Mein Besuch in der ewigen Stadt Teil IV

Benedikt XVI. und die Generalaudienz auf dem Petersplatz

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Generalaudienz auf dem Petersplatz, an der wir teilnahmen. Der Platz füllte sich schnell mit Pilgergruppen aus aller Welt. „Die Kirche lebt. Und sie ist jung.“ Dieser Satz von Benedikt XVI. kam mir in den Sinn, als ich kurz vor Beginn auf den mit mehr als 15.000 Menschen gefüllten Platz vor dem Petersdom sah. Immer wieder sangen vor allem die dominierenden Jugendgruppen. Vor allem die spanisch sprachigen Gruppen waren gut zu hören und das Vorgetragene kann man wohl am ehesten mit den Fangesängen in Fußballstadien vergleichen. Beifall brandete auf, als der Papst mit dem „Papamobil“ auf dem Petersplatz erschien und durch die Reihen fuhr – dabei fröhlich winkend.

Wer noch nie eine Generalaudienz erlebt hat, der hat etwas verpasst! Alle angemeldeten Pilgergruppen wurden in der jeweiligen Landessprache begrüßt und machten dann auch lautstark auf sich aufmerksam. Da wurden Lieder gesungen, Sprechchöre skandiert und Fahnen geschwenkt. Die Fröhlichkeit der Menschen auf dem Petersplatz war ansteckend und der strahlende Sonnenschein tat sein Übriges.

Die fast zwei Stunden dauernde Generalaudienz stand im Zeichen der Karwoche. In einer sowohl auf Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Polnisch, Englisch, Italienisch und Deutsch vorgetragenen Ansprache ging es um die Einsamkeit Jesu angesichts des Leidens und des Todes am Kreuz. Ergreifend war der Moment, in dem Benedikt der XVI. auf Deutsch sprach (nicht nur, weil ich das am besten verstanden habe). Während des Sprechens ließ er irgendwann den Zettel, von dem er ablas sinken und sprach weiter. Wie zu sich selbst sinnierte er über das Leiden und den Tod, zog den Vergleich zu den griechischen Philosophen, die dem Tod gleichgültig begegneten, während Jesus Christus Leid und Angst der Menschen im Sterben nachvollzog und auf sich nahm. Es war Moment echter Frömmigkeit und zugleich hoher Theologie. Das war zu spüren – wohl auch für die, die nicht der deutschen Sprache mächtig waren.

Deutlich anzumerken war Benedikt XVI. die Freude über die vielen jungen Menschen, die im Jubel auch ihre Begeisterung für ihren Glauben zum Ausdruck brachten. Nach dem lateinischen Vater unser und dem Segen hatten einige Besucher der Generalaudienz die Gelegenheit, mit dem Papst einige persönliche Worte zu wechseln, Wünsche und Anliegen vorzutragen. Dabei war u.a. auch die Schauspielerin Christine Neubauer, die über Ostern in der ARD im Zweiteiler „Gottes mächtige Dienerin“ zu sehen war. Sie überreichte Benedikt XVI. eine DVD des Films, in dem sie die deutsche Ordensschwester Pascalina spielt, die in unmittelbarer Nähe des Papstes Pius XII. während des Dritten Reiches wirkte. Auch der Kardinal-Höffner-Kreis hatte dann die Möglichkeit zu einer Begegnung mit dem Papst. Auf den Stufen von St. Peter war ein Gruppenfoto geplant. Plötzlich stand er vor mir: ganz in weiß, mit den berühmten roten Schuhen. Wäre nicht der Ort und die Kleidung dann hätte ich den Eindruck eines freundlichen alten Mannes, der etwas müde wirkte, mitgenommen. So überwog aber die Aura des Besonderen. Dies war auch für die anderen Teilnehmer unserer Gruppe spürbar. Wir sprachen kurz miteinander, dann galt es schon Aufstellung für das Gruppenbild zu nehmen, dass in meinem persönlichen Fotoalbum sicherlich einen besonderen Platz erhalten wird.

Nach dieser eindrucksvollen Begegnung stand wieder Kultur und Geschichte auf dem Programm. Wir fuhren gemeinsam zu einer Besichtigung in die Villa Adriana, den Palast des römischen Kaisers Hadrian, der in seiner Gesamtfläche dreimal so groß wie der Vatikanstaat ist. Mit welcher Technik die Römer damals etwas schufen, was trotz des Abbruchs und der Nutzung als Steinbruch in den späteren Jahrhunderten immer noch überwältigt und die Zeiten überdauert hat, kann einen heute wirklich nur in Erstaunen versetzen – gerade wenn man bedenkt, in welchem sanierungsbedürftigem Zustand manche „Neubauten“ der 1970er Jahre des vorigen Jahrhunderts inzwischen sind. Da wurde wirklich – so scheint es – für die Ewigkeit gebaut. Das Pantheon, das wir zu Beginn unserer Romreise besucht hatten, kam mir hier wieder in den Sinn.

Rom hat mich auf jeden Fall in seinen Bann gezogen und ich werde sicherlich wieder bald dorthin fahren. Nicht nur wegen der Geschichte der Stadt, wegen der besonderen Atmosphäre in den Gassen der Altstadt oder den noch nicht in Augenschein genommen Sehenswürdigkeiten, sondern auch wegen dem leckeren Eis. Gelati ti amo.

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