Gastkommentar: Ausrufezeichen für den Tigerschutz

Es war eine Schicksalswoche für den Tiger – mit erfreulichem Ende. Vom 21. bis 24. November fanden sich Staats- und Regierungschefs aller 13 asiatischen Länder, in der Tiger noch in freier Wildbahn leben, auf Einladung von Wladimir Putin in St.Petersburg ein. Erstmals berieten Regierungschef auf einer internationaler Ebene über eine einzige Tierart- und das mit Erfolg. Insgesamt 127 Millionen Euro (davon ein Spendenbeitrag von 12,6 Millionen Euro der Bundesrepublik) stellten die Staatschefs zur Verfügung- der Tiger erhält somit eine weitere und wohl seine letzte Chance auf ein Leben in freier Wildbahn. Gleichzeitig bewiesen die Politiker, dass, wenn gemeinsame Interessen aller beteiligter Staaten im Vordergrund stehen, Lösungen, anders wie beispielsweise auf der letztjährigen Klimakonferenz in Koppenhagen, durchaus konsequent und rasch umzusetzen sind.

Der Tigergipfel in St. Petersburg hatte natürlich einen dringlichen Hintergrund. Aufgrund eines Zusammenbruchs der weltweiten Tigerpopulation von über 100.000 auf nur noch rund 3.200 Exemplare in den vergangenen 80 Jahren, startete der World Wide Fund for Nature (WWF) im Februar, passend zum Beginn des Chinesischen Jahr des Tigers, eine bis dato beispiellose Kampagne für den Tigerschutz. Neben zahlreichen Großveranstaltungen in Deutschlands größten Städten sowie einer Intensivierung der öffentlichen Werbung, war die Reise von vier Jugendbotschaftern in den Russischen Fernen Osten Hauptbestandteil der Großkampagne, um auch die jüngere Bevölkerung für den Tigerschutz und generelle Umweltprobleme zu sensibilisieren.

Nach einem Auswahlverfahren und einem „Casting Camp“ in der WWF-Zentrale in Frankfurt hatte ich das Glück Teil  dieser Gruppe zu sein und als einer der vier Jugendbotschafter mit in eines der entlegensten Gebiete am anderen Ende der Welt zu reisen – die Amur-Region. Ziel unserer Expedition war die Problematik des Tigerschutzes aber auch die Begeisterung für die Großkatze gerade für die Jugendmitglieder des WWF zu übermitteln und ferner mediales Interesse in der Bundesrepublik zu generieren. Begleitet von unserem Kameramann und einem WWF-Begleiter unternahmen wir täglich Exkursionen in die größtenteils unberührten Urwälder der Amur-Region, trafen Tigerforscher, die uns noch detailliertere Einblicke in die Welt des Sibirischen Tigers gaben, besuchten spezielle Tigerklassen in der Region und waren zum Abschluss unserer Reise Teil des Tiger Day, einer jährlich stattfindenden Großdemonstration in der Großstadt Wladivostok. Insgesamt 20 Tage waren wir in den russischen Gebieten Primorje und Chabarowsk unterwegs – ein Hubschrauberflug, während dessen uns die immensen Dimensionen des Tiger-Lebensraumes aus der Luft deutlich wurden war einer der Höhepunkte der Reise. Das absolute Highlight erlebten wir jedoch während einer Exkursion in einem Urwald nahe der Chinesischen Grenze, als wir die nur wenige Hundert Meter weit entfernten Rufe eines freilebenden Tigers hautnah miterlebten und wenig später sogar frische Kratzspuren fanden. Das Brüllen der größten Katze der Welt live zu erleben ist ein faszinierendes Gefühl und wird -dank des großen Engagements des WWF, aber auch der Kooperationsbereitschaft der Staatschefs in St. Petersburg- hoffentlich noch für sehr lange Zeit  durch die Urwälder Asiens schallen.

Über den Autor:

Anlässlich des chinesischen Jahres des Tigers war Johannes Hetterich vom 9. bis zum 27. September als „Tigerbotschafter“ des World Wide Fund for Nature (WWF) im fernen Osten Russlands unterwegs.

Zur WWF-Jugend geht es hier.

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