhls nicht das Feld überlassen
    NeueMedienAngst ist glaube ich so alt wie die Menschheit selbst.
    Der Druck mit beweglichen Buchstaben – war eine genauso unerhörte Revolution! Plötzlich konnten sich Personen Bücher leisten, die weder adlig noch unermesslich reich waren.
    Ich bin gespannt wie das weitergeht -mit dem Internet und einem noch neueren Medium (welches vermutlich auch ziemlich kritisiert werden wird – denn es würde das schöne alte Internet ja kaputt machen)

  10. Danke für diese schöne Zusammenschau. Bitte senden Sie den Text an alle Kollegen im Bundestag. Am Besten ausgedruckt, damit Herr Uhl den Text auch wahrnimmt.

    Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob Herr Uhl nur nicht das Internet nicht versteht – wahrscheinlich in Ermangelung eigener Praxis – oder ob er einen guten Grund sucht, Demokratie weiter abzubauen.

    Was wir seit 2001 in vielen Teilen der westlichen Welt erleben, ist „Selbsmord aus Angst vor dem Tod“. Die Innenpolitiker von CDU, CSU und SPD und deren diversen Innenminister sind für einen nicht gekannten Demokratie- und Freiheitsabbau verantwortlich. Herr Uhl hat mit dem Internet nur ein Vehikel gefunden, mit dem er die staatliche Kontrolle weiter ausbauen kann.

    Dass unsere handelnden „Spitzen“politiker da keine Hemmungen haben sieht man daran, dass den USA ohne Weiteres Fluggastdaten und Bankinformationen von uns allen gegeben werden. Demokratie, das war einmal. Leider. Und das Internet ist nur ein Vehikel auf weiterem Demokratieabbau.

    Trotzdem schadet es nicht, Uhl und Konsorten diesen Artikel zur Kenntnis zu geben.

  11. Die Aussage von Herrn Ströbele ist doch sehr sympathisch, zeigt sie neben der eigentlich albernen, aber manchmal auch verständlichen Verweigerungshaltung doch zumindest auch die Einsicht, dieses Medium nicht zu verstehen.
    Bin mir zwar nicht sicher, aber bei ihm glaube ich trotzdem nicht, dass er sich so bloßstellen würde bei der Frage, was denn passiert, wenn das Internet voll wäre.

  12. Die Terrortrottel | kühlschranknotizen - pingback on 28. Juli 2011 um 12:36
  13. Erstaunlich und erfreulich, dass es innerhalb der CDU/CSU wenigstens ein paar Personen zu geben scheint, die ansatzweise die Bedürfnisse bezüglich des Mediums „Internet“ verstehen …

    weiter so

  14. „Als Politiker der CDU kann ich aber nicht still bleiben, wenn beispielsweise Hans-Peter Uhl wider besseres Wissen behauptet, die Union sei sich einig, dass das Internet stärker kontrolliert werden müsse.“
    Danke!

  15. Ich finde es gut, dass von Seiten der CDU differenziert über das Thema gesprochen wird. Schade finde ich, dass noch Ströbele, der in seiner Art durchaus am Netz interessiert ist als Anti-Held genutzt wird, während andere dort aussen vor bleiben.

    So sehr wie hier klar gesagt wird, dass die CDU BT Fraktion dies ablehnt, sollte es auch von dieser verlautbart werden. Stichwort: Zwiegespräch mit Friedrich

  16. Gratulation.
    Sehr guter Artikel.

    Füge hinzu, das ein Problem in der Politik das Machtgefüge ist. Mag sein das es sehr viele Politiker gibt die mit dem Internet was anfangen können. Wenn diese aber befürchten müssen das sie „gefeuert“ und offen blossgestellt werden weil sie nicht der Linie der Parteispitze folgen (oder sonstwem der was zu sagen hat) wird das Internet erst dann als etableirtes Medium wahrgenommen wenn wir schon ein neues Medium haben das wieder verteufelt werden kann.

  17. Neben der Digital Divide gibt es aber auch noch die Intellectual Divide derer, die sich mit dem Internet aus(zu)kennen (meinen). Sie sprachen die „Jugendlichen“ in ihrem unschuldigen, naturgewachsenen und ihrem intrinsisch im Internet und der digitalen (verlustfrei kopierbaren) Datenform (die keine Warenförmigkeit mehr zulässt) angelegten Verständnis des Datenaustauschs an: Der Kern der Wissensgesellschaft ist der zeitlich, örtlich, (diesseits der Digital Divide) technisch und ökonomisch unbeschränkte Zugang zu allem Wissen dieser Welt! Leider gibt es immer noch Menschen, die sich exzellent in die technischen Gegebenheiten des Internet eingefunden haben, aber immer noch dem – obsoleten – „Schutz des geistigen Eigentums“ das Wort reden, gleichwohl man an hunderten Stellen im Internet nachlesen kann, dass es so etwas wie „geistiges Eigentum“ nie gegeben hat und die aus der analogen Welt gewohnten Verwertungsrechte sich mit der Digitalisierung in Luft aufgelöst haben (und sich im Übrigen die analoge Datenwelt nahezu komplett in Luft auflösen wird). Welche ökonomischen Konsequenzen das für Urheber hat, würde den Rahmen dieses Kommentars sprengen, nur so viel: nicht die in der Breite diskutierten! Selbst die Kulturflatrate sehe ich skeptisch, weil sie jenseits der Social Divide nur eine noch weiter vertiefte Exklusion verheißt.

  18. Nur weil sich eine Technik „am Ende“ durchsetzt… ist sie nicht gut für Menschen beziehungsweise die Gesellschaft. Nur weil es trotzdem passiert ist die Kritik nicht unberechtigt.

    Ich habe mit Computern und Internet viel länger zu tun als viele meiner Mitmenschen. Schließlich erwirtschafte ich seit fast 20 Jahren damit meinen und anderer Lebensunterhalt. Trotzdem sehe ich erkannte Gefahren in „Kino“, „Radio“, „TV“ und „Internet“, die bis heute fortbestehen und völlig unzureichend behandelt werden!

    Anstelle zu diskutieren ob es vermieden werden kann (Internet abschalten) oder in kauf genommen wird (freies Internet), sollte dazu übergegangen werden die Menschen darin zu schulen. Diese „Ausbildung“ darf nicht „Computer-Bild“, Konzernen wie Microsoft, Apple oder Google und „dem Internet“ selber überlassen werden!

    Früher lehrte man Computer „bedienen“… der Rest war dem Enthusiasmus des interessierten Bediener überlassen. Heute sollte man lehren mit den Möglichkeiten des Internets umzugehen: Das beschränkt sich nicht darauf eine E-Mail zu verfassen oder eine Internet Suche auszuführen. Und es beschränkt sich nicht darauf, dies bei Schülern zu machen!

    Weite Teile der Bevölkerung sind völlig „unzulänglich“ für den Umgang mit Computern und dem Internet ausgerüstet: Geistig und Moralisch! Dabei ist es völlig unerheblich wie viele DSL-Anschlüsse wir in Deutschland haben. Wir haben auch 2 oder mehr Fernseher und die breite Masse der Menschen scheint trotzdem damit trotz jahrelanger Übung nur unzureichend umgehen zu können!

  19. Zu der von Sascha Stoltenow aufgeworfenen Frage, welche grundlegenden Veränderungen das Internet gebracht habe:
    Die instantane Verfügbarkeit von (Spezial-)Wissen; die instantane Verfügbarkeit von komplexen Daten in beliebig aufbereiteter Form; die instantane (und wenn gewünscht, oder nötig, auch anonyme) Kommunikation mit Gleichgesinnten, Andersgesinnten, Experten, Hilfesuchenden und Lernenden in praktisch allen Aspekten von Wissenschaft, Technik, Gesundheit, sozialem Umgang, Politik, Hobby und Unterhaltung; die instantane Verbreitung von Nachrichten und die Teilhabe an der Erzeugung von Nachrichten durch Augenzeugen, Kommentatoren und Experten; die Möglichkeit, auch abseits des Mainstream Aufmerksamkeit für die eigenen Interessen zu bekommen – um nur einige Aspekte zu nennen.
    Telefonzellen, Faxgeräte, Litfaßsäulen, Bibliotheken und Anzeigenblättchen gehören nicht abgeschafft, aber ihre Wirkung wurde durch Blogs, die Wikipedia, eBay, Twitter und Facebook potenziert, und eine Intensität der persönlichen und öffentlichen Kommunikation ermöglicht, die vorher undenkbar war.
    Auf den durchschaubaren Einwand, im Internet fände sich „nur Schund“, oder würden sich „Extremisten versammeln“, oder die Jugend „sozial verarmen“, ist nur zu erwidern: Auch das wurde jedem neuen Medium entgegengehalten, sei es das Telefon oder das Fernsehen. Und doch passierte auch das schon immer: In Pamphleten, an Litfaßsäulen, durch Faxgeräte, in Bibliotheken. Kein Medium, sondern die Menschen sind verantwortlich für die Inhalte, die von Menschen gemacht werden.

    • Sascha Stoltenow

      Ja, alles tolles Programm und Entertainment, aber hat es das, was wir tun oder nicht tun, wie wir es tun, warum wir es tun verändert? Ich bin da skeptisch.

  20. Danke. Sie sind sicher, dass Sie bei der CDU sind? ;-}

  21. Gesunder Menschenverstand? Bei der CDU? Mein Weltbild wackelt 🙂 Ich hoffe, dass Ihre Wort an den entsprechenden Stellen zumindest ein paar Gedanken auslösen.

  22. Auch wenn ich Ihrer Partei ferner nicht stehen könnte: danke für diesen Beitrag. Möge er von Uhl, Schäuble, V. Kauder und all den anderen gelesen und verstanden werden.

  23. Sonnenstrahl

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    Ein interessanter Kommentar vom Tauberpeter! Leider aber kein Wort zum Thema dieser Woche. Das ist ihm wohl zu heiß.

  24. vielen Dank – ich hatte meinen Glauben in die Vernunft der Leute, die uns regieren schon fast verloren; umso erfreulicher so einen Text gerade bei einem CDU-Mann zu lesen (wo doch die CDU auf meiner persönlichen Wählbarkeitsskala schon seit Jahren weit unter 0 liegt).

  25. Bei einigen Kommentaren schauderts doch etwas. Politik als „Angstmanagment“ zu begreifen ist ziemlich schade…

    Herr Tauber: Danke.

    Und jetzt: LAUTER!

  26. Sehr geehrter Herr Dr. Tauber,

    haben Sie vielen Dank für diesen gelungenen Beitrag. Er zeigt einmal mehr, dass sich in nahezu allen im Bundestag vertretenden Fraktionen Menschen befinden, die sich offen und interessiert mit dem Thema Internet auseinander setzen. Es wäre schön wenn diese Stimmen in der Bundespolitik mehr Gehör finden würden. Erlauben Sie mir noch drei kurze Bemerkungen:

    1. Es gibt m.E. zwei Unterschiede zu den von Ihnen beschriebenen Medien TV, Radio, Kino. Zum Einen handelt es sich beim Sog. Web 2.0 meiner Meinung nach weniger um ein neues Medium oder eine neue Technologie, sondern vielmehr um eine neue Kulturform bzw. eine neue Art zu Denken. Zum Anderen entwickeln sich Plattformen wie Google+ im Vergleich zum TV oder dem Kino geradezu in Lichtgeschwindigkeit.

    2. Ich frage mich, ob unsere Gesellschaft bzw. diejenigen die sie gestalten, verstanden haben, welche Chancen und Möglichkeiten sich aus der Nutzung des Internets ergeben. Mir geht es nicht um einen unkritischen Umgang mit dem Internet. Aber wenn ich mir überlege, dass laut einer Bitkom-Studie (http://www.bitkom.org/de/themen/54629_66034.aspx) gerade mal 15% der Schüler in der Bundesrepublik überhaupt den Computer täglich im Unterricht nutzen, werde ich vorsichtig ausgedrückt etwas nervös. Meiner Meinung ist dies ein Problem. Es ist aber auf keinen Fall nur ein Problem in Schulen – es betrifft m.E. viele Kultur- und Bildungsinstitutionen sowie einen Großteil der Unternehmen und natürlich auch die Politik und ihre Strukturen. Es betrifft also letztlich die gesamte Gesellschaft.

    3. Bitte vergessen Sie nicht die Welt der Computerspiele. Für viele Menschen sind sie der erste Zugang zu Computern und ähnlichem. Es gibt hunderte Millionen GamerInnen aus allen Schichten und in allen Kulturen.

    Bleibt die Frage: Wie viele Bundespolitiker sind überhaupt im Internet aktiv? Wie viele Bundespolitiker sammeln eigene Erfahrungen im Web 2.0 oder in der Welt der Computergames?

    Beste Grüße

    Christoph Deeg

  27. Mit Angst macht man aber keine Politik. Weder mit der eigenen noch mit der von Menschen. Die kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen, die durch das Internet stattfinden, sind nun wirklich in vielfacher Hinsicht (positiv wie negativ) spürbar und in der Diskussion. Da brauche ich nur an den skeptischen Beitrag von Schirrmacher mit seinem Buch Payback erinnern. Die Frage ist, ob wir uns die Mühe machen, solche Prozesse zu verstehen und ob wir versuchen, sie in eine Richtung zu lenken.

    • Natürlich macht man mit Angst Poltik. Das machen populistische Parteien, egal von welche Seite, schon immer. Das hat George W. nach dem 11. September gemacht und in seiner Folge die Herren Schily und Schäuble. Das macht Herr Uhl genauso wie andere Innenpolitiker von CDU, CSU und SPD.

    • So, mit Angst macht man keine Politik. Die Energiewende ist also dem besseren Argument geschuldet? Die von der Leyen-Kampagne zu Internet-Stoppschildern einem aufgeklärtem Gemeinwesen? Der Bankenrettungsschirm der ökonomischen Bildung?

      Tja, und ob das, was zu spüren ist, Veränderung ist, dafür fehlt mir nicht nur der Beweis, dagegen spricht auch, dass einige der Phänomene so leicht sogar mit antiken Denkern analysierbar sind. Eine fundamentale Veränderung des Menschen wäre das nicht.

      Die Fankommentare seien Ihnen gegönnt, sprechen aber auch nicht gerade für Veränderung. Aber jeder wie er mag.

  28. Wow, kaum zu glauben dass dieser Text aus den Reihen der CDU stammt. Hätte ich euch nicht zugetraut.

  29. Es ist in der Tat die Angst der Unwissenden, die solch merkwürdige Vorschläge (zur Kontrolle) hervor bringt. Auch wird in fast allen Berichten (privat wie öffentlich) bei Berichten über das social web meist nur über mögliche Gefahren berichtet. Über die Vorteile und den Nutzen für den Bürger wird wenn überhaupt nur in Nebensätzen gesprochen. Wir befinden uns mitten im Digitalen Wandel und das Ende ist noch lange nicht abzusehen. Schnellschüsse aus der Politik werden nicht greifen. Die Wirklichkeit ändert sich schneller als Politik handeln kann. Die Politik muss den Rahmen für das gesellschaftliche Handeln setzen, sie sollte jedoch nicht versuchen die Entwicklung einzudämmen und in gefällige kontrollierbare Bahnen zu lenken, denn das wird ihr nicht gelingen. Auf jeden Fall ist eine Erhöhung der Medienkompetenz bei vielen in der Politik sinnvoll. Aber welcher Politiker finden die Zeit dazu ?

    • Welche Politiker die Zeit dazu finden, ist nicht unbedingt die entscheidende Frage. Zu fragen ist vielmehr, warum die Politiker, die nicht nur nicht die Zeit dazu finden, sondern sich womöglich gar nicht damit befassen wollen (und auch sonst ziemlich wenig zur angebrochenen Wissensgesellschaft zu sagen haben), nicht längst durch die innerparteiliche Kandidatenfindungsdemokratie ausgesiebt und durch jüngere oder zumindest sich in der heutigen Realität besser zurechtfindende Leute ersetzt werden?!

  30. Ich denke, „das Internet“ allein ist kaum einen Aufreger wert. Es sind „die Medien“, mit denen „das Internet“ genutzt wird. Wäre das Netz allein so revolutionär, dann hätte „die Wirtschaft“ 20 Jahre lang geschlafen.

    Ich glaube auch, daß es keine Revolution gibt. Es ist ein ständiger unsystematischer Wandel im Zeitgeist.
    Daß sich Menschen vom Fernsehen ihren Tagesablauf diktieren lassen, das vielmehr ist beeindruckend im unschönen Sinne.

    Insgesamt gebe ich ihnen Recht und ich denke auch, daß es vor allem darauf ankommt, das Internet nicht zu dramatisieren, mit ihm also keine Angst zu schüren.

    Lustig ist tatsächlich, daß sich immer und zu jeder Zeit „Wissenschaftler“ oder „Experten“ finden, die sich hinreißen lassen, Dinge zu äußern, die geeignet sind, die intellektuelle Qualifikation dieser „Fachleute“ infrage zu stellen.

  31. Guter Artikel, ihre Einstellung zu diesem Thema gefällt mir. Als „Netz-Dino“ bin ich bereits in den späten 80iger Jahren in den Vorläufern des WWW unterwegs gewesen (Compuserve, etc.).

    Augstein hat gerade einen Artikel auf SPON gebracht: Das Netz in 20 Jahren? Vergesst es!

    Sein Fazit: Die Zukunft des World Wide Webs? Das Netz wird in zwanzig Jahren stärker sein als heute. Aber es wird ein Netz sein, das uns gefangen hält.

    Auch wenn ich die düstere Prognose von Augstein tendenziell nicht teilen möchte wird es wohl so kommen. Man kann die Entwicklung ein wenig mit dem ersten aufkommen der Großmärkte auf der grünen Wiese vergleichen: Anfangs haben sie uns mit günstigen Preisen gelockt, als die Innenstädte und Dörfer leer waren wurden die Preise angehoben. Heute dürfen wir nicht nur auf die grüne Wiese um unseren Einkauf zu machen, wir müssen es! Günstig war auch gestern.

    Eine ähnliche Entwicklung im Netz ist zu beobachten.

  32. Wie einer meiner Vorposter schon angemerkt hat, Sie sollten das Thema Computerspiele definitv mit in die Diskussion einfließen lassen, denn Herr Dr. Uhl hat ja z.B. bei der „Abgeordneten-LAN“ erstens mit Abwesendheit geglänzt und zweitens mit besonders „wertvollen“ Kommentaren zu einschlägigen Spielen (Counterstrike). Ich denke Sie haben Herrn Dr. Uhl richtig charakterisiert, bravo, dass sich ein Parteifreund soetwas traut 😉
    Schade, dass die CDU MdB’s 2.0 viel zu leise, oder viel zu wenige sind…
    Aber machen Sie bitte weiter so.

    Rein Interessehalber, gibt es in der CSU auch internetaffine MdB’s z.B. aus Franken?

  33. Das freut mich wirklich, dass aus der CDU jemand begründet Herrn Uhl widerspricht. Hätte ich, ehrlich, Ihnen nicht zugetraut, Herr Tauber. Hut ab!

  34. Und noch ein kleiner Exkurs zum Urheberrecht: Das gewohnte Urheberrecht scheint eine Mehrheit so zu verstehen, dass der Urheber mit Fertigstellung seines Werks Urheberrechtsansprüche an die Gesellschaft stellt und die damit verbundenen Verwertungsrechte 70 Jahre nach seinem Tod erlöschen, wenn das Werk der Public Domain anheimfällt. Das ist komplett falsch! Das Urheberrecht bewirkt, dass das Werk bereits im Moment seiner Fertigstellung der Public Domain anheimfällt! Das Urheberrecht schränkt vielmehr die daraus erwachsenden Rechte der Allgemeinheit dahingehend ein, dass dem Urheber kraft des persönlichkeitsrechtlichen Anteils im Urheberrecht das Recht zufällt, Urheberverfügungsrechte über das Werk und – zur Belohnung seiner Anstrengungen und als Anreiz zur Schaffung weiterer Werke – ein „geistiges Monopolrecht“ im Sinne der ökonomischen Verwertung nicht etwa des Werkes an sich, sondern seiner Nutzung auszuüben, was – leider – nach ihm auch noch seinen Nachkommen oder Erben bis zu 70 Jahre nach seinem Tod zugestanden wird, bevor diese Sonderrechte erlöschen. 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers tritt keineswegs ein Eigentumsübergang in Kraft; wer sollte den auslösen, nachdem der Urheber tot ist und die Erben nicht einmal des Zeitpunktes gewahr gemacht werden? Nein, der Gesellschaftsvertrag des Urheberrechts sieht eine Übertragung dessen, was man eventuell als „geistiges Eigentum“ bezeichnen könnte (wenn man unbedingt wollte), bereits zum Zeitpunkt der Schaffung des Werkes vor! Das sollte leicht nachvollziehbar sein, denn wenn etwa ein Autor ein Buch für die Gesellschaft schreibt, also eines, das veröffentlicht, verbreitet und gelesen werden soll, dann lässt sich die Allgemeinheit ganz offensichtlich das Recht es zu lesen nicht mehr nehmen, und dieses Recht wird auch höher bewertet als das ohnehin nur zugestandene Recht des Urhebers, seinen Lebensunterhalt auf Basis der Werknutzungsquantität bestreiten zu können (was ohnehin ein zweischneidiges Schwert ist, wenn ich vor allem an Lyriker erinnern darf).
    Es wäre schön, wenn diese Zusammenhänge mehr Menschen bekannt gemacht werden könnten!

  35. Neben der Digital Divide gibt es aber auch noch die Intellectual Divide derer, die sich mit dem Internet aus(zu)kennen (meinen). Sie sprachen die „Jugendlichen“ in ihrem unschuldigen, naturgewachsenen und ihrem intrinsisch im Internet und der digitalen (verlustfrei kopierbaren) Datenform (die keine Warenförmigkeit mehr zulässt) angelegten Verständnis des Datenaustauschs an: Der Kern der Wissensgesellschaft ist der zeitlich, örtlich, (diesseits der Digital Divide) technisch und ökonomisch unbeschränkte Zugang zu allem Wissen dieser Welt! Leider gibt es immer noch Menschen, die sich exzellent in die technischen Gegebenheiten des Internet eingefunden haben, aber immer noch dem – obsoleten – „Schutz des geistigen igentums“ das Wort reden, gleichwohl man an hunderten Stellen im Internet nachlesen kann, dass es so etwas wie „geistiges Eigentum“ nie gegeben hat und die aus der analogen Welt gewohnten Verwertungsrechte

    sich mit der Digitalisierung in Luft aufgelöst haben (und sich im Übrigen die analoge Datenwelt nahezu komplett in Luft auflösen wird). Welche ökonomischen Konsequenzen das für Urheber hat, würde den Rahmen dieses Kommentars sprengen, nur so viel: nicht die in der Breite diskutierten! Selbst die Kulturflatrate sehe ich skeptisch, weil sie jenseits der Social Divide nur eine noch weiter vertiefte Exklusion verheißt!

  36. Links für 2011-07-28 | König von Haunstetten - pingback on 28. Juli 2011 um 20:30
  37. Manuela Sieber

    …die Sichtweise eines gesunden Menschenverstandes, der Teil des Fortschritts ist und diesen nicht nur von außen beäugt, weil er vor lauter Misstrauen den Anschluss verpasst hat. Bei den Indianern heißt es sinngemäß: „Du musst erst einen Mond lang in den Mokassins eines anderen laufen, bevor du dir ein Urteil über ihn erlauben darfst.“ Das Schöne ist, dass man damit jeden Tag neu starten kann.

  38. Auch von mir als Kommunikationswissenschaftlerin und CDUlerin an dieser Stelle: Wunderbar, Peter, dass du Thema einmal aus einem etwas weiteren Blickwinkel betrachtest und auf diese Weise auch auch das Rieplsche Gesetz einmal würdigst (http://de.wikipedia.org/wiki/Rieplsches_Gesetz). Eine gute Argumentationsgrundlage für den Diskurs, in welcher Arena auch immer.

    Und ganz nebenbei, danke für das Zitat von Ehlers: „Sah eben Fernsehprogramm. Bedauere, dass Technik uns kein Mittel gibt, darauf zu schießen.“ 😀

    • Der Ehlers ist vielleicht ungewohnt aktuell! 🙂 Ich mache mir dauernd weiter Gedanken über das Thema. Vielleicht komme ich nach der Sommertour durch meinen Wahlkreis dazu, noch etwas sachliches und fundiertes zu schreiben….

  39. Der Parteien-Kampf um das Internet - pingback on 30. Juli 2011 um 14:44
  40. Peter Dönert

    Hallo,
    die Debatte um das Internet zeigt vielen auf, wie hilflos und kontraproduktiv die Politik zur Zeit die aktuellen Probleme mit den Werkzeugen von vorgestern lösen möchte. Vielen Dank v. a. für Ihren letzten Absatz.
    Diese Problematik ist leider nicht nur auf das Internet beschränkt. Es gibt zahlreiche weitere Bereiche wie z. B. Luftsicherheit, bei dem zur Erhöhung der Sicherheit winzige Flugverbotszonen um AKWs eingerichtet wurden (die man ein Flugzeug in Sekundenbruchteilen durchfliegen kann) und zur Bekanntmachung die GPS Koordinaten sämtlicher Druckbehälter in allen Luftfahrerkarten Weltweit veröffentlich wurden, wodurch die deutschen AKWs auf den VFR Karten weltweit wie das Bulls-eye von kleinen Zielscheiben aussehen…
    Das erschreckende ist m. E., dass in jedem Bereich, in dem ich Kenntnisse und Fertigkeiten erworben habe und über die eine gesellschaftliche Diskussion entbrannt ist, die Politik stets die schlechtestmögliche – aber Massenkompatibelste – Lösung anwendet.
    Expertise, Vernunft, oder nur Werte, klare Ideale oder eine nachhaltige, auf langfristige Ziele hin orientierte Politik existiert in keiner Partei mehr.

  41. Im Internet ist noch Platz « Lars Reineke - pingback on 3. April 2012 um 21:56

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