SCHWARZER PETER

Meine Einsatzreise nach Afghanistan

Im Gespräch mit Soldatinnen und Soldaten im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Drei Tage war ich bei unseren Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan und habe politische Gespräche in Kabul und Masar-e Sharif geführt. Geprägt waren die Gespräche von der ersten Waffenruhe zwischen Regierung und Taliban seit Beginn des Krieges. Sowohl der Kommandeur der NATO-Mission Resolute Support, General John W. Nicholson, als auch der afghanische Verteidigungsminister Tariq Bahrami und der Gouverneur der Provinz Balkh, Ishaq Rahguzar haben mir gegenüber betont, dass sie dieses Signal nun für weitere Verhandlungen nutzen wollen. Damit bestätigt sich auch unsere deutsche Haltung, dass eine Lösung des Konflikts nicht militärisch, sondern politisch erfolgen muss.

Treffen in Kabul mit dem Kommandeur der NATO-Mission Resolute Support, General John W. Nicholson. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)
Austausch mit dem Verteidigungsminister von Afghanistan, Tariq Bahrami, in Kabul. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Auf der Reise haben mich unter anderem der Inspekteur des Cyber- und Informationsraumes, Generalleutnant Leinhos und Oberstleutnant Wüstner, Vorsitzender des Bundeswehrverbandes, begleitet. Wir konnten gemeinsam viele Eindrücke sammeln und waren uns am Ende einig, dass die Einsatzreise ein voller Erfolg war. Ich habe zudem viele Punkte mitgenommen, die mir die Soldatinnen und Soldaten mit auf den Weg gegeben haben. Und von afghanischer Seite sowie von unseren Partnern und Verbündeten wurde immer wieder betont, wie wichtig und hilfreich unser deutscher Einsatz für die Zukunft des Landes ist.

Die Delegation im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Besonders General Nicholson dankte unseren Soldatinnen und Soldaten als auch der Bundeskanzlerin für ihre „starke Leadership“ in der Afghanistanpolitik. Brigadegeneral Stahl, unser Kommandeur in Masar-e Sharif, betonte dabei immer wieder, dass der Einsatz auch der Wahrung unserer eigenen sicherheitspolitischen Interessen in Deutschland und Europa diene.

Im Gespräch mit Soldaten der IT-Staffel im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Im Mittelpunkt standen für mich die Gespräche mit unseren Soldatinnen und Soldaten. Natürlich ging es auch um die Situation in der Heimat, um fehlendes Material, um die eingeleiteten Trendwenden und die Notwendigkeit, hier in absehbarer Zeit Erfolge sichtbar werden zu lassen.

Gespräche mit den Sanitätssoldaten im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Sowohl im Hauptquartier in Kabul als auch am Flughafen dort und natürlich im Camp Marmal in Masar-e Sharifin verschiedenen Bereichen – mit unseren Sanitätssoldaten, der Mannschaft, die die Drohne Heron 1 bedient, unsere KSK-Soldaten und der IT-Staffel habe ich lange und ausführlich gesprochen.

Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)
Die Drohne Heron 1 im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Viel Freude gemacht hat auch das Interview mit Radio Andernach. Abends stand noch ein langes Gespräch mit den Spießen, den Vertrauenspersonen, den Kompaniechefs und anderen Soldatinnen und Soldaten aller deutschen Einheiten auf dem Plan. Bei heimischer Bratwurst haben wir offen über die Erfahrungen im Einsatz und Probleme wie eine verlässliche Reiseplanung in den Einsatz und vor allem zurück in die Heimat gesprochen. Das war besonders aufschlussreich. Mir war es dabei besonders wichtig, zuzuhören, aber auch ein Dankeschön für den Einsatz für unser Land zu sagen. Ich finde, unsere Soldatinnen und Soldaten können stolz auf das sein, was sie vor Ort leisten.

Im Interview bei und mit Radio Andernach im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Angetan war ich auch von unseren deutschen Polizisten, die sich an der Ausbildung ihrer afghanischen Kollegen beteiligen. Ein Schwerpunkt ist dabei momentan die Ausbildung weiblicher Kräfte der afghanischen Polizei. Die Polizisten kommen aus nahezu allen Bundesländern und viele von ihnen waren schon mehrmals in Afghanistan.

Deutsche Polizistinnen und Polizisten beteiligen sich in Aghanistan an der Ausbildung ihrer afghanischen Kollegen. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Bei den politischen Gesprächen ist noch einmal deutlich geworden, dass es keine rein militärische Lösung gibt und die afghanischen Taliban in den Friedensprozess einbezogen werden müssen. Die Auseinandersetzungen zwischen dem IS, gegen den die Taliban ebenfalls kämpfen, und den ausländischen Taliban zeigen die verschiedenen Fronten auf.

Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Hier gilt es, ein sicheres Umfeld zu schaffen. Darüber hinaus ist es gut, dass unsere Diplomaten vor Ort und das Auswärtige Amt in Berlin alles tun, um den begonnenen Friedensprozess zu begleiten. Auch wenn Teile der Talibanführung durch verstärkte Aktivitäten versuchen, diesen Prozess zu torpedieren, wurde mir von vielen Gesprächspartnern versichert, dass derzeit  ein ganz besonderes Momentum und die Chance auf Frieden besteht.

Im Gespräch mit Dr. Robert Klinke, Generalkonsul in Afghanistan. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Aufschlussreich war für mich in diesem Zusammenhang deshalb auch das Gespräch mit Hayatullah Jawad, Gründungsdirektor einer Menschenrechtsorganisation, sowie der erfolgreichen Unternehmerin Diana Hashimzada. Beide arbeiten an verschiedenen Projekten zu Verbesserung der Menschenrechtslage sowie der Situation von Frauen und Flüchtlingen bzw. Rückkehrern. Bei allen Problemen betonten beide die Chancen und die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte. Mit aufeinander abgestimmten qualifizierten Bildungs- und Berufsangeboten vor Ort könnte dem Migrationsdruck insbesondere der Jugend Richtung Europa entgegengesteuert werden. Die Bundesregierung setzt auf diesen vernetzten Ansatz aus Diplomatie, Militär und Entwicklungszusammenarbeit.

Zeremonie und Kranzniederlegung im Ehrenhain des Camp Marmal zum Gedenken der gefallenen Soldaten. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Im Ehrenhain im Camp Marmal habe ich begleitet von Generalleutnant Leinhos und Brigadegeneral Stahl im Rahmen einer Zeremonie der gefallenen Soldaten im Verantwortungsbereich des multinationalen TAAC North gedacht.

Ehrenhain im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Die Soldatinnen und Soldaten müssen im Einsatz auf viele Dinge verzichten, selbst wenn das Freizeitangebot und die Versorgung mit vertrauten Gütern aus der Heimat keinen Anlass zur Klage bieten. Die Marketenderwaren sowie Sportmöglichkeiten und eine gute Internetverbindung in die Heimat sind ausreichend vorhanden.

Einkaufsmöglichkeiten im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Es sind darüber hinaus auch immer wieder die persönlichen Geschichten und Anekdoten, die zeigen, was der Einsatz von den Angehörigen der Bundeswehr vor Ort, aber auch in der Heimat von den Familien verlangt.

Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Besonders berührt hat mich die Geschichte eines Heiratsantrags im Camp Marmal. Es gibt vor Ort einen Aussichtsturm von gut 50 Meter Höhe. Dort hat ein Soldat seiner ebenfalls im Einsatz befindlichen Freundin einen Heiratsantrag gemacht. Sie hat „Ja“ gesagt und mir wurde gemeldet, beide seien immer noch glücklich verheiratet.

Ort des Heiratsantrages in luftiger Höhe: Der Tetrapol-Turm im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Als ich an einem Beachvolleyballfeld vorbeikam, sagte jemand aus meinem Begleitkommando „nicht ohne Socken“. Ich habe das erst gar nicht verstanden, bis mir erklärt wurde, dass die Soldaten beim Volleyballspielen im Sand die Socken anbehalten würden, weil der Sand zu heiß sei.

Gespräche am Abend im Camp Marmal. / Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Manch ein Soldat kann im Einsatz nicht von seiner Sportleidenschaft lassen und läuft. Die Laufrunde im Camp Marmal ist etwas länger als sechs Kilometer. Die Geschichte eines Oberstleutnants, der aufgrund des Einsatzes nicht am Marathon seiner Heimatstadt teilnehmen konnte und dann parallel im Camp die Laufstrecke eines Marathons absolvierte, begeistert mich. Ich selbst bin mit drei Kameraden eine Runde im Camp gelaufen. Dabei habe ich nochmal einen ganz anderen Blick auf die verschiedenen Einrichtungen und Bereiche werfen können, und mir sind die Dimensionen klarer geworden – und sportlich war es sicher die bisher außergewöhnlichste Laufstrecke meines Lebens.

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