Hurra? Hurra!

Hurra!

Oft beende ich meine Reden mit „Hurra“ oder sage das auch beim Abschied. Und natürlich werde ich hin und wieder gefragt, wo das herkommt und warum ich das mache. Nein, ich bin kein Monarchist, sondern überzeugter Republikaner. Es ist auch keine Anlehnung an das „Panzer Hurra“ der Panzertruppe.  Die Geschichte sei aber hier kurz und knapp erzählt:

Ich habe einen guten Freund, der ein Herr im besten Sinne des Wortes ist. Darüber hinaus ist er ein Burgherr. Er wohnt mit seiner Familie auf Burg Brandenstein im Bergwinkel, einer wunderschönen Ecke in meinem Wahlkreis. Constantin von Brandenstein-Zeppelin ist ein gebildeter und zudem weltoffener Mann. Er ist tief verwurzelt in seinem Glauben und setzt sich ehrenamtlich ein, u.a. als Präsident der Malteser in Deutschland. Regelmäßig treffe ich ihn nicht nur beim Apfelblütenfest auf Burg Brandenstein, sondern beispielsweise auch wenn es um das Engagement der Malteser für die Freiwilligendienste geht. Er ist außerdem CDU-Mitglied. Auch dadurch begegnet man sich hin und wieder bei Veranstaltungen unserer Partei.

Constantin von Brandenstein-Zeppelin (Foto: Kurt)

Constantin von Brandenstein-Zeppelin (Foto: Kurt)

Mich hat er immer wieder beeindruckt, weil er nicht nur ein Mann von Format ist, sondern weil er stets positiv, optimistisch und freundlich ist. Und zum Abschied hat er mir nicht nur die Hand gegeben, sondern immer „Hurra“ gesagt. Ich habe lange überlegt, warum er das tut. Will er mich motivieren? Warum sagt er das zu mir? Bis ich irgendwann merkte, dass er nicht nur mich mit dieser Formel verabschiedete. Nach einiger Zeit – es waren wohl Jahre – habe ich ihn dann einmal gefragt. „Lieber Herr von Brandenstein, verraten Sie mir mal, was es mit dem Hurra auf sich hat?“ Seine Antwort kam prompt: „Ganz einfach lieber Herr Tauber, das will ich ihnen gerne erklären. Oft ist nicht viel Zeit, wenn Menschen auseinandergehen, aber man möchte doch die besten Wünsche mit auf den Weg geben, Zuversicht zum Ausdruck bringen, dass sich die Dinge zum Guten wenden und die Freude teilen, dass man sich begegnet ist. Das alles steckt in dem schönen Wort Hurra. Darum sage ich das zu Ihnen, wenn wir uns verabschieden.“

Mir gefällt das sehr gut. Darum sage ich jetzt bisweilen „Hurra“. Nicht immer, aber immer öfter.

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2 Kommentare.

  1. Tolle Geste, gefällt mir sehr sehr … gut. Versuche ich nun auch zu adaptieren.
    Mal schauen ob es mir gelingt.

  2. Bernd Hofmann

    Mit einem Burgherrn kann ich zwar nicht aufwarten, aber eine badische Bäckereifachverkäuferin hat bei mir auch so einen kleinen Paradigmenwechsel der sprachlichen Art ausgelöst :-)

    Beruflich öfters im badischen unterwegs holte ich mir nach getaner Arbeit in der guten Bahnhofsbäckerei (als diese noch von einer richtigen Konditorei betrieben wurde) immer etwas leckeres Süßgebäck für die Heimfahrt im Zug. Also verlangte ich von der Verkäuferin den in der Auslage lecker aussehenden Granatsplitter. Etwas konsterniert sah sie mich an und antwortete fragend „Den Bergsteiger?“ Ähm, ja, den Bergsteiger, antwortete ich, da sie auf das richtige Gebäck zeigte.

    Im Zug wurde ich nachdenklich: Granatsplitter, Bergsteiger? Tatsächlich assoziiere ich (wenn ich nicht gerade in einer Bäckerei stehe) mit dem Begriff „Granatsplitter“ eher Kriegsgeschehen, Soldaten, Verletzte, Gefahr. Der im badischen wohl geläufigere „Bergsteiger“ hingegen ist eine freundliche Umschreibung für die mit viel Fett, Buttercreme, Kakao, Rum und anderen abfallenden Gebäckabschnitten hergestellte Kalorienbombe. Und tatsächlich hat man mit so einem „Bergsteiger“ einiges zu bewältigen wenn man ihn in einer Portion essen will. Man bezwingt diesen kleinen schokoladenüberzogenen fettigen Berg. Hat also eine richtige Wegstrecke vor sich. Gleichzeitig ist es eine lustige und fröhliche Tour (wenn der Rumanteil stimmt).

    Also versuche ich seitdem in den Bäckereien in unserem Main-Kinzig-Kreis statt Granatsplitter selbstbewusst einen „Bergsteiger“ zu verlangen. Mit leider mäßigem Erfolg. Immer wieder muss ich meinen Bergsteiger auf „Granatsplitter“ korrigieren und Ernte missbilligende Blicke von dem Verkaufspersonal. Das Frustet zwar etwas, aber ich gebe nicht auf bis nicht auch die letzte Bäckereifachverkäuferin im Kreis weiß, was ein Bergsteiger ist, und warum wir endlich aufhören müssen unser leckeres Gebäck mit Kriegssemantik zu verkaufen.

    Ich bin aber nicht allzu traurig wenn mir der große sprachliche Wurf in Sachen Bergsteiger vs Granatsplitter nicht gelingt. Immerhin hätte es schlimmer kommen können: In den 50er Jahren hat man (lt. Wikipedia) versucht das köstliche Gebäck von Granatsplitter in „Bärenhaufen“ umzubenennen (Gottseidank ist man mit diesem Versuch gescheitert). #Hurra

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