Mein Besuch in der ewigen Stadt Teil II

Der nächste Morgen begann bereits um 8 Uhr mit dem ersten Programmpunkt. Das italienische Frühstück war nicht sonderlich erwähnenswert, nicht nur aufgrund des opulenten Nachtmahls. In unserer Unterkunft hatte man sich aber auf die Frühstücksbedürfnisse der deutschen Gästen eingestellt und so gab es neben Süßigkeiten und ein wenig Weißbrot auch die für den einen oder anderen gewohnte Kost inklusive Schwarzbrot. Für mich fiel das Frühstück allerdings aus. Ich habe stattdessen auf der Dachterrasse den Blick sowohl auf die Engelsburg, die ehemalige Zufluchtsstätte der Päpste, und den Petersdom genossen.

Mosaik aus der Basilika Santa Prassede und dort die unter Papst Paschales I. erbaute Kapelle des hl. Zeno. Das Mosaik zeigt Christus gefolgt von einem Engel der in die Hölle hinabsteigt um Adam und Eva zu retten. Der Teufel in Ketten ist im Hintergrund zu sehen.
Bis zur Heimreise am Gründonnerstag erwartete uns nun ein mehr als volles Programm. Dafür galt es in jeder Hinsicht gerüstet zu sein, wobei die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ja an dicht getaktete Termine gewöhnt sind. So begann dieser Tag mit einem Besuch auf dem Campo Santo Teutonico, dem deutschen Friedhof am Vatikan. Der Campo Santo befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Circus des Nero, in dem viele christliche Märtyrer, darunter wohl auch Paulus, den Tod fanden. Umgeben vom Vatikanstaat gelangt man auf den zum Campo Santo gehörigen Friedhof und in die Kirche, indem man bei der Schweizer Garde in deutscher Sprache um Einlass bittet. Auf dem Campo ist auch eines der beiden deutschsprachigen Priesterkollegien Roms untergebracht. Begrüßt und geführt wurden wir dabei vom Rektor des Campo Santo Teutonico, Don Hans-Peter Fischer. Geleitet wird der Campo von deutsch- oder flamischsprachigen katholischen Bürgerinnen und Bürgern Roms.

Natürlich war die Reise für meine Kolleginnen und Kollegen und mich aber mehr als nur geistigee Erbauung. Zahlreiche politische Gespräche standen auf dem Programm. Mit Kardinal Lajolo, der früher einmal Nuntius des Vatikans in Berlin gewesen war und nun als „Ministerpräsident des Vatikanstaates“ fungiert, sprachen wir über die innere Organisation des Vatikanstaates und die bilateralen Beziehungen. Als Kenner Deutschlands war der Kardinal außerdem ein guter Gesprächspartner um über das Bild Deutschlands aus Sicht des Vatikans zu sprechen. Und natürlich war es für die Abgeordneten schön zu hören, dass man in Rom Deutschland als starke und verlässliche Kraft Europas schätzt.

Mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, dem aus Ghana stammenden Kardinal Turkson sprachen wir über die Entwicklung Afrikas. Dort versucht die Kirche auf der Basis der Soziallehre für ein auf Nachhaltigkeit basierendes Denken und Wirtschaften zu werben. Es gibt eine enge Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, in deren Mittelpunkt die Vermittlung ethischer wirtschaftspolitischer Konzepte steht, um so eine dauerhafte Stabilisierung der Völker in Afrika zu fördern. Da in Afrika der Anteil der Christen prozentual zum Bevölkerungswachstum besonders stark wächst, kommt hier auch der Kirche eine besondere Rolle zu. In diesem Zusammenhang das Handeln der Kirche einmal nicht aus unserer nationalstaatlichen Perspektive zu beurteilen, sondern die Kirche als Weltorganisation zu begreifen, war lehrreich und informativ.

Nicht minder spannend war das Gespräch mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Gerade für mich als Protestanten war es interessant zu hören, welchen Stellenwert die Ökumene hat. Gerade die evangelischen Christen sind gespannt, was der Papst bei seinem Deutschlandbesuch im Herbst in Erfurt zur Ökumene ausführen wird. Dass er dies in der Stadt, in der Luther gewirkt hat, tun wird, erhöht die Spannung. Neben theologischen Fragen wie der gemeinsamen Feier des Abendmahls stellte der Kardinal noch einmal das große Interesse des Heiligen Vaters heraus, das Verbindende aller christlichen Kirchen zu betonen. Dabei sei es interessant zu beobachten, dass die theologische Übereinstimmung mit der Ostkirche größer als mit den Protestanten sei. Hingegen gebe es eine deutlich größere kulturelle Übereinstimmung zwischen Protestantismus und Katholizismus als mit der orthodoxen Kirche.

Ich mache mir angesichts der Diskussion über die Ökumene meine eigenen Gedanken. Zwei Dinge kommen wir dabei immer wieder in den Sinn. Wäre es nicht klüger angesichts des zu-nehmenden Rechtfertigungsdrucks, den das Christentum in Deutschland ausgesetzt ist, auf das Verbindende zu achten, als ständig das Trennende herauszuarbeiten? Und: so sehr ich in lutherischer Sicht manche Kritik an der katholischen Kirche üben möchte, so sehr bewundere ich die Eindeutigkeit der Positionen. Aus meiner Sicht leidet die Evangelische Kirche ja gerade darunter, dass man gefühlt alles glauben kann was man will. Es fehlt der evangelischen Kirche in Deutschland eben an Klarheit und vor allem an einer wirklichen und dann auch streitbaren Haltung. Die frohe Botschaft verschwindet zu oft hinter Projekten für die Dritte Welt und einer Art wellness-Kirche. Das war sicher nicht im Sinne Luthers. Darum gefällt mir auch ein Zitat Peter Hahnes, einem der wenigen profilierten Protestanten in Deutschland, der gesagt hat: „Heute fragt man sich, ob der Papst nicht der eigentliche Nachfolger Martin Luthers ist, denn der weiß, für was er steht. Das weiß ich bei meiner evangelischen Kirche oft nicht mehr.“ Das ist leider wahr.

Der besondere Höhepunkt dieses Tages war aber wohl der Besuch der Sixtinischen Kapelle. Vorbei an der Schweizer Garde hatten wir die Gelegenheit mit unserer Gruppe eine wirklich ausführliche kunstgeschichtliche und theologische Einführung in dieses Wunderwerk Miche-langelos zu bekommen. Die Botschaften, die man heute ohne Erklärung wohl kaum verstehen kann, die Macht der Bildersprache zog wohl jeden in seinen Bann. Der Ort der Konklave war mehr als beeindruckend und hat mich tief berührt. So erfuhren wir beispielsweise, dass die Darstellung des Jesus im Zentrum des großen Gemäldes an der Rückwand der Kapelle als Reaktion auf die Reformation gedeutet werden kann. Michelangelo griff damit die Forderung auf, sich wieder auf Christus zu besinnen.

Den Abschluss des Tages brachte ein Empfang beim Deutschen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Dr. Walter Jürgen Schmid.

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