Gastbeitrag – Mein Praktikum im Konrad-Adenauer-Haus

von Benjamin Brettinger

Es ist Montagmorgen. Es regnet in Berlin und ich bin viel zu früh auf dem Weg vom Prenzlauer Berg in Richtung Konrad-Adenauer-Haus (KAH). Eigentlich beginnt mein Praktikum an diesem Tag erst um 11 Uhr, aber weil es mein erster Tag ist, will ich natürlich pünktlich kommen. Außerdem kenne ich mich in Berlin nicht aus. Den Weg von meiner Unterkunft zum KAH habe ich zwar vorher im Handy rausgesucht, aber bei öffentlichen Verkehrsmitteln weiß man ja nie… Da aber entgegen allen Erfahrungen alles auf Anhieb funktioniert, bin ich sogar eine Stunde zu früh. Das Positive daran ist, die Wartezeit kann ich mir im Café Konrad vertreiben.

Während ich also meinen Kaffee trinke, warte ich darauf, dass mein Praktikum beginnt. Ich weiß nicht wirklich, was in den kommenden fünf Wochen auf mich zukommt. Was erwartet man von der Bundesgeschäftsstelle der Christlich Demokratischen Union? Wahrscheinlich, dass die Mitarbeiter im Anzug zur Arbeit gehen und vielleicht sogar, dass alles ein klein wenig spießig ist. Allerdings werde ich direkt vom Gegenteil überzeugt. Die Mitarbeiterin, die mich während meiner Praktikumszeit betreut, bietet mir direkt das Du an, die meisten anderen Mitarbeiter machen das auch. Einer der ersten Sätze, die ich höre ist: „Also mit Jeans und Hemd bist du vollkommen ausreichend angezogen. Weder over- noch underdressed. Aber du kannst gern auch Sneakers tragen, wenn dir das lieber ist. Machen wir auch so.“ Wirklich?! Wirklich. Tatsache. Selbst der Teamleiter hat blaue Nike-Sneaker an. Wenn ich also direkt etwas über mein Praktikum sagen kann, dann dass das KAH definitiv nicht spießig ist.

Ich bin für mein Praktikum im Bereich „Kampagne & Marketing“ gelandet. Genauer noch: Im Online-Team. Ich helfe den Mitarbeitern, die für alles rund ums Thema Social Media und Website-Betreuung zuständig sind. Die Zuteilung war mehr oder weniger Zufall, aber ich bin damit ziemlich zufrieden. Zum Einen, weil es ein spannendes, modernes Feld, aber auch weil es sehr vielseitig ist. Neben Postings in den verschiedenen sozialen Netzwerken habe ich viel mit CDUplus zu tun, dem CDU-internen Mitgliedernetzwerk. Eine Aufgabe, die ich besonders spannend finde, ist die Begleitung der Pressekonferenzen. Das Online-Team richtet zu jeder Pressekonferenz einen Livestream über „Periscope“ oder Facebook-Live ein. Meine Aufgabe dabei besteht hauptsächlich darin, die Pressekonferenz mit dem Smartphone zu filmen, damit die Nutzer live dabei sein können. Das heißt: Ich sitze in der ersten Reihe, wenn Generalsekretär Peter Tauber eine Pressekonferenz gibt. Am Tag nach den Landtagswahlen saß ich direkt vor der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel sowie den drei Spitzenkandidaten Julia Klöckner, Reiner Haseloff und Guido Wolf!

Generell kann man sagen, dass der größte Vorteil von einem Praktikum im KAH ist, dass man tatsächlich mitarbeiten kann. Das klingt vielleicht im ersten Moment ein bisschen banal, ist aber bei vielen Praktika nicht selbstverständlich. Ich zumindest bin froh, dass ich an spannenden und interessanten Aufgaben mitgestalten darf, meine Meinung äußern kann und im einen oder anderen Fall sogar mit meinen Ansichten überzeugen kann. Ich muss hier weder Kaffee kochen, noch ständig zum Kopierer laufen. Stattdessen darf ich an jeder Runde teilnehmen und zu Terminen mit, zu denen ich sonst niemals gekommen wäre.

Als besonderes Highlight ist hier auf jeden Fall der Termin mit Facebook zu nennen. Wie aktiv Parteien, und vor allem die CDU, in den sozialen Netzwerken sind, merkt man ziemlich schnell, wenn man bei den „Onlinern“ mitarbeitet, aber wie groß umgekehrt das Interesse von Facebook an den Parteien ist, überraschte mich trotzdem. Zu Besuch war Katie Harbath. Katie ist „Global Politics and Government Outreach Director“ bei Facebook. Auf Deutsch: Katie leitet die Abteilung Politik und Gesellschaft bei Facebook. Ziel des Termins war es, die verschiedenen Möglichkeiten für den Bundestagswahlkampf 2017 zu erörtern. Dabei erzählte Katie nicht nur, was man in Deutschland alles machen kann, sondern berichtete vor allem was schon in anderen Ländern erfolgreich war, etwa in den USA oder England. Insgesamt ist sie einen Monat unterwegs in den verschiedensten Ländern von Norwegen über Indien bis nach Berlin. Kurz gesagt, der Termin war einfach eindrucksvoll.

Aber was mich mit Abstand am meisten beeindruckt, ist die Tatsache, wie sich die Mitarbeiter um einen kümmern. Ich habe meiner Betreuerin erzählt, dass ich nach meinem Bachelor am Liebsten einen Master in Internationale Beziehungen machen würde. Deswegen kümmerte sie sich darum, dass ich einen Termin beim Leiter des Büros für Internationale Beziehungen im KAH bekomme, um zu sehen wie die Arbeit dort ist. Genauso haben sich Teamleiter aus anderen Bereichen Zeit für mich genommen, damit ich einen Einblick in ihre Arbeit bekomme, sogar der Generalsekretär selbst, obwohl er einen unglaublich vollen Terminkalender hat. „Ich wollte wenigstens mal Hallo sagen“, meinte er.

Mittlerweile sind die fünf Wochen meines Praktikums fast vorbei und ich kann sagen, viel besser hätte es nicht laufen können. Ich habe eine Vielzahl an Eindrücken gewinnen können, viele Tipps für das Studium und meine berufliche Zukunft bekommen, viele Politiker getroffen und jede Menge nette Leute kennen gelernt, zu denen ich auch nach meinem Praktikum gerne noch Kontakt halten möchte. Aber bis dahin genieße ich noch meine letzte Woche in Berlin und im KAH – aus Erfahrung kann ich inzwischen sagen, sie wird nicht langweilig!

PS.: Ich kann jedem Praktikanten nur empfehlen, zu Beginn des Praktikums eine Hausführung bei Sidney Pfannstiel zu machen. Einen besseren Einstieg gibt es nicht!

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