Mein Besuch in der ewigen Stadt Teil III

Kirchen, Kirchen, Kirchen

Angeblich 1.000 Kirchen gibt es in Rom, so hat es uns zumindest unsere italienische Reisebegleitung erklärt. Ich habe das nicht überprüft, aber wenn man das Stadtbild in Augenschein nimmt, ist man sofort bereit, dieser Zahl Glauben zu schenken. So stand der zweite Tag eher im Zeichen der geistlichen Erbauung, der Kunst- und Kirchengeschichte sowie einer Diskussionsrunde der Konrad-Adenauer-Stiftung – aber selbst diese fand in historischen kirchlichen Gemäuern statt.

Den Morgen begannen wir mit dem Feiern eines Gottesdienstes an einem durchaus außergewöhnlichen Ort. In einer im 4. Jahrhundert über den Domitilla-Katakomben erbauten Basilika hatte das „Großer Gott wir loben Dich“ doch einen ganz besonderen Klang. Für mich als Historiker war natürlich der anschließende Besuch der Katakomben selbst besonders spannend. Die Domitilla-Katakomben sind die größte unter diesen mehr als 60 frühchristlichen Grabstätten in Rom. Über fünf Stockwerke auf einer Länge von mehr als 15 Kilometern gruben die Menschen in die Erde, um ihre Toten zu bestatten. Neben christlichen Märtyrern ist hier angeblich auch die Tochter des Petrus, Petronella, bestattet worden.

Nach diesem Ausflug in das antike Rom ging es in die zweite Kirche an diesem Tag: die Basilika St. Paul vor den Mauern, dem Ort wo Paulus begraben liegt. Im Jahr 1823 abgebrannt, aufgebaut als Zeichen der Einheit der Christenheit mit Gastgeschenken und Unterstützungen aus Russland, England und anderen Nationen und christlichen Kirchen beherbergt sie nicht nur das Grab des Paulus, sondern auch eine Galerie aller Päpste. Um alle Besonderheiten des Kirchenbaus zu entdecken hätten wir uns wohl deutlich mehr Zeit nehmen müssen als zur Verfügung stand.

Unterbrochen wurde der Besuchsreigen der Gotteshäuser durch das Mittagsgespräch der Konrad-Adenauer-Stiftung u.a. mit Prof. Dr. Rocco Buttiglione, Vizepräsident der italienischen Abgeordnetenkammer, und Klaus Schmitz, Präsident von Thyssen-Krupp Italia. Es ging um das Verhältnis Deutschlands und Italiens, Fragen zur italienischen Politik und vor allem zum Blick auf Deutschland, den künftigen EZB-Präsidenten und die Euro-Krise. Ort des Gesprächs war das Päpstliche Institut von Santa Maria dell‘ Anima, einer Kirche, die seit 1444 zur Seelsorge an deutschen Pilgern und Armen bestimmt wurde und neben dem Campo Santo Teutonico das zweite deutschsprachige Priesterseminar. Noch heute möchte die Kirche den deutsch sprechenden Christen ein Stück Heimat sein. Die Kirche beherbergt auch das Grab des bis zur Wahl Paul Johannes II. letzten Nichtitalieners auf dem Heiligen Stuhl, Papst Hadrian VI, der in Utrecht geboren nach damaligen Begriffen ein Deutscher war. Er hatte das Pontifikat allerdings nur 13 Monate inne und starb im September 1523.

Die Papstkapelle Sancta Sanctorum.Der weitere Nachmittag führte uns zunächst in die Laterankirche, dem ursprünglichen Sitz der Päpste bis zu ihrem Gang nach Avignon. Nach der Rückkehr von dort siedelten die Päpste in den Vatikan über. Im Lateran erhielten wir Eingang in die Papstkapelle Sancta Sanctorum. Die Kapelle diente als Hauskapelle der Päpste und war zugleich Aufbewahrungsort der wichtigsten Reliquien der Christenheit. So befanden sich hier die angeblichen Häupter der Heiligen Petrus und Paulus ursprünglich hier. Hauptreliquien waren neben den Apostelköpfen vor allem Reliquien Christi, Mariens, Johannes des Evangelisten und Johannes des Täufers. Die Bedeutung der Kapelle wird durch eine Inschrift auf dem Altar hervorgehoben: „NON EST IN TOTO SANCTIOR ORBE LOCUS – Kein Ort ist heiliger als dieser auf dem ganzen Erdkreis.“ Bemerkenswert ist auch das Christusbild, dass bereits im 5. Jahrhundert entstanden sein soll und das im Laufe der Jahrhunderte zunächst mit Tüchern abgedeckt und schließlich mit großen handgefertigten und verzierten Silberplatten geschützt, die nur das Antlitz Christi sichtbar lassen. Wir hatten das große Glück, dass uns das Sancta Sanctorum aufgeschlossen wurde und wir die Mosaiken und Bildnisse unmittelbar in Augenschein nehmen konnten. Die meisten Pilger betrachten diesen besonderen Ort der Christenheit durch eine Glasscheibe, nachdem sie auf Knien die Heilige Stiege hinauf sind – so wie es auch Luther auf seiner Romreise 1511 getan hatte. Auch während unseres Besuchs waren viele Pilger vor Ort. Die Stufen stammen angeblich aus dem Praetorium des Pilatus und wurden auf Geheiß der Kaiserin Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, nach Rom gebracht.
Auch die Basilika Santa Maria Maggiore, einer der sieben Pilgerkirchen in Rom und der Legende nach dort erbaut, wo nach einer Erscheinung Mariens der römische Kaufmann Johannes und der römische Bischof Liberius einen mit Schnee bedeckten Platz vorfanden. Sieben Päpste sind hier begraben und besonders sehenswert sind die Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert. Auch zu diesem Kirchenbau gäbe es noch unendlich viel zu berichten. Doch neben den kunstgeschichtlichen Ausführungen zum Gebäude und den historischen Ereignissen lohnt sich es auch, einfach zu verweilen und diesen besonderen Ort auf sich wirken zu lassen, so wie ich es getan habe.

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