Lutz Hundelshausen – ein Christdemokrat der ersten Stunde

Es war eine besondere Verabredung für mich. Ich wollte mich mit einem CDU-Mitglied der ersten Stunde treffen. Er ist seit 1946 Mitglied der Partei und wohnt in meiner Heimatstadt Gelnhausen.
1926 ist Lutz Hundelshausen in Oberschlesien geboren worden. Mitten in der Zeit der Weimarer Republik und nicht in den schlechtesten Jahren der ersten deutschen Demokratie. Das Schicksal von Flucht und Vertreibung bleibt ihm und seiner Familie erspart – wer weiß, ob er es überlebt hätte –, denn bereits vor dem Krieg findet der Vater eine Stelle in Gelnhausen, und die Familie zieht von Oberschlesien in das beschauliche hessische Städtchen um. Auch hier geben in den dreißiger Jahren die Nazis den Ton an. Der Vater schafft für die Familie mit Fleiß ein Eigenheim. Der junge Lutz Hundelshausen muss bei Kriegsende noch als Luftwaffenhelfer in Kassel dienen, gerät im Harz in Kriegsgefangenschaft, aber darf schon im Sommer 1945 zurück nach Gelnhausen. Im benachbarten Büdingen macht er Abitur. Er wird Lehrer, u.a. für katholische Religion an der Gelnhäuser Kreisrealschule. Noch heute lebt er in der Barbarossastadt, nimmt Anteil am Zeitgeschehen, der Entwicklung seiner Kinder und Enkel und pflegt seine Ehefrau.
Er ist trotz dieses für seine Generation nahezu typischen Lebenslaufs ein besonderer Mensch. Ein Demokrat der ersten Stunde. Einer der ersten Christdemokraten – und das bereits drei Jahre bevor die Bundesrepublik überhaupt gegründet wird. Denn an vielen Orten in den vier Besatzungszonen gründen sich schon kurz nach Kriegsende Parteien, die sich dem C verpflichtet fühlen. Viele wählen als Namen bereits die Abkürzung CDU. Einer von diesen tritt Lutz Hundelshausen schon 1946 bei. Christlichen Werten fühlen sie sich verpflichtet, Demokraten sind sie, und in einer Union wollen sie Grenzen von Klassen, Schichten und Konfessionen überwinden. Alle vereinen Protestanten und Katholiken. Das ist die Lehre aus dem Nationalsozialismus: Man will das Gemeinsame betonen und nicht auf das Trennende schauen. Erst 1950 wird aus all diesen Gründungen in Goslar eine gemeinsame bundesweit agierende CDU. In der östlichen Besatzungszone ist unter der Knute der Kommunisten die CDU dort längst unterwandert, viele Christdemokraten aus der SBZ geflohen, inhaftiert oder sogar ermordet.
Lutz Hundelshausen ist gerade 20 Jahre alt. Er ist nicht völlig desillusioniert von der Politik – wie die meisten seiner Generation. Vielleicht hat ihm dabei auch sein christlicher Glaube geholfen. Er ist schnell dabei, als ihn die älteren Männer in Gelnhausen – auch in der Kirchengemeinde – fragen, ob er mithelfen will, eine neue Partei mit aufzubauen, die auf christlichen Werten gründet. Er engagiert sich ebenfalls in der Jungen Union. Er sagt ja. Er ist voller Tatendrang und vor allem voller Zuversicht.
So begleitet er den ersten Landrat im Landkreis Gelnhausen nach dem Krieg, Heinrich Kreß, und beteiligt sich an den ersten Wahlkämpfen, die noch ohne Social Media, moderne Werbemittel und die neumodischen Plakate aus Plastik auskommen. Mit einem Bus geht es übers Land. Überall werden die Plakate aufgehängt.
Er erlebt, dass es durchaus gefährlich werden konnte, Plakate der CDU in den roten Arbeiterdörfern der Gegend aufzuhängen und und dabei auf Mitglieder der SPD oder der KPD zu treffen. „Man musste schnell genug weglaufen können“, beschreibt er das damals Erlebte heute.
Als 1946 auf Schloss Vollrads die Junge Union in Hessen gegründet wird, ist er dabei. Er erinnert sich an die Erbensuppe und die Unterbringung in Privatwohnungen von „CDU-Leuten“.
Bis heute verfolgt er das politische Geschehen engagiert, liest die Tageszeitungen und informiert sich. Sorgen bereitet ihm der Glaubensrückgang in der Gesellschaft und die damit einhergehenden Folgen – materialistische Denkweise, fehlende Bereitschaft, sich ehrenamtlich in der Gesellschaft einzubringen. Er ist nicht nur katholisch, sondern auch Mitglied der Malteser und beim DRK. Die Werte, für die seine Kirche, die Vereine, in denen er Mitglied ist, und die CDU stehen, sind ihm wichtig. Er fasst seine Sicht kurz in einem Satz zusammen: „Wer nichts glaubt, glaubt alles.“
Angela Merkel als Bundeskanzlerin unterstützt er. Das ist „schon meine Frau“ an der Spitze des Landes, beschreibt er seinen Blick auf die Arbeit Merkels. Die Aussage des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Albig, gegen Merkel solle die SPD auf einen eigenen Kanzlerkandidaten verzichten, kommentiert er kurz und knapp: „Albig sieht das Wesentliche.“ So spricht ein überzeugter Christdemokrat. Und aus seinem Mund klingt der Satz nicht frech, sondern nüchtern, erfahren.
Lutz Hundelshausen hat die Geschichte unserer Republik bewusst erlebt. Und inzwischen – nicht nur durch die Deutsche Einheit – hat sich unser Land immer wieder verändert. Auch die CDU als Volkspartei hat diese Veränderungen nicht nur gestaltet, sondern selbst nachvollzogen. Das ist sicher auch ein Grund für ihren Erfolg. Nicht selbstverständlich ist es aber, dass Menschen wie Lutz Hundelshausen diese Veränderungen „mitgehen“, dass sie ihrer Partei dabei trotz allen Wandels treu bleiben.
Als ich mich von ihm verabschiede, kann ich nicht anders, als mich beeindruckt zu zeigen. Was für ein Leben, was für ein Christdemokrat. Auf Männer wie ihn sind wir als CDU stolz. Sie sind Motivation und Verpflichtung zugleich.

Lutz Hundelshausen

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2 Kommentare.

  1. Passend dazu habe ich Heute ein Interview mit Franz Mehringskötter aus meinem Podcast-Format „Politik für Anfänger“ veröffentlicht.

    Franz Mehringskötter hat die CDU im Kreisverband Hamm mitbegründet und ist nach dem was er in der Hitler-Diktatur erleiden musste ein überzeugter Christdemokrat.

    http://politik-fuer-anfaenger.de/pfa016-wir-wollen-keine-diktatur/

  2. Ja, das waren und sind die Personen der ersten Stunde. Und wo sind die Personen der aktuellen Stunde? Wie viel große Anläufe hat es schon gegeben, das Mitmachpotential der ersten Stunde in den Mitgliedern zu wecken? Zuletzt sollten in KA die Frauen, die Sympathisanten und die „heimatlosen“ Mitglieder aus ihrem Dornröschenschlaf(f) geweckt werden. Bis jetzt ist dieser Weckruf in den Ländern, Kreisen und Orten noch nicht vernehmbar.

    Es gibt Dringenderes. Es gab schon immer Dringenderes. Es wird wohl auch künftig immer Dringenderes geben. Ein Generalsekretär, der die Ländergrenzen außer Kraft setzen kann, ist nicht vorgesehen.

    Dann, sehr verehrte KAS, doch bitte den Blog-Laden dicht machen, als sich mit Leerlauf zu blamieren. Man muss sich nur einmal die antiquierten Daten der letzten Beiträge und Kommentare ansehen. Lediglich der Sprengsatz wird gepflegt. Vermutlich damit er nicht vorzeitig implodiert. Zugegeben, andernorts sieht es nicht besser aus. Auch dort sind die Anläufe im Sande verlaufen. Die Blog-Manie ist verflogen. KAS, bitte die Konsequenzen ziehen.

    Wenn man die bisherige Mitgliederentwicklung weiter denkt, fehlt spätestens in einer Generation in den Räten und Verwaltungen das Personalpotential, das notwendig ist, qualitativ und quantitativ ausreichend die demokratischen Aufgaben wahr zu nehmen. Die Entwicklung könnte dann in einen hoffentlich noch demokratischen Verwaltungsstaat münden. Gegen das dann übliche und üble Gezeter und die drohenden Gefahren könnte das aktuelle Problem des braunen Packs in der AfD marginal sein.

    Die AfD wird zuverlässig, wie vorher die Piraten und noch früher die RAF und die chaotische Westlinke, das Problem haben, dass man sich zerfleischt und nicht verläßlich über das Personal verfügt, dass in der Lage ist, auf Dauer das bürgerliche Wohlwollen zu erobern. Es ist bezeichnend, dass besonders die versammelten Linksintellektuellen das größte Angstgeschrei ausstoßen. Kein Wunder, die SPD hat die AfD am meisten zu fürchten. Denn nach der Schröderschen Generalverunsicherung its ihre linke Klientel dauerhaft verunsichert.

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