Medienkompetenz und Verantwortung, frei nach Yoda: „Viel zu lernen du noch hast!“

Digitale Souveränität ist ein Begriff geworden – seit wir die digitale Welt fest in unseren Alltag integriert haben. Wie genau wir diese Souveränität aber erlangen können – darüber wird weniger gesprochen. Das Stichwort lautet Medienkompetenz.
Was diese umfasst, sind die individuell erlangten Antworten auf eine ganze Reihe von wichtigen Fragen: Wie gehen wir selbst – also jeder einzelne von uns – mit digitalen Medien um? Sind wir beispielsweise sensibel genug mit unseren Daten? Wie sieht überhaupt der digital souveräne Nutzer aus? Was kann Medienkompetenz hier leisten? Wie können wir insbesondere unsere Kinder und Jugendlichen kompetent und souverän auf die digitale Welt vorbereiten? Nutzen unsere Schulen und Universitäten schon alle Möglichkeiten, um junge Leute auf die digitale Welt vorzubereiten? Wo muss der Staat helfend eingreifen – Stichwort Jugendschutz und Jugendmedienschutz.
Die Relevanz dieser Fragen ist offensichtlich. 75-95% der Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 13 Jahren sind online, über 50% der älteren täglich. Es nützt also nichts, die digitale Welt „abgetrennt“ von der Realität zu vermitteln. Für Kinder und Jugendliche ist sie nämlich schon Alltag.

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Die Politik kann hierzu das Fundament legen, durch gesetzliche Vorgaben für den Jugend- und Jugendmedienschutz. Allerdings greifen diese allein zu kurz. Die Eltern und Schulen stehen in der Verantwortung, ihren Kindern den bewussten Umgang mit der digitalen Welt zu vermitteln. Gleichzeitig müssen die Lehrenden den aktuellen Stand vermittelt bekommen. Das sind langfristige Prozesse, die sich durch konstanten Austausch bereichern müssen. Online-Mobbing, Gewaltdarstellungen und fragwürdige Inhalte – das sind stets neue Herausforderungen, denen Eltern mangels Hintergrundwissen oft überfordert gegenüberstehen. Deshalb ist es so wichtig, dass zwischen allen Beteiligten – Schule, Eltern und Jugendlichen- Austausch stattfindet. Dazu unterstützende Strukturen zu schaffen ist die Aufgabe der Beteiligten.
Ein digital-souveräner Mensch ist also jemand, der die Chancen der Informations- und Kommunikationstechnologie nutzt und gleichzeitig um die Risiken weiß, sodass er die angemessenen Entscheidungen treffen kann.
Peter Bisa und Mike Friedrichsen haben zu diesem Themenkomplex ein Buch veröffentlicht, das sich explizit mit der digitalen Souveränität und den von ihr aufgeworfenen Fragen beschäftigt. Die Beiträge spannen einen Bogen zwischen politischer, wirtschaftlicher, juristischer und kultureller Ebene. Und so wird deutlich, dass die Auseinandersetzung über die Verantwortung im digitalen Raum auch in den kommenden Jahren an Bedeutung nur gewinnen wird. Ich empfehle dieses Buch gern jedem, der sich in dieser Hinsicht informieren möchte.

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1 Kommentare.

  1. Wie ein ständiges Mantra wird uns permanent vorgesagt, dass alle Welt künftig als unbegrenzte Wissensgesellschaft von den neuen IT-Möglichkeiten profitieren wird. Zutreffen wird das sicherlich für Gesellschaften und Bevölkerungsmehrheiten mit sehr hohen Bildungsdefiziten. Auch für die westlichen Industrienationen hört man die Aussicht gerne, allein die Wahrheit sieht vermutlich ganz anders aus. Die Praxis des leichten Weges wird in den Versorgungsgesellschaften die verführen, die schon immer die Letzten waren. Gekonnt sich im Netz zu tummeln, besagt nichts über die konsumierten Inhalte. Weder muss You Tube ein qualitativer Inhalt sein, noch ist die bevorzugte Online-Infoseite eine Garantie dafür, sich „gut“ zu unterrichten.

    Was ergibt die beste Medienkompetenz, wenn sie nicht mit einer entsprechenden Bildungskompetenz „verarbeitet“ wird?

    Es nutzt nichts, wenn man virtuos auf dem Medienklavier spielen, aber die Melodien nicht verstehen kann oder immer die gleichen Leierer hört. Was nutzt es, wenn jeden Tag 10 mal 6 verschiedene Informationsseiten aufgerufen werden um jedes Mal nur zu erfahren, was denn Guardiola gesagt hat oder welches Outfit Madonna heute trägt. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Medienvielfalt für die Allgemeinheit in unseren Gesellschaften auch zu einem größeren und aus vielen Quellen gestützten objektiven Wissen führt. Eher ist das Gegenteil der Fall. Denn es hat sich wohl erwiesen, dass die Gewohnheit die Mehrheit der Mediennutzer nur zu wenigen Info-Quellen führt. Bei Vielen nur zu einem „Kanal“! Bisherige Vielfalt in Form der Tagesschau, den politischen Sendungen, der Tageszeitung und einer Wochenzeitung war gestern. Heute muss leider immer mehr der inhaltslose Info-Mainstream genügen. Wenn RTL, SAT1, RTL2, PRO7 als Wissenquellen fungieren und die Verkaufskanäle als Unterhaltungssendungen genügen, ist das Ergebnis absehbar. Steigt die Zahl der Anspruchslosen, bekommen wir ein demokratisches Problem.

    Die informellen Schnittmengen zwischen denen, die noch bereit sind, sich umfassend zu informieren und sich deshalb als elitär dünken und denen, die vorzugsweise nur das wissen wollen, was angeblich der Mainstream fordert, werden immer kleiner. Und diese Schnittmengenverluste werden sich auch auf die gegenseitigen gesellschaftlichen Verbindungen, bis hin zur Partnerwahl auswirken. Diese Situation schön zu reden, hilft nicht. Allenfalls der AfD und anderen populistischen Schreihälsen, die mit den einfachsten Sprüchen und „Wahrheiten“ Kasse machen. Mangels Bildung haben rücksichtslosen Vereinfacher ein leichtes Spiel.

    Um das zu verhindern, sollte überlegt werden, ob die gesamte Hoheit über Bildung und Ausbildung den Parteien und Parlamenten entzogen werden müsste. Denn der demokratische Wettbewerb zwischen den Parteien und Ideologien führt doch letztlich dazu, dass versucht wird, zur Sicherung der eigenen Wahlerfolge die Bildungsinhalte mit dem Ziel der Wählerindoktrination zu beeinflussen. Das bedeutet zuverlässig, dass dem Wähler versprochen wird, dass statt mühsamer persönlicher Leistung auch der wesentlich leichtere Weg der unbegrenzten persönlichen Freiheit zum Ziel führt. Sollte das dann wider Erwarten nicht gelingen, ist ja immer noch die staatliche Hilfe da. Um diese „innere Uhr“ zu verhindern, sollte zumindest die gesamte Bildung auf der Basis unseres Grundgesetzes wertfrei, neutral und ohne ideologische Vorprägungen sein.

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