„Müssten wir nicht viel verrückter sein?“ Große Fragen zum Digitalen Deutschland 2025

Neulich ging es im Konrad-Adenauer-Haus um die Frage: Was braucht das „Digitale Deutschland 2025?“ Mit über 30 klugen Köpfen haben wir diskutiert. 18 Teilnehmer hatten jeweils drei Minuten Zeit, eine Idee vorzustellen, die vielleicht den Weg ins Regierungsprogramm der CDU schaffen kann. Währenddessen wurden diese Impulse in einem bildlichen „Protokoll“ festgehalten:

Veranstaltung Digitales Deutschland 2025 am 28.03.17 im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Disruption, Blockchain, Smart Cities, Industrie 4.0, künstliche Intelligenz: Wie man sieht, haben wir über viele „große“ Themen geredet. Dabei wurde es grundsätzlich. Soll man alles realisieren, was technisch möglich ist? Gibt es eine ethische Grenze und wenn ja, welche? Wie können wir die Digitalisierung für Bürger jeden Alters so gestalten, dass daraus etwas Gutes für jeden wird? Wie können wir Verwaltung effizienter gestalten? Ist ein estländisches e-Government Modell in Deutschland denkbar? Operieren uns demnächst im Krankenhaus nur noch Roboter?

Veranstaltung Digitales Deutschland 2025 am 28.03.17 im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Betrachtet man das Bild, wird schnell klar: Digitalisierung ist für die Politik eine Querschnittsaufgabe, die Wirtschaft und Gesellschaft umfassend verändert. Alles hängt mit allem zusammen. In den nächsten Jahren werden die Aufgaben noch größer, aber auch spannender.

Veranstaltung Digitales Deutschland 2025 am 28.03.17 im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Darum muss jedes Ressort sich der Herausforderung stellen. Zur Koordinierung braucht die Bundesregierung künftig einen Staatsminister im Kanzleramt.

Sachar Klein war die Diskussion noch zu brav. Er sagte: „Müssten wir nicht viel verrückter sein? Ein bisschen Spaß und Wagnis wünsche ich mir!“ Mag sein. Aber Politik ist eben auch das Bohren dicker Bretter.

Veranstaltung Digitales Deutschland 2025 am 28.03.17 im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Ich habe mich gefreut, dass Angela Merkel trotz aller Termine spontan vorbeikam. Sie gab uns ihre Sicht der Dinge mit auf den Weg: „Alles oder nichts“ sei nicht zielführend. Man müsse Möglichkeiten finden, die Neugier, Ideen und Mut zum Weiterdenken in Deutschland zu fördern – und nicht immer plötzliche Quantensprünge erwarten, die über Nacht alles verändern. Ein Beispiel dafür war die Diskussion um das Bezahlen ohne Bargeld. Dem Ruf nach Abschaffung des Bargelds trat Angela Merkel entgegen. Auch künftig müsse jeder selbst entscheiden können, wie er bezahle. Und auch die Kanzlerin möchte nicht auf Bargeld verzichten.

Ich bin davon überzeugt, dass Forschung, Innovation und Spaß ganz viel mit  Erfolg zu tun haben. Nach diesem Abend bin ich sicher, dass wir auf einem guten Weg sind.

Veranstaltung Digitales Deutschland 2025 am 28.03.17 im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)
Graphic Recording by Visual Facilitators / Mathias Weitbrecht

1 Kommentar zu “„Müssten wir nicht viel verrückter sein?“ Große Fragen zum Digitalen Deutschland 2025Einen Kommentar schreiben →

  1. Es wird beklagt, ist aber unabänderlich, dass sich der größte, und im Zweifel entscheidende, Teil der Wähler in erster Linie für das interessiert, was auf der Hand, auf dem Teller liegt, sich im Beutel befindet und in der gerade eben noch gedanklich erfassbaren Zukunft eintreten könnte. Diese Inhaltsansprüche können die Parteiprogramme nur selten und dann nur unvollständig erfüllen.

    Warum macht man keinen Unterschied zwischen Programmteilen, die für die nächste Legislaturperiode gelten sollen und solchen, die langfristig Gültigkeit haben?

    Das digitale Deutschland wäre zwar nicht für die Ewigkeit, wohl aber für die mittel- und langfristige Zukunft der jüngeren Generation bestimmt. Für die ältere Generation gelten andere Prämissen. Als Grundlage der Diskussion ist es auch notwendig, dass man über die zu vermutenden gesellschaftlichen Entwicklungen diskutiert.

    Mit welchen globalen Ansprüchen, Werten und Realitäten müssen wir unausweichlich rechnen? Welche bisherigen nationalen Werte werden, zumindest in der bisherigen Bedeutung, nicht mehr aufrecht zu erhalten sein? Erst wenn über den, von den internationalen Märkten und den sich verändernden Machtverhältnissen ausgehenden, Zwang zur Veränderung Einigkeit besteht, kann auch über die zu erwartenden „Zustände“ fabuliert werden.

    Jede Wirkung bedarf einer Ursache. Jedes Ergebnis ist die Folge eines Zwanges. Über 2025 hinaus gedacht, gehen die Zwänge mehr denn bisher vorstellbar von globalen Entwicklungen aus. Wir sind nicht mehr Herr im Hause unserer Werte. Wer dieser Entwicklung immer nur hinterher läuft, kommt zwangsläufig zu spät. Dem wird diktiert, was noch großzügig an Restwerten übrig bleiben könnte. Die Rechnungen werden künftig von den kulturellen Unterschieden diktiert. In den Kolonialzeiten war das noch zu westlichen Gunsten. Die Zeiten haben sich schon längst geändert. Unsere so lieben und unverzichtbaren Werte nicht. Die Diskrepanz wird unüberbrückbar. BREXIT und Trumpismus sind dafür ein untrüglicher Beweis.

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