Karneval ist auch politisch

Am Wochenende sind in ganz Deutschland die Narren los! Karneval soll natürlich vor allem Spaß machen, aber er ist doch auch immer irgendwie politisch. Das ist mir vor knapp drei Wochen wieder mal sehr bewusst geworden, als wir in meiner Heimatstadt Wächtersbach Karneval gefeiert haben. Dabei hatte der Wächtersbacher Carneval-Verein, bei dem ich selber früher immer fleißig in die Bütt gegangen bin, eine Abordnung aus Erfurt zu Gast. Die Narren kamen vom KV FACEDU e.V. – und schon der Name macht den aufmerksamen Leser etwas stutzig. Denn die Buchstaben unserer Partei im Namen springen einem geradezu ins Auge. Ich habe mich dann mal etwas schlau gemacht: Und in der Tat ist der FACEDU in DDR-Zeiten eine Kulturabteilung der Ost-CDU in Erfurt gewesen, um dort Karneval zu feiern. Diesen Weg sind die Erfurter Narren damals gegangen, weil die SED den Karneval in der bis dahin bestehenden traditionellen Form verboten hatte. Auf der Internetseite des Vereins kann man diese spannende Geschichte nachlesen. So konnte der dem Karneval innewohnende Witz, Spott und Humor – bisweilen hart an die Grenze gehend – unter dem „Dach“ der CDU weitergelebt werden.

mbm

Wir haben in den zurückliegenden Monaten – rund um die Wahl des linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow in Erfurt – viel über die Aufarbeitung der DDR-Geschichte geredet und gestritten. Und sehr oft haben sich Vertreter von Linkspartei, SPD und Grünen damit herausgeredet, die CDU in der DDR sei eine Blockpartei gewesen und habe das System mitgetragen. Dabei unterschlagen sie aber, dass viele Christdemokraten in der DDR inhaftiert, manche auch ermordet worden sind – und dass die Mitgliedschaft in den Blockparteien manchmal auch die einzige Chance überhaupt war, sich wenigstens ein bisschen einzusetzen und für seine Werte zu kämpfen. So war die Ost-CDU für manche eben auch ein Rückzugsraum, um sich dem unmittelbaren Zugriff der SED zu entziehen, wie dieses Beispiel zeigt. Unbestritten ist dabei das Dilemma, dass die Mitgliedschaft in einer der Blockparteien eine systemstabilisierende Wirkung haben konnte. Entscheidend ist aber: Im Unterschied zu den SED-Nachfolgern hat die CDU bewusst die Vergangenheit als Blockpartei aufgearbeitet und auf das Vermögen der Ost-CDU verzichtet. Niemand in der CDU heute verharmlost den Unrechtscharakter des DDR-Regimes oder leugnet gar den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze, wie das Vertreter der Linkspartei immer noch tun.

Gerade in diesem Jahr, in dem wir den 70. Geburtstag der CDU feiern, sollten wir noch viel mehr über solche Geschichten wie die des KV FACEDU sprechen – denn sie zeigen, wie stolz wir auf unser Erbe als Christdemokraten sein können und dass wir uns mit unserer eigenen Geschichte aber auch kritisch auseinandersetzen.

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