Archiv nach Kategorien: #Politik

Es gibt sie: die digitale soziale Marktwirtschaft

Vergangene Woche habe ich Angela Merkel zu einem Abend mit Vertretern der Digitalwirtschaft begleitet. 40 Gründerinnen und Gründer waren auf Initiative der Bloomy Days-Gründerin Franzi von Hardenberg und des Geschäftsführers von Door2Door, Tom Kirschbaum, zusammengekommen, um bei einem lockeren Kamingespräch über Trends, Herausforderungen und durchaus auch Privates zu sprechen.

Dieser Abend war ein hervorragender Auftakt zu einer Tour durch Unternehmen der Digitalwirtschaft, die ich in dieser Woche unternommen habe. Die Gründerszene in Berlin ist ungemein vielseitig und zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gearbeitet. Zudem unterhalten viele Firmen mittlerweile größere Büros in Berlin .Man spürt, welche Chancen hier für unsere Volkswirtschaft liegen.

Gesetze gelten online wie offline

Begonnen habe ich bei Facebook, das in der Hauptstadt mittlerweile über 40 Mitarbeiter beschäftigt. Besonders interessiert hat mich natürlich, welche neuen Trends und Nutzungsmöglichkeiten sich im zurückliegenden Präsidentschaftswahlkampf gezeigt und bewährt haben. Nicht alles lässt sich eins zu eins auf Deutschland übertragen, aber manche Idee werden auch wir für unsere Wahlkämpfe adaptieren können. Intensiv diskutiert haben wir über die im Augenblick virulenten Themen Fake-News und Hatespeech. Klar ist: Auch für Plattformen wie Facebook sind diese Erscheinungen nicht nur ein großes Ärgernis sondern mitunter auch geschäftsschädigendes Problem. Diesen Phänomenen Herr zu werden bleibt eine zentrale Herausforderung, bei der sowohl das Unternehmen wie auch die Politik noch Arbeit vor sich haben. Die jüngste Initiative der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im Zweifel Facebook stärker in die Pflicht zu nehmen, ist daher nur konsequent. Neben der Verantwortung von uns als Nutzern und der Verantwortung des Unternehmens braucht es klare gesetzliche Vorgaben, um Persönlichkeitsrechte zu schützen, Hass und Volksverhetzung zu unterbinden und damit Regeln, die offline gelten auch online durchzusetzen.

Zum ersten Termin meiner Digitaltour bei Facebook / Foto: Patrick Broniewski

Danach ging es um knallharte Zahlen: Umsätze, Investitionen, Mitarbeiter. Zuerst habe ich bei Zalando vorbeigeschaut. Der enstehende Campus des Unternehmens in Berlin versinnbildlicht die Erfolgsgeschichte dieses Konzerns, der dem Status eines Start-Ups längst entwachsen ist und weiterhin stetig wächst. Am Beispiel Zalando zeigt sich auch, wie durch die Digitalisierung Arbeitsplätze entstehen – und zwar nicht nur im Technologie- oder Informatikbereich. An seinem Logistikstandort in Erfurt beschäftigt Zalando mittlerweile 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter viele, die über Jahre hinweg ohne Job waren oder gebrochene Erwerbsbiographien aufweisen. Insgesamt arbeiten 12.000 Menschen in Deutschland für Zalandon – vom einfachen Lagerarbeiter bis zum Software-Entwickler.

Auch bei Zalando habe ich vorbeigeschaut / Foto: Patrick Broniewski

Auf Fashion folgte Reisen mit einem Gespräch im Berliner Büro von Booking.com. Das niederländische Unternehmen ist seinerzeit mit 80 Mitarbeitern in Deutschland gestartet, mittlerweile arbeiten hier rund 1.000 Menschen. Die vielfältigen Buchungs- und Vergleichsmöglichkeiten von Unterkünften, die solche Portale bieten, kennen viele ja. Für mich war es spannend, einmal zu erfahren, welche Chancen fernab der großen Hotellketten gerade kleine Landgasthöfe und Pensionen, die Familienbetriebe sind, durch die Plattform haben, Gäste zu gewinnen. Von der Unterstützung bei der Gestaltung der Webseiten bis hin zu maßgeschneiderten Möglichkeiten des Anbietens von Zimmern wird ihnen ein breites Portfolio an Hilfestellungen geboten, von der letztlich beide Seiten profitieren. Und auch ein halbes Dutzend Hotels aus Gelnhausen sind dabei!

Zum Gespräch bei Booking.com / Foto: Tobias Koch

Die große Internationalität und kulturelle Vielfalt der Mitarbeiterschaft, die mir bei meinen ersten Besuchen begegnete, traf ich auch bei Delivery Hero an. Über 50 Nationen sind in dem umgebauten Gebäude des Fernsprechamts vertreten, in dem es bei weitem nicht nur um das Ausliefern bestellter Pizzen und Burger geht, sondern wo intensiv über Zukunftstrends nachgedacht wird. Denn so wie sich etwa das Nutzungsverhalten und die Notwendigkeit eines eigenen Autos durch Car-Sharing in Städten deutlich verändert haben, könnten sich auch die Gewohnheiten im Hinblick auf die Gastronomie verändern. Bedarf es in einigen Jahren noch einer eigenen Küche? Gibt es bald Restaurants und Küchen, die sich ausschließlich auf Lieferessen spezialisieren? Sollten bei der Konzeption von Restaurants zukünftig eigene Zugänge für Lieferdienste bedacht werden? Spannende Fragen, die eindrucksvoll zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten sind.

Im Gespräch mit dem CEO von Delivery Hero, Niklas Östberg. / Foto: Tobias Koch

Zum Abschluss meiner Tour habe ich auf dem Campus von Movinga vorbeigeschaut. Diese Truppe hat sich auf Umzüge in Deutschland und Frankreich spezialisiert und bietet sowohl Umzugswilligen wie auch Speditionsunternehmen einen breiten Service. Der Vergleich von Angeboten fällt deutlich leichter und schlechte Erfahrungen bleiben angesichts des Bewertungssystems meist aus. Denn viele, auch ich, kennen das Gefühl, bei einem Umzug eher im Geiste eines „Wir-sehen-uns-ohnehin-nicht-wieder…“ behandelt zu werden. Für die Speditionen hingegen entsteht beispielsweise die Möglichkeit, ihre Strecken zu optimieren und durch Folgeaufträge auch an anderen Orten Leerfahrten zu vermeiden.

Zum Abschluss meiner Tour habe ich bei Movinga vorbeigeschaut / Foto: Tobias Koch

Was nehme ich mit? Was sind die Ergebnisse?

So unterschiedlich die Geschäftsfelder auch waren – einige Themen kamen überall zur Sprache: Um im weltweiten Wettbewerb mit außereuropäischen Anbietern wie Amazon bestehen zu können, braucht es ein level playing field auf Augenhöhe mit den USA. So erschwert unsere Bürokratie den Kampf um gute Mitarbeiter, ein Kampf der schon lange global geführt wird. Etwa drei Monate dauert es, bis ein Visum bzw. eine Arbeitsgenehmigung vorliegt – das ist zu lang. Die CDU hat darum ja auch beschlossen, die Regeln neu zu bündeln und zu vereinfachen. Ein Einwanderungsgesetz ist ein Projekt für die nächste Legislaturperiode. Auch in Fragen der Regulierung, etwa beim Datenschutz, wünschen sich die Unternehmen mehr Einheitlichkeit und weniger Kleinstaaterei, die sich immer wieder als ein Hemmschuh erweist. Da müssen wir wettbewerbsfähiger werden.

Die ausgebeuteten und schlecht bezahlten Mitarbeiter, das neu entstehende digitale Proletariat sind übrigens ein Mythos. Die Zulieferer bei Foodora und Co. bekommen alle Mindestlohn, die Software-Entwickler sind so gefragt, dass sie gegenseitig abgeworben werden. Was dringend geregelt werden muss ist aber ein flexibles und den Bedürfnissen sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber angepasstes Arbeitsrecht. Neben flexiblen Arbeitszeiten wollen viele eben nicht mehr fest angestellt arbeiten. Hier müssen kluge Regelungen für die Sozialversicherungen her – zum Beispiel eine klar geregelte Einbeziehung von Selbständigen in die Renten- und Krankenversicherung.

Mein Fazit nach zwei Tagen intensiver Gespräche: Deutschland und Berlin genießen eine hervorragende Reputation und die Möglichkeiten bleiben riesig. Ich habe viele motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus aller Welt kennengelernt, die gerne zu uns kommen und mit ihrer Energie, ihrer Kreativität und ihrer Leidenschaft eine echte Bereicherung für unser Land sind. Und wie das aussieht, wenn diese Leute reisen, zeigt dieses Video, das aus den Urlaubsaufnahmen von Booking.com-Mitarbeitern zusammengestellt wurde – ein Schmankerl, das ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Ich wünsche mir, dass sich diese Innovationskraft, diese Weltoffenheit, diese Neugier und dieser Unternehmergeist auch weiterhin in Deutschland zu Hause fühlen. Das ist digitale soziale Marktwirtschaft.

Heimat, Landwirtschaft und High-Tech – die Internationale Grüne Woche in Berlin

Die Grüne Woche in Berlin ist auch in Zeiten der Digitalisierung „the Place to be“ wenn es um Landwirtschaft, Ökologie, Ernährung und die Zukunft der ländlichen Räume geht. Nachdem mein letzter Besuch schon drei Jahre zurücklag, hatte ich nun ein paar Stunden Zeit, um mit vielen mit interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen und die eine oder andere Leckerei aus heimischer Produktion zu genießen.

Den Auftakt machte ein Gespräch mit den Vorsitzenden der deutschen Landjugend, Vertretern der Katholischen Landjugendbewegung und der Evangelischen Jugend. Alle eint das Ziel, unsere ländlichen Räume zu stärken. Die Jugendverbände leisten hier tolle Arbeit, um dörfliches Leben zu erhalten oder sogar zu reaktivieren. Da geht es natürlich um Infrastruktur wie den Landarzt, ein Gasthaus oder das Gemeindeleben in der Kirche. Es geht aber auch darum, die Kommunikation im Dorf wiederzubeleben. Wenn man sich früher noch alltäglich auf der Straße begegnete und einen kurzen Plausch hielt, grüßt sich die Landjugend heute manchmal nur noch durch die doppelverglaste Scheibe der hochmodernen Landmaschine. Das Ziel ist klar: Gemeinschaft auf dem Land muss wieder oder sogar neu belebt werden.

Peter Tauber besucht am 23.01.17 in Berlin die Grüne Woche. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Danach ging es weiter auf den Erlebnisbauernhof des Deutscher Bauernverbandes, des Landjugendbundes und des Landfrauenverbandes. Hier gab es viele tolle Projekt und Ideen zu entdecken. Das Thema Digitalisierung findet in nahezu jedem Bereich statt. Sei es bei den Landfrauen, die wesentliche Teile ihrer oft ehrenamtlichen Arbeit online realisieren oder bei der großen Landmaschine, die mittels modernster Digitaltechnik nicht nur die landwirtschaftliche Fläche optimal nutzt und Daten über die Beschaffenheit des Bodens sammelt sondern auch die Qualität des Getreides registriert, um aus diesen und vielen anderen Daten Rückschlüsse für optimierte Anbauzeiträume und Düngezyklen zu ermitteln. Es ist wirklich beeindruckend, was da unter dem Stichwort „Smart Farming“ auf unseren Feldern nicht mehr nur Zukunftsmusik ist, sondern bereits umgesetzt wird.

Peter Tauber besucht am 23.01.17 in Berlin die Grüne Woche. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Beim Tierschutzbund habe ich erfahren, dass Tierwohl und moderne Landwirtschaft keinesfalls Widersprüche sind. Hier muss man genau hinschauen, denn es gibt selbstverständlich schwarze Schafe. Aber die Vorstellung, dass kleine Betriebe immer toll sind und große Fleischproduzenten per se das Tierwohl gefährden, ist schlicht falsch. Hier ist ein guter Ausgleich zwischen den Interessen der Tierschützer und den Landwirten nicht nur möglich sondern wird in vielen Betrieben schon erfolgreich praktiziert. Auch die Initiative „Tierwohl“ von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat dieses Ziel

Toll ist, was man aus Holz alles machen kann. Unser Wald ist eine der größten Quellen nachwachsender Rohstoffe, die wir in Deutschland haben und den es im Sinne des Naturschutzes aber auch im Sinne der Forstwirtschaft zu erhalten gilt. Da ist Nachhaltigkeit kein Modewort, sondern wird seit 150 Jahren praktiziert. Neben den üblichen Anwendungsbereichen von Holz finde ich vor allem interessant, das zum Beispiel Dämmstoffe für die Wärme- und Schallisolierung aus Holzprodukten hergestellt werden, die ich spontan als Restprodukte der Holzverarbeitung verstanden hätte. Hier gibt es viele nachhaltige Lösungen, die wie ich finde zurecht gefördert werden und dadurch auch für normale Hausbauer interessant sind.

Peter Tauber besucht am 23.01.17 in Berlin die Grüne Woche. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Buchstäblich nachhaltig beeindruckt hat mich die Halle für Bio-Produkte und den daran angeschlossenen Handel. Wer in Berlin wohnt, kennt einige Supermarktketten, die sich vollständig dem Thema „Bio“ verschrieben haben. Aber auch bei uns auf dem Land wie zum Beispiel in meiner hessischen Heimat sind Bio-Produkte immer beliebter. Es ist gut, dass über Bio-Produkte ein stärkeres Bewusstsein über den Wert der Nahrungsmittel transportiert wird und auch der regionale Bezug ist ein immer wichtiger werdender Aspekt.

Peter Tauber besucht am 23.01.17 in Berlin die Grüne Woche. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Abschluss meines Rundgangs über die Grüne Woche war der Besuch in der Schleswig-Holstein-Halle und zu guter Letzt ein gutes Essen bei den Freunden aus Hessen. Bei Grie Soß und hessischer Worscht konnte ich die Gespräche und Eindrücke noch einmal rekapitulieren und komme zu einem positiven Schluss: Was in unserer Landwirtschaft und den daran angegliederten Wirtschaftsbereichen geleistet wird, ist Weltklasse. Beim Thema „Smart Farming“ sind wir auf einem guten Weg und können auch international auf den vorderen Plätzen mitspielen. Genauso wichtig ist aber, dass der ländliche Raum in Deutschland als Heimat für viele Millionen Menschen noch lange nicht abgeschrieben ist. Ganz im Gegenteil. Mehr als zuvor bin ich mir nach zahlreichen Gesprächen sicher, dass es bei uns in Deutschland eine neue „Landlust“ geben kann, wenn wir die Digitalisierung – vor allem beim Netzausbau – weiter vorantreiben und Probleme wie zum Beispiel den Facharzt- oder Lehrermangel in ländlichen Gebieten mit gezielten Förderinstrumenten begegnen.

Peter Tauber besucht am 23.01.17 in Berlin die Grüne Woche. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)Fotos: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Ehrlichkeit ist eine bürgerliche Tugend

Die ruhigen Tage zum Jahreswechsel sind immer eine gute Gelegenheit, das Smartphone mal wegzulegen und dort hineinzuhören, wo die entscheidenden politischen Debatten in Deutschland stattfinden – in der Familie und mit Freunden. Das dürfte für manchen „Bewohner“ der Facebook- und Twitter-Käseglocke ein spannender Zusammenprall mit der Realität sein. Und es hilft, die aktuelle Debatte um social bots, „Fake News“ oder Psychografie und Big Data richtig einzuordnen.

Denn obwohl soziale Medien und das Internet für die politische Meinungsbildung eine immer größere Rolle spielen: Die Bundestagswahl 2017 wird dort nicht entschieden. Übrigens wurde auch die US-Präsidentschaftswahl nicht dort entschieden. Donald Trump hat nicht die Stimmen von über 60 Millionen erwachsenen Amerikanern bekommen, nur weil er geschickt über die sozialen Netzwerke kommuniziert hat. Sondern er hat geschickt die Ängste, Sorgen und auch die Wut vieler Wählerinnen und Wähler angesprochen. Facebook und Twitter waren dann Katalysator seiner Kampagne.

Also alles halb so wild mit social bots und „Fake News“? Nein! Gerade „Fake News“ und Hacker-Angriffe – insbesondere die gezielte Veröffentlichung von „erbeuteten“ Informationen – können ein großes Problem für unsere demokratische Debattenkultur werden. Denn sie schüren Misstrauen und sorgen vor allem für eine Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger.

Jetzt stellen sich zwei Fragen: Erstens, wie damit umgehen? Ich sehe in erster Linie Facebook und Co. in der Pflicht, Nutzern mehr Möglichkeiten zu geben, schneller, einfacher und effektiver gegen die Urheber von Falschinformationen vorzugehen. Ein guter Maßstab könnte hier das Presserecht sein, insbesondere eine angepasste Umsetzung der Pflicht zur Gegendarstellung, wobei die Richtigstellung mit der gleichen Reichweite erfolgen muss. Ob die jüngsten Äußerungen von Marc Zuckerberg, dass die Plattformen im eigenen Interesse zu Korrekturen der bisherigen Abläufe kommen wollen, ausreichen werden, müssen wir sehen.

Und für mich stehen auch Journalisten in der Verantwortung. Es darf nicht jedes Online-Gerücht gleich aufgegriffen und verbreitet werden. Recherche ist Pflicht, keine Kür. Es steht den Redaktionen auch gut zu Gesicht, gegen im Netz kursierende Falschmeldungen mit ihrer Expertise aktiv vorzugehen. Ganz so, wie dies jüngst im Fall der „Fake News“ über ein erfundenes Zitat von Renate Künast geschehen ist.

Für geradezu albern halte ich dagegen den Vorschlag der SPD, ein Abkommen zwischen allen Parteien über den Verzicht auf „Fake News“ abzuschließen. Ehrlichkeit ist eine bürgerliche Tugend. Ich kann mich an keine erfundenen Nachrichten der CDU in den letzten Wahlkämpfen erinnern. Das ist also nur eine billige PR-Nummer der SPD. Die ziemlich ärgerlich ist, weil damit der Eindruck erweckt wird, die Parteien in Deutschland würden zu solchen Maßnahmen greifen wollen. Fairness-Abkommen im Wahlkampf sind eine gute Sache, aber gerade im Bereich der „Fake News“ sind die Parteien nicht Verursacher des Problems. Wenn die SPD wirklich etwas gegen Desinformationen im Wahlkampf unternehmen will, dann sollte sie ihren Kuschelkurs gegenüber Russland ändern. Denn gerade von dort erwarten unsere Sicherheitsbehörden entsprechende Attacken.

Die zweite – und mindestens ebenso wichtige – Frage bei „Fake News“ lautet: Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass sie als wahr betrachtet werden? Das ist nur erklärbar durch den immensen Vertrauensverlust, den Medien, Institutionen, Eliten und Politiker in den vergangenen Jahren erlitten haben. Gerade in den sozialen Netzwerken haben sich die viel zitierten Echokammern gebildet, in die von außen kaum noch Argumente eindringen. Und wer von außen „anklopft“, bekommt höchstens den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt. Ein konstruktiver Dialog ist damit nicht möglich. Das ist traurig, aber es zeigt eben auch, wie tief die Abneigung gegen die Eliten in diesem Land bei einigen ist. Manche gehen einen Schritt weiter und setzen ihre destruktive Energie in die Erstellung von falschen Nachrichten um.

Auch die CDU muss mit „Fake News“ rechnen, wie ein aktueller Fall zeigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte auf dem CDU-Parteitag in Essen gesagt: „Wer das Volk ist, das bestimmt bei uns noch immer das ganze Volk, das bestimmen wir alle, nicht ein paar wenige, und mögen sie auch noch so laut sein.“ Die Jugendorganisation der AfD machte daraus eine Grafik für Facebook, die einen Flüchtling beim Selfie mit Angela Merkel zeigt. Darunter stand: „Merkel eben auf dem Parteitag in Essen: Wer das Volk ist, bestimmen wir.“ Das war keine Verkürzung oder Zuspitzung, sondern eine perfide Lüge!

Es zeigt, worauf sich meine Partei im Bundestagswahlkampf 2017 einstellen muss: Auf harte Attacken von vielen Seiten. Für den Kampf dagegen müssen wir uns wappnen. Das umfasst ein gründliches Monitoring, aber auch die Information unserer Wahlkämpfer vor Ort über „Fake News“. Und dann müssen wir die richtigen Prioritäten setzen. An erster Stelle steht nicht der Kampf gegen „Fake News“ oder social bots. Sondern das sind das Zuhören, das Erklären und das Werben für unsere Ideen für die Zukunft unseres Landes bei den Bürgerinnen und Bürgern. Das werden wir im Internet machen mit einem breiten Angebot auf allen Kanälen. Aber das werden wir vor allem im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht machen – in den Fußgängerzonen, an den Haustüren oder beim Stammtisch. Wir werden – wie wir das schon immer getan haben – rausgehen. Wir werden einen Wahlkampf mit Maß und Mitte machen – offen, ehrlich, direkt und professionell. So wie bislang auch.

Dieser Gastbeitrag wurde am 29. Dezember 2016 auf ZEIT ONLINE veröffentlicht.

Der gegebene Zeitpunkt

Angeka Merkel gibt am 20.11.16 in Berlin im Konrad-Adenauer-Haus eine Pressekonferenz. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Angela Merkel am vergangenen Sonntag im Konrad-Adenauer-Haus. / Foto: Tobias Koch

Der gegebene Zeitpunkt – am vergangenen Sonntag war er endlich da: Angela Merkel tritt bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr erneut als Kanzlerkandidatin für die CDU an. Das ist eine gute Nachricht für unser Land, für Europa – und nicht zuletzt auch für Barack Obama, wie der scheidende US-Präsident vergangene Woche bei seinem Besuch in Berlin verriet: „Angela Merkel steht für große Glaubwürdigkeit und ist bereit, für diese Werte zu kämpfen. Ich bin froh, dass sie da ist und die Deutschen sollten sie wertschätzen.“

Soviel Lob aus berufenem Munde blieb natürlich nicht folgenlos. Als „letzte Verteidigerin des freien Westens“ hat die New York Times die Kanzlerin nach dem Wahlerfolg von Donald Trump bezeichnet. Doch während andere sich von solchen Lorbeeren vielleicht geschmeichelt fühlen würden, hat Angela Merkel mit der ihr eigenen Uneitelkeit auf diese Aussage reagiert. Sie fühle sich geehrt, empfinde diese Erwartungshaltung aber als teilweise grotesk und geradezu absurd, da kein Mensch alleine in der Lage sei, die aktuellen politischen Herausforderungen – angefangen von der Euro-Krise über die Flüchtlingsfrage bis hin zum Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – im Alleingang zum Guten zu wenden. Dieser klare Blick und der feste Wille, nicht dem eigenen Ego, sondern dem Land zu dienen, sind es, die diese Kanzlerin so wertvoll für uns machen.

Denn in den kommenden Monaten wird uns ein Wahlkampf erwarten, wie wir ihn wahrscheinlich noch nie erlebt haben, mit Anfeindungen von rechts und links und einer polarisierten Gesellschaft, in der sich allzu oft nicht derjenige im Recht wähnt, der die besseren Argumente auf seiner Seite hat, sondern derjenige, der am lautesten schreit. Diesen Parolen müssen wir Inhalte entgegensetzen. Die CDU hat dafür erste Eckpunkte festgelegt: Wir setzen auf die Themen Wirtschaft und Arbeit, Unterstützung von Familien und Stärkung der Mitte der Gesellschaft, die Förderung von Zusammenhalt und Identität, Sicherheit als Voraussetzung für Freiheit sowie auf ein starkes Europa. Um diese Ziele zu erreichen, treten wir in einen fairen Wettbewerb mit allen demokratischen Parteien. Oder wie Angela Merkel es formuliert: „Streiten, nicht hassen.“

Foto: Tonbias Koch

Foto: Tobias Koch

Wo die CDU steht

1. Die CDU ist die Volkspartei der Mitte. Das christliche Menschenbild ist die Grundlage unserer politischen Überzeugungen und speist auch unsere drei Wurzeln als CDU: die konservative, die christlich-soziale und die liberale Wurzel. Als zentrale Werte haben wir Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit in unserem Grundsatzprogramm niedergelegt.

2. In einem ihrer Gründungsaufrufe bezeichnet sich die CDU als Sammlungsbewegung. Ausdruck findet das im Gedanken der Union im Namen unserer Partei. Wer unsere Werte und Überzeugungen teilt, der ist aufgefordert mitzumachen – egal welcher Herkunft er ist oder welchen Glauben er lebt. Christdemokraten suchen nach dem, was verbindet. Das C schließt dabei niemanden aus, sondern es ist ein Orientierungspunkt und eine Einladung. Auch an die, die unseren christlichen Glauben nicht teilen.

3. Christdemokraten sind stolz auf unser Land. Die Bundesrepublik ist das beste Deutschland, das es je gab. Frauen und Männer aus unseren Reihen haben dazu in den Städten und Dörfern, den Ländern, dem Bund und in Europa ihren Beitrag geleistet. Unser Volk lebt seit über 70 Jahren in Frieden – länger als je zuvor in der deutschen Geschichte. Die Deutschen sind frei und haben sich einen Wohlstand erarbeitet, den die Generationen vor uns nie kannten. Daraus erwächst für uns die Verpflichtung, unserem Land auch weiter treu zu dienen. Patriotismus und die Liebe zu unserem Vaterland finden durch das C für uns dabei eine klare Grenze nach rechts.

4. Die CDU ist die Europapartei. Von Konrad Adenauer über Helmut Kohl bis heute sind wir der Überzeugung, dass es die Einheit unserer Nation nicht ohne europäische Einigung geben konnte und kann. Europa ist auch für die Zukunft die Grundlage für Frieden, Freiheit und Wohlstand der Deutschen. Die deutsch-französische Freundschaft ist der Motor beim Zusammenwachsen Europas

5. Für uns ist klar, dass auch in der Zukunft die Einbindung Deutschlands in die westliche Werte- und Verteidigungsgemeinschaft der Nato die Grundlage für Frieden und Freiheit des deutschen Volkes ist. Dazu gehört auch das Bekenntnis zur transatlantischen Partnerschaft mit den USA sowie das Eintreten für das Existenzrechts Israels als Teil der deutschen Staatsräson.

Peter Tauber am 19.10.16 in Berlin im Deutschen Bundestag. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

6. Die deutsche Volkswirtschaft profitiert von offenen Grenzen und freiem Handel. Deswegen sind wir als CDU der Überzeugung, dass die soziale Marktwirtschaft auch in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung den richtigen ordnungspolitischen Rahmen vorgibt. Sie hat den Deutschen ein Maß an Wohlstand beschert, das 1945 völlig undenkbar schien. Wir wollen auch weiter ein Land sein, in dem es sich lohnt, sich anzustrengen und fleißig zu sein. Dem Erbe Ludwig Erhards fühlen wir uns verpflichtet. Vor diesem Hintergrund setzen wir weiter auf freien weltweiten Handel und lehnen Protektionismus ab.

7. Die Geschichte der Bundesrepublik ist eine Erfolgsgeschichte. Unser Land hat sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder verändert. Doch viele grundlegende Dinge sind geblieben und bis heute prägend. Wir wollen keine andere Republik. Aber wir wollen Veränderungen eine gute Richtung geben, damit die unser Land prägenden Werte, die auch im Grundgesetz verankert sind, Bestand haben.

8. Wenn sich eine Gesellschaft verändert, dann braucht es etwas Verbindliches und Verbindendes. Und für uns Christdemokraten ist das die deutsche Leitkultur. Sie ist mehr als nur das Grundgesetz. Es sind die Werte, die das Zusammenleben in unserem Land ausmachen – beispielsweise dass wir eine Aufsteigergesellschaft sind, dass sich Leistung lohnt, dass wir stolz auf Schwarz-Rot-Gold sind. Inzwischen haben auch andere Parteien erkannt, dass eine gemeinsame Leitkultur Voraussetzung für das gelingende Zusammenleben ist. Hier hat die CDU einen Kulturkampf gewonnen. Darauf können wir stolz sein.

9. Wenn es neuen Parteien wie der AfD gelingt, mit rechtspopulistischen Forderungen, die unseren Grundüberzeugungen zentral widersprechen, Zuspruch bei Bürgerinnen und Bürgern zu finden, dann darf die CDU sich programmatisch nicht danach ausrichten. Wir müssen stattdessen immer wieder neu und stärker für unsere Überzeugungen werben. Die AfD will unsere Gesellschaft spalten und Deutschland abschotten. Sie wendet sich unter anderem gegen die Religionsfreiheit, gegen die Pressefreiheit und gegen die Meinungsfreiheit. Sie grenzt Menschen aus, weil sie „anders“ sind. Damit bekämpft die AfD elementare Überzeugungen der CDU und Errungenschaften unseres Landes.

10. Christdemokraten stehen im Wettbewerb mit allen anderen demokratische Parteien. Die CDU als Volkspartei der Mitte darf dabei nicht den Eindruck erwecken, sie richte sich in ihren Koordinaten nach anderen, denn sie steht seit 1945 für sich selbst und zu ihren Grundwerten, die unser Land und unsere Partei groß gemacht haben. Christdemokraten weichen keiner Diskussion aus und treten offensiv für ihre Überzeugungen ein. In der Mitte der Gesellschaft.
Veröffentlicht am 23. September 2016 in der WELT.

<i>(Foto: Tobias Koch)</i>

Wenn das kleine Ammerland im großen Berlin auf Sendung ist

Der Morgen danach, ich fühle mich ausgelaugt. Wie nach einer guten Party; gestern Abend noch total geflasht von dem tollen Erlebnis – heute haben die Aufregung und Anspannung nachgelassen und ich muss erst einmal Luft holen.

Jedesmal ärgere ich mich kurz vor einer neuen Veranstaltungsform über mich selber – warum habe ich nur wieder gemeint, eine vermeintlich gute Idee auch gleich in die Tat umsetzen zu müssen? Ich könnte heute Abend so schön auf dem Sofa liegen und einfach mal nichts tun.

Statt dessen: ich habe vor 9 Tagen über meine Kontakte in den sozialen Netzwerken direkt Menschen angeschrieben, von denen ich mir vorstellen kann, dass sie an folgender Einladung interessiert sind: Hallo „Hugo“! Wichtig! Save the Date! Wir bieten nächste Woche Mittwoch eine bundesweite Skype-Konferenz mit der Bildungs- und Forschungsministerin Johanna Wanka an. Am 24.8.16 von 19 – 20 Uhr im Kaminzimmer der Kreisgeschäftsstelle. Wärest du dabei?

FullSizeRender

Gut, ein bisschen geschummelt habe ich bei der Einladung. Es war kein Skype, sondern ein anderes Format. Ein „Digitales Fachgespräch mit Johanna Wanka“, an dem bundesweit 500 Teilnehmer zugeschaltet werden können und das später auf CDU TV Verbreitung findet. Ich dachte mir, unter „Skype“ kann sich jeder was vorstellen, es passt in die Zeit und könnte die Leute anprechen. So war es dann wohl auch: innerhalb von zwei Stunden hatte ich 30 Zusagen, mehr, als das Kaminzimmer fassen kann.

Entstanden ist die Idee im Gespräch mit meiner Kollegin Ute. Die Tatsache, dass die „Digitalen Fachgespräche“ auf unsere Nachfragen bei Mitgliedern im Ammerland noch gar nicht wahrgenommen werden und die Hürde, dass sich nur CDU-Mitglieder beteiligen können, nicht aber interessierte, die wir ja gern zu Neumitgliedern überzeugen möchten, brachte uns darauf, ein gemeinsames, gemütliches „Public Viewing“ anzubieten.

Gestern dann die Vorbereitungen: es sollte ein gemütlicher Abend werden – die Gäste sollen sich wohl fühlen, ein bisschen wie in ihrem eigenen Wohnzimmer. Was eignet sich da besser, als Käsewürfel, Weintrauben und Gummibonbons? Beim Einkaufen habe ich streng selektiert! Was knackt und knuspert zu laut, dass es die Übertragung oder deinen Sitznachbarn stören könnte? Gouda, Kernlose und Joghurt Gums haben den Test bestanden.

Dann 25 Stühle und 2 Stehtische in unser kleines Sitzungszimmer gequetscht, die Dachfenster bei 31 Grad weit aufgerissen und anschließend das bange Warten, wie vor jeder Veranstaltung: Steht die Technik? 20 Minuten vor der Sendung läuft mal wieder gar nix – vermutlich liegt es an meinem veralteten Laptop (kleine Kreisverbände können leider nicht regelmäßig in moderne Technik investieren, immerhin hat das Geld in diesem Jahr für eine Raumkamera und ein Raummikro gereicht). Meine Freundin schickt mich daraufhin aus dem Sitzungsraum raus, voller Vertrauen in unseren Technik-Experten Nils. Gut, Nils macht das beruflich… trotzdem schwindet mein Vertrauen – ungerechtfertigterweise – von Minute zu Minute in seine Fähigkeiten. Ich gehe in mein Büro in der Geschäftsstelle, schnappe mir im Vorbeigehen einen wackeligen Stuhl vom Flur und krame nach dem Imbus in meinem kleinen Werkzeugkasten. Dann baue ich in10 Minuten den Stuhl auseinander und wieder zusammen, permanent lauschend, ob ich von oben eine Erfolgsmeldung bekomme. Der Stuhl wackelt nicht mehr, meine Freundin ruft von der Treppe „Verbindung steht“, das Adrenalin steigt.

IMG_1846

Und schon kommen trotz der lang ersehnten Hitze 20 CDU Mitglieder und Noch-Nicht-Mitglieder, machen es sich im Kaminzimmer so gut es geht gemütlich und unter der Moderation unseres Bundestagsabgeordneten Albani werden Fragen an die Ministerin gesammelt. Noch schnell eine
„Auf den Tisch-Klopf-Abstimmung“ für die beliebtesten Fragen und schon sehen wir Frau Wanka auf der Leinwand unseres Sitzungszimmers lächeln. Ton und Bild laufen etwas ruckelig, ein wenig nostalgische Stimmung kommt auf – wie beim Super-8-Filmabend mit der Familie vor vierzig Jahren. Aber wir bekommen alles gut mit und sind als zweite auf Sendung.
Wieder kurzes Entsetzen, das Zuschalten der Raumkamera funktioniert nicht – das Video-Format akzeptiert nur unsere kleine Laptop-Kamera! Nils dreht schnell den Laptop Richtung Moderator und Stephan Albani darf sogar zwei Fragen an die Ministerin aus unserer Runde stellen (vermutlich weil er ihr mit dem Hinweis geschmeichelt hat, dass er sich nächste Woche auf ihren Besuch bei uns in Niedersachsen als Kohlkönigin freut?).

Was hält die Ministerin davon, dass die TU Ilmenau zum Wintersemester wieder einen Diplom-Studiengang einführen will? Ist das eine Abkehr von Bachelor und Master? Ein entschiedenes „Nein“ erklingt aus unserem kleinen runden Lautsprecher auf dem Tisch. Wenn auf das Zeugnis unter Bachelor oder Master ein Zusatz mit Diplom kommt, das im Ausland immer noch hoch angesehen ist, dann ist das in Ordnung. Viel wichtiger ist, dass die Qualität der Studiengänge überzeugt. Eine Rolle rückwärts wird es bei dem Thema nicht geben.

Albani legt mit der zweiten Frage nach: Wie kann unser viel beachtetes duales Ausbildungssystem gestärkt werden? Antwort von Frau Wanka: Eine neue Werbekampagne über Kino- und Netzspots für Ausbildungsberufe wird gerade gedreht. Wichtiger findet sie aber erfolgreiche Modellversuche, die sich um die realistische Berufsorientierung mit den Schülern kümmern. Diese Modellversuche zu einem dauerhaften Teil der Berufsvorbereitung umzuwandeln hält sie für den richtigen Schritt.

Ein beiderseitiges Danken folgt, der Berliner Moderator wünscht den Ammerländern viel Erfolg bei der anstehenden Kommualwahl (man spürt, dass er ein gebürtiger Niedersachse ist) und schon erscheint der nächste Teilnehmer aus Paderborn auf dem Bildschirm.

Die Video-Konferenz wird weiter gespannt verfolgt. Kleine Aufheiterungen bei ernsten Themen: Eine gemustertete Tapete aus Omas Zeiten im Hintergrund einer jungen Studentin, ein nervöses, niedliches Kichern einer anderen Teilnehmerin nach jedem Satz… man guckt den Leuten ins Wohnzimmer und manch einer traut sich offensichtlich hier Fragen zu stellen, der bei einer großen Veranstaltung mit einer Bundesministerin nicht vor einem großen Publikum aufstehen würde.

FullSizeRender

Punkt 20 Uhr verabschieden sich Moderator und Ministerin aus Berlin und die Ammerländer Runde schweigt. Vorerst. Ein paar Sekunden… so viele Fragen in einer Stunde aus unterschiedlichsten Bereichen der Bildung und Forschung… das muss kurz sacken. Dann beginnt eine angeregte Diskussion, die restlichen gesammelten Fragen werden vom Bundestagsabgeordneten Albani beantwortet. Ich lasse mir ein kurzes Feedback geben:
− Wer von euch hat vorher schon einmal an einem „Digitalen Fachgespräch“ der CDU teilgenommen? Außer mir niemand!
− Möchtet ihr eine Wiederholung? Wen soll ich wieder einladen, wenn ein interessantes Thema ansteht? Jeder zeigt schulmäßig diszipliniert mit dem Finger auf!

Alles klar – der Abend war ein voller Erfolg!

Gut gelaunt helfen alle mit die leeren Teller und Gläser in die Küche zu tragen, wo noch etwas weiter diskutiert und geklönt wird, um 21 Uhr liege ich dann auf meinem Sofa und bin froh, dass ich die drei Stunden vorher nicht auch schon dort gelegen habe…

 

Vielen Dank an Ilka Studnik von der CDU Ammerland für den Gastbeitrag!

Eine Woche bei der Truppe

Ich bin Oberleutnant der Reserve. Nach meinem Grundwehrdienst habe ich während des Studiums in den Semesterferien regelmäßig Wehrübungen abgeleistet. Inzwischen dürften das fast 400 Tage sein. Während des Berufs und nun als Abgeordneter war und ist es mir wichtig, den Kontakt zu den Kameraden in der Truppe zu halten. im Rahmen des Grundwehrdienstes und auf den Lehrgängen und Übungen habe ich bei der Bundeswehr viel gelernt, nicht allein das soldatische Handwerk, sondern auch viel über mich selbst und andere. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, die ich nicht missen möchte und die mich heute ausmachen. Kameradschaftlich mit anderen unserem Land zu dienen, ist etwas Besonderes. Auch deshalb bin ich stolz und dankbar, als deutscher Offizier in unseren Streitkräften einen Beitrag zu leisten.
IMG_6682
Natürlich hat sich die Bundeswehr in den letzten 20 Jahren massiv verändert. Auch diese Veränderungen mitzuerleben ist mir wichtig. Das geht nur durch regelmäßiges Üben in der Truppe. Als Historiker und Offizier interessiert mich nicht nur die Geschichte und Tradition, sondern eben auch der Wandel im Auftrag, in Ausrüstung und Selbstverständnis der Soldatinnen und Soldaten. Um das zu dokumentieren, ist das Militärhistorische Museum der Bundeswehr eine wichtige Institution. Es bewahrt nicht nur die historische Erinnerung an die Wehrpflichtarmee oder die Auslandseinsätze, sondern setzt sich auch mit der Rolle des Militärs in der heutigen Gesellschaft auseinander. Es ist außerdem wichtig, dass es einen Ort gibt, wo sich Bürgerinnen und Bürger mit der Geschichte nicht nur der Bundeswehr, sondern des Militärs in Deutschland beschäftigen können. In seiner Konzeption ist das Museum dabei einzigartig. Die Ausstellung und die wissenschaftliche Arbeit genügen dabei höchsten Ansprüchen und sind auch museumsdidaktisch auf dem neuesten Stand.

IMG_6545

Im Rahmen meiner zweiten Wehrübung vor Ort, die leider nur eine Woche dauerte, habe ich wie bereits bei der erstenÜbung für eine im kommenden Jahr geplante Ausstellung recherchiert und zugearbeitet. Dabei konnte ich auf meiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeit als Historiker, unter anderem auch auf meine Dissertation, die sich mit einem militärhistorischen Thema beschäftigt hat, aufbauen.

IMG_6661Danke für eine Woche bei der Truppe. Danke für erlebte Kameradschaft und Korpsgeist. Danke für Soldaten und zivile Mitarbeiter, die ihren Auftrag erfüllen und dabei keine „Kommissköpfe“ sind, sondern in der Lage leben. Es war mir eine Ehre, wieder dazugehören zu dürfen.
FullSizeRender

Die Bürokratie schlägt zurück

Zwei Termine und eine Vielzahl von Eindrücken und die Erkenntnis: Wir Deutschen können offensichtlich nicht aus unserer Haut.

Ich habe die Erstaufnahmeeinrichtung in Hanau sowie das Jugendhilfezentrum Don Bosco in Sannerz besucht. Mir war wichtig zu erfahren, wie die tägliche Arbeit mit Flüchtlingen aussieht, was inzwischen gut funktioniert und wo wir noch besser werden müssen.

Meine erste Erkenntnis: Die Einsatzbereitschaft sowohl der Fachleute in den Einrichtungen als auch der ehrenamtlichen Helfer ist nach wie vor groß. Das ist gut, denn leider kommen sie in der öffentlichen Diskussion kaum zu Wort und finden zu wenig Aufmerksamkeit. Laut hingegen sind die ganzen Meckerer und Leute, die – sich hinter vielen Sorgen versteckend – oft in Wahrheit einfach ausländerfeindlich sind, am liebsten keinen einzigen fremd aussehenden Flüchtling hier haben wollen und dabei den Art. 1 des Grundgesetzes geflissentlich ignorieren.

Besuch des Jugendhilfezentrums Don Bosco während der Sommertour 2016 in Schlüchtern.  (Foto: Tobias Koch)

Besuch des Jugendhilfezentrums Don Bosco während der Sommertour 2016 in Sinntal. (Foto: Tobias Koch)

Die zweite Erkenntnis: Die übergroße Zahl der Flüchtlinge bringt eine hohe Bereitschaft zur Integration mit. Sie wollen Deutsch lernen, sie wollen eine Ausbildung machen, sie wollen etwas zurückgeben. Das trifft beispielsweise auf die sieben jungen Männer aus Eritrea, Somalia und Afghanistan zu, die ich in Sannerz kennengelernt habe. Ein Jahr lang haben sie sich in einem Orientierungskurs des Jugendhilfezentrums Don Bosco in Kooperation mit der Berufsschule auf eine Ausbildung zum Schreiner vorbereitet. Das handwerkliche Geschick ist vorhanden, erste Deutschkenntnisse ebenfalls und die Motivation ist hoch, das hat mir der Werkstattleiter berichtet. Allein: Aufgrund bürokratischer Hürden mangelt es derzeit an einem passenden Qualifizierungsangebot, weil sich die Behörden über die Finanzierung nicht einig werden. Das kann aus meiner Sicht nicht sein. Wir dürfen diese jungen Menschen sich nicht alleine überlassen, sondern müssen dafür sorgen, dass sie mit einer entsprechenden Ausbildung selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Tun wir es doch, werden wir die negativen Konsequenzen am Ende alle zu spüren bekommen.

Besuch des Jugendhilfezentrums Don Bosco während der Sommertour 2016 in Schlüchtern.  (Foto: Tobias Koch)

Besuch des Jugendhilfezentrums Don Bosco während der Sommertour 2016 in Sinntal. (Foto: Tobias Koch)

Die dritte Erkenntnis: die Bürokratie schlägt zurück. Ich hatte gehofft, dass wir nach der schwierigen Situation im Oktober, November und Dezember, wo wir viele Verordnungen und bürokratische Vorschriften beiseiteschieben mussten, um schnell und effektiv zu handeln, mal ernsthaft überlegen, welche dieser nicht angewandten Regeln in Wahrheit überflüssig sind und abgeschafft gehören. Alle mit denen ich sprach schildern mir aber das Gegenteil. Da werden Parallelstrukturen aufgebaut, weil für die Erstaufnahmeeinrichtungen das Land verantwortlich zeichnet, die so genannten „Kontingentflüchtlinge“ aber von den Kommunen betreut werden, und vorhandene Synergiepotenziale, beispielsweise bei simplen Dingen wie dem passenden Raumangebot für Deutschkurse – aus reinem Formalismus heraus nicht genutzt werden. Kluge Aktionen vor Ort wie die „Bäderlotsen“ für Hanauer Schwimmbäder enden für Organisatoren und Teilnehmer in einem Wust aus Bürokratie. Das bringt uns aus meiner Sicht keinen Millimeter weiter. Das können wir besser!

Und dann sind da noch die berührenden Momente, wenn aus der abstrakten „Flüchtlingskrise“ plötzlich Einzelschicksale werden, wenn Themen wie Krieg, Flucht und Vertreibung plötzlich in einem idyllischen Ort wie Sannerz ganz nah erscheinen. So hat mich die nur auf den ersten Blick simple die Antwort, die mir die bereits eingangs erwähnten jungen Männer auf meine Frage, was sie sich vor ihrer Flucht von einem Leben in Europa erhofft haben, gegeben haben, sehr bewegt: „Frieden“. So einfach ist das. Und für Millionen Menschen auf dieser Erde dennoch oft unerreichbar.

Sprachunterricht in der Erstaufnahme Einrichtung für Flüchtlinge in Hanau. (Foto: Tobias Koch)

Sprachunterricht in der Erstaufnahme Einrichtung für Flüchtlinge in Hanau. (Foto: Tobias Koch)

Ich habe die Jungs am Schluss gefragt, was ihnen gut an Deutschland gefällt und was nicht. Es gab nichts Negatives. Wir haben dann noch zweimal nachgefragt. Wieder Schulterzucken. Mein Freund Günter Frenz meinte dann: „Jetzt hört mal auf zu fragen, was bei uns schlecht ist. Ist doch schön, wenn jemand unser Land einfach mal gut findet. Wir selber meckern schon genug.“ Da hat er Recht.

 

Das war meine Praktikumswoche

Wie schon im letzten Jahr, habe ich auch in diesem Sommer wieder eine Praktikumswoche gemacht. Jeden Tag habe ich in einem anderen Betrieb oder einer anderen Einrichtung hospitiert und dort mit angepackt, wo gerade eine helfende Hand gebraucht wurde. In vier Bundesländern standen ganz unterschiedliche Stationen auf dem Programm. Viele Leute hatten mir dazu bei Facebook konkrete Vorschläge geschickt. Nicht alle Anregungen konnte ich aufgreifen, aber doch wenigstens ein paar.

xxx

Mein Praktikumstag am Montag auf dem Hofgut Marjoß (Foto: Ruppert)

Los ging es am vergangenen Montag im Hofgut Marjoß, einer Einrichtung des Behinderten-Werks Main-Kinzig e.V., in meinem Wahlkreis. Dort habe ich beim Füttern und Ausmisten sowie beim Sammeln, Sortieren und Stempeln der Bioland-Eier geholfen. Rund 50 Menschen mit Handicap sind auf dem Hofgut beschäftigt. Beeindruckt hat mich, mit wieviel Konzentration und Ernsthaftigkeit alle bei der Sache waren und ihre Aufgaben dennoch immer mit einem Lächeln auf den Lippen erledigt haben. Wir als CDU wollen die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt weiter ausbauen. Daher hat die unionsgeführte Bundesregierung im vergangenen Jahr ein Sonderprogramm zum Ausbau der bislang bestehenden rund 800 Integrationsbetriebe deutschlandweit auf den Weg gebracht. Für die Schaffung von rund 5.000 neuen Arbeitsplätzen stehen in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Selbstbestimmung und Teilhabe am Arbeitsmarkt stehen auch im Mittelpunkt der Reform des Bundesteilhabegesetzes, über die wir im Herbst im Bundestag entscheiden. Dafür werden unter anderem die Kommunen ab dem Jahr 2018 jährlich um rund 5 Milliarden Euro finanziell entlastet. Aus meiner Sicht ein richtiger und wichtiger Schritt, denn Integrationsbetriebe wie das Hofgut Marjoß, wo die Menschen gezielt gemäß ihrer Talente und Neigungen gefördert werden, bilden eine wichtige Brücke in den ersten Arbeitsmarkt. Der Weg dorthin ist bereits einigen ehemaligen Hofgut-Mitarbeitern gelungen, wie mir Leiter Dietrich Hunsmann berichtet hat. Eine echte Erfolgsgeschichte, auf die alle Beteiligten zu Recht stolz sein können.

Schweißtreibend ging es am Dienstag beim Straßenbauunternehmen Strassing-Limes (Foto: Wiegelmann)

Schweißtreibend ging es am Dienstag beim Straßenbauunternehmen Strassing-Limes (Foto: Wiegelmann)

Am Dienstag wurde es dann richtig schweißtreibend. Neben einigen Schwielen an den Händen gab es noch einen heftigen Sonnenbrand. Einen Tag lang war ich bei einem Straßenbauunternehmen in meinem Wahlkreis tätig. Meine Schicht begann um 7 Uhr in der Fahrzeug- und Gerätewerkstatt des Bauunternehmens. Meine Aufgabe war es, das Team bei einer umfassenden Überprüfung und Wartung eines Pritschenwagens zu unterstützen. Das ist vor jedem Einsatz zwingend erforderlich, damit es auf den Baustellen später nicht zu Verzögerungen kommt. Am Mittag ging es dann zu einer Baustelle nach Kefenrod. Dort durfte ich in einer Asphaltkolonne mitarbeiten. Es ist spannend zu sehen, wie viele Arbeitsschritte alleine beim oberen Straßenbelag notwendig sind und welche Fallstricke beim Asphaltieren drohen. So darf beispielsweise der Asphalt trotz weiter Anfahrten zur Baustelle beim Verarbeiten in keinem Falle kälter als 110 °C sein. Damit der Verkehr demnächst nicht nur wieder in Kefenrod problemlos fließt, sondern in ganz Deutschland, hat die CDU-geführte Bundesregierung die Mittel für Verkehrsinvestitionen auf Rekordniveau erhöht: Bis zum Jahre 2018 steigen sie um rund 40 Prozent gegenüber 2014. Das zeigt: Wir bringen unser Land voran. Denn ungehinderte Mobilität ist für unser privates wie berufliches Leben unabdingbar.

Zwischenstopp in Berlin an meinem dritten Praktikumstag bei der Jugendberufshilfe und der Volkshochschule (Foto: Blind)

Zwischenstopp in Berlin an meinem dritten Praktikumstag bei der Jugendberufshilfe und der Volkshochschule (Foto: Blind)

An meinem dritten Praktikumstag habe ich bei zwei verschiedenen Einrichtungen hospitiert. Den Vormittag verbrachte ich bei der Jugendberufshilfe der „Neues Wohnen im Kiez GmbH“ in Berlin-Friedrichshain. Dorthin werden Jugendliche übers Jugendamt oder Jobcenter vermittelt, um ihnen Ausbildungsperspektiven zu eröffnen. In zwei Bereichen arbeiten dort junge Leute zwischen 16 und 23 Jahre: Hauswirtschaft und Malerei. Das Angebot ist auch offen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Neben dem Schnippeln von Gemüse und Malereiarbeiten konnte ich mit den engagierten Mitarbeitern der Einrichtung auch darüber reden, wie die Jugendhilfe in Zukunft aufgestellt sein sollte. Nach diesem spannenden Einblick in einen wichtigen, häufig zu wenig beachteten Bereich, war ich noch bei der Volkshochschule in Berlin-Mitte. Dort habe ich an einem Integrationskurs teilgenommen. Die sechstgrößte VHS in Deutschland verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Integrationsarbeit, wie man an vielen positiven Beispielen sieht: Integrationskurs-Zeugnisse werden feierlich überreicht, es  gibt berufsbezogene Deutschkurse in Verbindung mit Betriebspraktika. In dem Kurs, den ich besuchte, lernen Teilnehmer unter anderem aus Syrien, Aserbaidschan, China, Neuseeland und Polen. Wir haben ausführlich über gesellschaftliches Zusammenleben, Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie religiöse Vielfalt diskutiert. Besonders hat mich das große Engagement der Teilnehmer, ihre Freude am Lernen und die schon sehr guten Deutschkenntnisse beeindruckt – und mit wie viel Begeisterung sie ihr neues Leben in Deutschland aufbauen wollen. Ich habe die Gruppe eingeladen, sie im Herbst mal durch den Bundestag zu führen.

Im Marine Science Center im Ostseebad Warnemünde (Foto: Blind)

Im Marine Science Center im Ostseebad Warnemünde (Foto: Blind)

Am Donnerstag war ich im Marine Science Center im Ostseebad Warnemünde. Dort erforscht eine Arbeitsgruppe des Instituts für Biowissenschaften der Uni Rostock die Sinnessysteme und kognitiven Fähigkeiten von Meeressäugern, also Seehunden, Seelöwen und Seebären. Zunächst stellte mir Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Guido Dehnhardt die Einrichtung vor. Sie ist die größte Haltungsanlage dieser Art weltweit. Rund 15 Mitarbeiter sind dort tätig, die zwölf Tiere sind wirklich Teil des Teams. Besucher können auf dem Schiff in Warnemünde Forschung hautnah erleben. Über 40.000 kommen jedes Jahr, darunter viele junge Leute. Die Einrichtung ist damit auch eine Werbeplattform für naturwissenschaftliches Arbeiten. Nach der Einführung hieß es, selbst mit anzupacken. Jeder macht hier alles – ob Putzen der Anlage, Vorbereitung des Fisches oder Fütterung. Am Mittag stand dann die Begleitung der Forschungsarbeit auf dem Programm. Ich konnte den jungen Wissenschaftlern bei verschiedenen akustischen Versuchen über die Schulter schauen. Die Arbeit des Marine Science Center hat mich tief beeindruckt. Und sie ist ein schöner Beleg, für die Vielfalt und Attraktivität des Forschungsstandorts Deutschland.

Abschluss der Praktikumswoche am Freitag bei Bahlsen in Hanover (Foto: Blind)

Abschluss der Praktikumswoche am Freitag bei Bahlsen in Varel (Foto: Blind)

Das letzte Unternehmen meiner Praktikumswoche wäre für das Krümelmonster das Paradies gewesen! Und ich hatte auch einen tollen und spannenden Tag: Ab sechs Uhr habe ich eine Schicht in der Keksproduktion von Bahlsen im niedersächsischen Varel mitgemacht. Das dortige Werk ist einer von drei Standorten in Deutschland. Jedes Jahr produzieren die 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Varel rund 25.000 Tonnen Kekse und Kuchen. Zunächst konnte ich mir – nach der obligatorischen Einweisung in die Hygienevorschriften – die gesamte Produktionskette von der Teigherstellung über das Backen und Verzieren bis hin zur Verpackung anschauen. Bei der letzten Station durfte ich dann selbst mit Hand anlegen und die einzelnen Kekstüten in Kartons packen und diese auf Paletten stapeln. Bei den vielen Gesprächen mit den temporären Kolleginnen und Kollegen war die große Verbundenheit mit dem Unternehmen förmlich zu spüren. Das liegt sicher auch daran, dass Bahlsen ein Familienunternehmen ist. Ich finde: Wir können stolz sein auf unsere starken Familienunternehmen – und wir als CDU wollen gute Rahmenbedingungen schaffen, damit sie auch weiterhin erfolgreich arbeiten können.

Zum Abschluss möchte ich allen danken, die mir diese spannende und informative Woche ermöglicht haben – also den Menschen in den Betrieben und Einrichtungen, die mir so viel erklärt und gezeigt haben, die mich in ihre Arbeit einbezogen haben, die das offene Gespräch gesucht haben, die auch mal ein Auge zugedrückt haben, wenn ich Anfängerfehler gemacht habe. Die Praktikumswoche war wieder eine sehr tolle und wichtige Erfahrung, aus der ich für meine politische Arbeit in Berlin viele Anregungen mitgenommen habe.

Praktikumswoche – die Zweite

Tag 2

Im letzten Sommer habe ich als CDU-Generalsekretär etwas getan, was ich zuvor als Abgeordneter schon öfter gemacht habe: eine Praktikumswoche. Fünf Tage lang habe ich in fünf verschiedenen Unternehmen und Einrichtungen hospitiert. Dabei war mir eines wichtig: Ich wollte nicht nur kurz vorbeikommen und ein Foto machen, sondern selbst einen vollen Arbeitstag lang mit anpacken. Und dabei mit den Leuten reden, die jeden Tag ihr Bestes geben. Weil ich von der Arbeit im Milchviehbetrieb, im Stahlwerk, auf Streife mit der Bundespolizei, am Fließband und in der Backstube viel für meine politische Arbeit mitnehmen konnte, mache ich das dieses Jahr wieder. Viele Leute haben mir dazu bei Facebook konkrete Vorschläge geschickt. Nicht alle Anregungen konnte ich aufgreifen, aber doch wenigstens ein paar.

Los geht es kommenden Montag in meiner hessischen Heimat: Beim Behinderten-Werk Main-Kinzig wird das wichtige Thema Inklusion im Vordergrund stehen. Der Dienstag wird dann richtig schweißtreibend: Ich werde beim Straßenbau mit anpacken. Der Mittwoch steht in Berlin ganz im Zeichen des Themas Integration – bei der Jugendhilfe und in der Volkshochschule. Den Donnerstag verbringe ich im Marine Science Center in Rostock. Und der Freitag führt mich in die Süßwarenproduktion bei Bahlsen in Varel. Ich bin schon sehr gespannt, welche Herausforderungen mich vor Ort jeweils erwarten und was ich lernen werde. 

Natürlich könnt Ihr jeden Tag an meinen Erlebnissen und Eindrücken teilhaben – bei Facebook, Twitter oder Snapchat. Und am Ende der Woche wird es wieder einen ausführlicheren Bericht auf diesem Blog geben.