Generalsekretäre in die Produktion – meine Woche im Praktikum

Wie letztes Wochenende hier angekündigt, habe ich in dieser Woche jeden Tag in einem anderen Betrieb ein Praktikum gemacht. Das Handelsblatt hatte im Frühjahr gefordert, Parteigeneräle sollten mal in die Produktion gehen – und das habe ich nun, wie früher auch schon gemacht. Fünf Tage, fünf Bundesländer, fünf Betriebe, über 1500 Kilometer.

Am ersten Tag meiner Praktikumswoche war ich im Milchviehbetrieb meines Bundestagskollegen Kees De Vries in Sachsen-Anhalt. Auf vier Betriebsstätten verteilen sich rund 1.700 Kühe und Kälber. Noch vor dem Frühstück konnte ich beim Füttern der Kälber, Futterranschieben im Stall und der Tierkontrolle mithelfen. Nach einer gemeinsamen Kaffeepause mit der Mannschaft stand das Melken auf dem Arbeitsplan. Pro Tag werden über 20.000 Liter Milch produziert. Ohne Digitalisierung ginge auch da gar nichts mehr. Beim Mittagessen diskutierten wir über die Bedeutung der Landwirtschaft, Fragen der Tierhaltung, Abhängigkeit vom Wetter und die Entwicklung des Milchpreises. Landwirtschaft ist aber längst nicht mehr nur die Arbeit im Stall. Und so ging es zum Abschluss noch ins Büro, wo der Familienbetrieb mit 1.300 Hektar gemanaged wird. Natürlich haben wir auch über den Mindestlohn gesprochen. Insgesamt klappt es da recht gut, aber bei Saisonkräften in der Erntezeit ist noch nicht alles optimal; hier müssen wir dran bleiben. Mir wurde wieder mal deutlich, wie viel harte Arbeit und Aufwand hinter unseren guten Lebensmitteln steckt – und dass dazu sehr viel Idealismus gehört.

Tag 1

Am Dienstag war ich bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. In dem traditionsreichen Stahlunternehmen ganz im Osten von Brandenburg sind rund 2.800 Menschen beschäftigt. Es hat eine enorme Bedeutung für die gesamte Region. Los ging es im Berufsbildungszentrum. Azubis im zweiten Lehrjahr zeigten mir das Feilen, Bohren und Fräsen an der konventionellen Drehmaschine. Danach waren wir am Hochofen. 5.000 Tonnen Eisen fließen hier tagtäglich raus, 1.500 Grad heiß. Im Stahlwerk werden in diesem Jahr über 2 Millionen Tonnen Stahl gefertigt. Anschließend konnte ich im Warmwalzwerk wieder selber mit anpacken – natürlich erst nach der obligatorischen Arbeitssicherheitsbelehrung. Zum Abschluss durfte ich dann beim „Bindebandabschneiden“ helfen. Dabei wird die Fixierung um kaltgewaltzen, aufgerollten Bandstahl entfernt. Stahlindustrie war für mich wieder etwas Neues. Was ich dort zu sehen bekommen habe, hat mich schwer beeindruckt – vor allem die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Standort, der einen gewaltigen Strukturwandel erlebt hat. Wir müssen in der Politik unbedingt die Rahmenbedingungen – insbesondere beim Thema Energie – so setzen, dass Deutschland ein starker Industriestandort bleibt.

Tag 2

Der dritte Tag meiner Praktikumswoche führte mich ins sächsische Pirna zur Bundespolizeidirektion. Das ist natürlich nicht wirklich „Produktion“, aber es war mir wichtig, auch mal die Menschen, die Tag und Nacht für unser aller Sicherheit arbeiten, zu begleiten. Die Direktion hat 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verteilt auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Präsident Jörg Baumbach erläuterte mir die größten Herausforderungen für seine Direktion – steigende Flüchtlingszahlen, grenzüberschreitende Kriminalität, Gefahren durch islamistischen Terrorismus. Nach der täglichen Lagebesprechung ging es auf Streife in der Grenzregion zu Tschechien – zunächst mit Beamten in zivil, anschließend in einem Polizeiauto. Die Zusammenarbeit von Bundespolizei und Landespolizei läuft in Sachsen vorbildlich und erfolgreich. In der Bundespolizeiinspektion Berggießhübel habe ich mit den Beamten über die technische und personelle Ausstattung, das Ansehen von Polizisten in der Gesellschaft, aber auch das Problem gewaltbereiter Fußballfans gesprochen. Ich finde, dass wir immer wieder deutlich machen müssen: Gewalt gegen Polizisten ist ein Angriff auf uns alle. Zum Abschluss des Tages begleitete ich Bundespolizisten am Flughafen und Hauptbahnhof Dresden. Es war spannend, die Abläufe dort auch mal von der anderen Seite kennen zu lernen.

Tag 3

Am Donnerstag ist ein kleiner Traum für mich wahr geworden, denn ich war bei der Firma Geobra Brandstätter in der Nähe von Zirndorf. Der Name sagt nicht jedem etwas. Aber die bekannteste Marke des Unternehmens – Playmobil – kennt jeder. Ich bin mit den Figuren aufgewachsen und sammele sie noch immer. Das Unternehmen ist eine faszinierende Erfolgsgeschichte: Seit 1974 wurden 2,8 Milliarden Playmobil-Figuren produziert. In der Produktion in Dietenhofen arbeiten 1.500 Leute, in 67 Länder wird exportiert. Es ist etwas Besonderes, dass ein Spielwarenhersteller ausschließlich in Europa produziert. Da in der Region Vollbeschäftigung herrscht, werden gerade hier in Bayern qualifizierte Einwanderer als Mitarbeiter immer wichtiger. Zunächst wurde mir das Lager gezeigt, in dem viele Tausende Artikel vorrätig sind und verschickt werden. Anschließend ging es in die Produktion, wo ich mir zunächst alle Schritte – Arbeitsvorbereitung, Spritzerei, Druckerei, Montage – anschauen und mit Azubis über ihre Jobaussichten sprechen konnte. Für die politische Arbeit in Berlin nehme ich mit, dass Zeitarbeit, entgegen mancher Behauptungen, sehr gut funktionieren kann, weil damit Arbeitskräfte an ein Unternehmen rangeführt werden und häufig auch eine Übernahmeperspektive haben. Den Nachmittag verbrachte ich dann nach einer Sicherheitsunterweisung in der Montage am Fließband. Dabei habe ich Kartons mit Figuren und Bauteilen bestückt – pro Minute 25 – sowie Kartons auf Paletten geladen. Außerdem wurde mir bei meinem Besuch noch die Produktion der zweiten Marke des Unternehmens – Lechuza – gezeigt. Hier werden ebenfalls aus Kunststoff Pflanzenkübel und ab nächstes Jahr Gartenmöbel hergestellt. Ich muss wohl nicht extra betonen, dass der Tag im Playmobil-Shop ausklang.

Tag 4

Für den letzten Tag meiner Praktikumswoche ging es in die hessische Heimat. Endlich mal wieder im eigenen Bett schlafen. Doch nicht wirklich lange, denn pünktlich um 2.45 Uhr war ich in der Bäckerei von Wolfgang Naumann in Kefenrod. Diese macht Brot, Brötchen, Kuchen und andere Köstlichkeiten für 27 Filialen, alleine in der Backstube sind fast 40 Mitarbeiter beschäftigt. An verschiedenen Stellen konnte ich selbst Hand anlegen: Baguette sowie Kürbiskern- und Mohnbrötchen fürs Backen vorbereiten, Brotlaibe während des Backens bestreichen, süße Stückchen mit Pflaumen, Mandeln oder Kakaostreuseln belegen, Brötchen aus dem Ofen holen. Nach dem Backen ging es zum Ausfahren der Waren an die Filialen in Büdingen, Gründau, Linsengericht und Gelnhausen. Zur Stärkung gab es im Café der Büdinger Filiale Frühstück – dort gibt es übrigens freies WLAN. Es geht also, wenn man will. Zurück in der „Backstubb“ durfte ich dann wieder Hand anlegen: Gemeinsam haben wir CDU-Kekse gebacken – mit Schokoladen- und Marmeladenfüllung. Montagmorgen werde ich diese an die Kollegen im Konrad-Adenauer-Haus verteilen. Somit werden auch sie ein bisschen von meiner Praktikumswoche profitieren, bei der ich sehr viel gelernt habe und großen Spaß hatte.

Tag 5

Nun ist es Zeit, Bilanz zu ziehen: Die Woche war intensiv und abwechslungsreich. Ich habe sehr viel Neues kennen gelernt und tolle Menschen getroffen. Diese Erfahrung wird mir sicher auch bei der Arbeit in Berlin helfen. Einigen konkreten Punkten, die ich erfahren habe, möchte ich in den nächsten Wochen nachgehen. Also auch dafür hat diese durchaus anstrengende Woche etwas gebracht. Vor allem hat mich aber begeistert, mit wieviel Herzblut die Leute ihre Arbeit tun – auch unter größter körperlicher und mentaler Belastung. Mir ist klar, dass ich immer nur einen ersten oberflächlichen Eindruck bekommen konnte. Und in viele Berufsfelder, die mich auch interessieren würden, konnte ich gar nicht reinschauen. Deshalb hoffe ich, im nächsten Jahr wieder so eine Praktikumswoche machen zu können. Denn persönlich und politisch habe ich sehr viel mitgenommen.

2 Kommentare zu “Generalsekretäre in die Produktion – meine Woche im PraktikumEinen Kommentar schreiben →

  1. Da haben Sie ja super Eindrücke fürs Leben gewonnen, mal einen Tag im Stahlwerk Stahlband geschnitten, dann beim Bäcker ein paar Kekse ausgestochen.
    Machen Sie mal den Test, wie es ist, 3 Monate Konti-Schicht im Stahlwerk zu arbeiten oder jeden morgen um 3 Uhr aufzustehen und Bleche für die zu backenden Schrippen zu fetten.
    „Die hohe Identifikation mit dem Standort hat mich beeindruckt…“ – das kann ich mir sehr gut vorstellen. Mittelmaß ist von Leuten, die wirklich was bewegen und leisten stets schwer beeindruckt. Ekelhaft!

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