SCHWARZER PETER

Burka und Nikab diskriminieren Frauen

Das Tragen von Burka und Nikab ist seit einiger Zeit in Frankreich verboten. Kritiker des Verbots sprechen von einer Phantomdebatte, reden die Zahl der betroffenen Frauen hinunter, ja versteifen sich sogar auf die steile These, die Frauen würden dieses bewegliche Gefängnis freiwillig und aus Überzeugung tragen. Wer freilich noch nicht von der Aufklärung gesegnet ist, für den mag das vielleicht sogar zutreffen. Dass aber offensichtlich diejenigen, die so argumentieren, diese Frauen in ihrem Status verweilen lassen wollen, ohne ihnen und den Männer, die sie meist dazu zwingen, einen öffentlichen Diskurs aufzunötigen, macht traurig und wütend.
Manche ziehen in der Debatte auch den Vergleich zur Auseinandersetzung um das Kopftuch. Der Fall ist gänzlich anders gelagert. Zwar sind beide Kleidungsstücke nicht nur religiöse, sondern auch politische Symbole und mit Blick auf Integrationsbemühungen kritisch zu hinterfragen. Das Kopftuch hingegen unterbindet eben nicht die Begegnung im Alltag, das Gespräch und die Teilhabe in einer freiheitlichen Gesellschaft, wenngleich durchaus auch Frauen, die das Kopftuch tragen (müssen) eben nicht gleichberechtigt partizipieren dürfen und (aus Sicht ihrer Männer) sollen. Beim Vollschleier liegt der Fall gänzlich anders. Hier wird schon durch das Tragen des Kleidungsstücks die Trägerin separiert und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen.
Der eine oder die andere wird sich noch an den Fall der Mitarbeiterin im Frankfurter Bürgerbüro erinnern, die ankündigte, nach ihrer Hochzeit im Vollschleier zur Arbeit erscheinen zu wollen. Ein heftiger öffentlicher Aufschrei war die Folge. Darf jemand vollverschleiert in einer öffentlichen Verwaltung, noch dazu im Bürgerbüro, arbeiten? Selbst diejenigen, die ein Verbot der Vollverschleierung ablehnen, sahen dies kritisch, nicht nur weil es hier um einen öffentlichen Verwaltungsakt ging und das direkte Gespräch eine wesentliche Aufgabe im Bürgerbüro ist. Das Ergebnis der Debatte war verheerend. Die Frau legte nicht etwa den Vollschleier ab, um wie vorher auch ihre wahrscheinlich gute Arbeit im Bürgerbüro zu verrichten. Sie kündigte den Job und sitzt jetzt ohne Arbeitsstelle zu Hause. Das mobile Gefängnis, unter das ihr Mann sie nach der Hochzeit offensichtlich erfolgreich gezwungen hat, siegt über die Emanzipation und damit über die im Grundgesetz festgelegten Rechte des Individuums – von der Gleichberechtigung von Mann und Frau gar nicht zu sprechen. Und das soll uns kalt lassen?
Es ist üblich, einander die Hand zur Begrüßung zu geben und uns anzuschauen, um so symbolisch zum Ausdruck zu bringen, dass der andere „keine Angst“ vor uns haben muss. Der Schleier ist das genaue Gegenteil. Er schützt nicht nur vermeintlich die Frau. Er bringt auch zum Ausdruck, dass dieser Schutz grundsätzlich notwendig scheint. Und hier sind wir bei einem Punkt in der Debatte, der mich als Mann maßlos ärgert und den ich nicht bereit bin hinzunehmen: Wer lehrt und behauptet, die Frau müsste durch Schleier vor den Blicken anderer Männer geschützt werden (und dies ist ja der wesentliche Grund für das Tragen der Burka), der prägt ein Männerbild, das zumindest für Mitteleuropa keine Gültigkeit hat. Wenn es Kulturkreise geben sollte, in denen die Männer so wenig Beherrschung haben, dass sie in jeder unverschleierten Frau ein Objekt der Begierde sehen, dann mag dort der Schleier seine Berechtigung haben – auch zum Schutz der Frau (auch dort dient er wohl eher zur Wahrung der Interessen des Ehemanns, der seine Frau oft als Eigentum betrachtet). In Deutschland ist das nach meinem Dafürhalten nicht so. Auch deshalb gehört der Vollschleier bei uns verboten. Und leider gibt es entgegen anderer Behauptungen auch im deutschen Straßenbild sowohl in Berlin als auch in Hanau zu viele Frauen, die mit einem mobilen Gefängnis herumlaufen.

2 Kommentare zu “Burka und Nikab diskriminieren Frauen

  1. Der Beitrag ist zwar recht interessant aber ich finde, dass man dieses „Problem“ auch mal von einer anderen Seite betrachten sollte.
    In diesem Bericht klingt es fast so als seien nur muslimische Männer ungerecht ihren Frauen gegenüber. Dabei sollte man mal einen Blick in deutsche Haushalte werfen. Wie viele deutsche Frauen werden von ihrem Lebensgefährten/Ehemann unterdrückt, geschlagen und missbraucht? Ich kann sehr gut nachvollziehen warum muslimische Männer ihre Frauen vor den fast schon perversen, anzüglichen Blicken der westlichen Welt schützen wollen. Mir fällt es ja selbst schon auf. Die deutschen Männer haben größtenteils einfach keinen Respekt mehr vor einer deutschen Frau, egal wie sie angezogen ist. Sehr oft bekommt man anzügliche Sprüche an den Kopf geworfen, von Männern die einfach keine Werte mehr anerkennen. Sind diese Frauen selber schuld? Laufen sie vielleicht zu freizügig durch den Alltag? Gibt es hier überhaupt noch sowas wie Werte? Das westliche Bild der Frau ist sowieso furchtbar.. es gibt fast keine Werbung mehr in der keine leichtbekleidete Frau mehr vorkommt. Sie haben geschrieben dass es bestimmte „Kulturkreise“ gibt, in denen ein Mann in jeder nicht verschleierten Frau ein Objekt der Begierde sieht. Es sind nicht nur einige Kulturkreise, es ist leider überall so.

    Aber welchen Vorteil hat das Verbot der Burka für die muslimischen Frauen?
    Wenn sie wirklich von ihrem Ehemann gezwungen wurden, denken Sie dann wirklich dass das Verbot eine Verbesserung der Würde für diese Frauen darstellt? Denken Sie nicht vielleicht, dass sie nun sogar schlechter behandelt werden und gar nicht mehr aus dem Haus dürfen?

    Ich bin gegen ein Burka Verbot!

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